Von der Quelle zur Mündung Chemnitzer will Rhein in Rekordzeit durchschwimmen

Die Straße von Gibraltar und die Elbe hat er bereits durchschwommen. Nun startet Joseph Heß, Referent der TU Chemnitz, ein neues Abenteuer: Bis zum 6. Juli will er einmal den Rhein von der Quelle am Tomasee in der Schweiz bis zur Mündung in Rotterdam durchschwimmen.

Joseph Heß steht 2017 in der Elbe
Der 34 Jahre alte Jospeh Heß aus Chemnitz will innerhalb von 25 Tagen den Rhein von der Quelle bis zur Mündung durchschwimmen. Bildrechte: dpa

"Ich habe einen Fulltime-Schreibtisch-Job", erzählt Joseph Heß. Er leitet an der TU Chemnitz den Accelerator. Das bedeutet, er betreut Unternehmensgründungen. "Schwimmen ist für mich ein Ausgleich." Doch Kachelnzählen im städtischen Schwimmbad, sagt Heß, wurde ihm bald zu langweilig.

2014 hat er die Straße von Gibraltar durchquert und 2017 die Elbe von Bad Schandau bis Hamburg schwimmend kennnengelernt. Auf diese extremen Erfahrungen kann Heß nun bei seinem Rhein-Abenteuer zurückgreifen. 1.233 Kilometer in 25 Tagen hat er nun vor seiner Brust, die ihn durch sechs Länder führen werden.

Gefahren durch Strudel, Strömungen und Schifffahrt

"So etwas geht nur mit Erfahrung und Expertise", sagt Heß. Und dafür trainiert er hart. In den vergangenen neun Monaten ist er jeden Tag für sich und die Wissenschaft im Wasser gewesen - ob im Chemnitzer Stadtbad, im Strömungskanal oder draußen.

"Strudel, Strömungen, Schifffahrt - das alles sind Gefahren für Schwimmer, die natürlich auch mich betreffen." Gemeinsam mit Wildwasserexperten und dem Wasser- und Schifffahrtsamt hat er ein Sicherheitskonzept erarbeitet. Das heißt auch, dass er manche gefährliche Stelle nicht durchschwimmen und permanent von zwei Kajaks und einem Motorboot mit seinem Schwiegervater am Steuer begleitet wird.

"Den Rheinfall lassen wir zum Beispiel aus", erzählt er. Das sei lebensgefährlich. Auch an der Loreley wird er nicht vorbeischwimmen, sondern Laufen oder mit dem Boot fahren. Dort sei der Rhein zu eng und durch den regen Schiffsverkehr einfach zu gefährlich.

54 Kilometer-Etappen geplant

Rund 54 Kilometer Schwimmstrecke pro Tag plant Heß im Rhein. "Ich werde eine Stunde schwimmen, dann kurz am Kajak einen Schluck trinken und einen Happs essen", erzählt Heß. Danach gehe es im 30-Minuten-Turnus weiter. Nach etwa vier Stunden will er das Wasser für eine Mittagspause verlassen und danach weitere vier Stunden im gleichen Rhythmus schwimmen.

Gutbürgerliche Küche bringt mich über die Strecke.

Joseph Heß

Vor dem Start wird jeden Morgen reichhaltig gefrühstückt. "Vor allem viele Kohlenhydrate, wie Reis, Nudeln oder Kartoffeln", sagt Heß. Gutbürgerliche Küche werde ihn über die Strecke bringen.

ein Schwimmer im Becken - Unterwasserfotografie
Joseph Heß war zur Vorbereitung in den verganenen neun Monaten jeden Tag schwimmen - im Chemnitzer Stadtbad, im Strömungskanal im Chemnitzer Sportforum und auch draußen. Bildrechte: SWIM4SCIENCE | Creative Director: Moritz Rüger | Fotograf: Johannes Fechler

Kaputte Neoprenanzüge und Magen-Darm-Infekt einkalkuliert

Soweit der Plan. Doch ob der aufgeht, hängt an vielen Faktoren, die Heß nicht beeinflussen kann. "Wenn wir zum Beispiel Flachwasser haben, könnte ich mir meinen Neoprenanzug an einem Stein aufreißen", sagt er. "Und auch wenn man gut trainiert ist, wenn man bei 8 Grad Wassertemperatur schwimmt, sollte das Wasser nicht in den Anzug eindringen." Einen Ersatzanzug hat er dabei, ebenso Flickzeug. Das muss für die kompletten 1.233 Kilometer ausreichen.

Doch neben diesen möglichen Pannen hat Heß noch weitere Dinge einkalkuliert: "Ich gehe fest davon aus, dass ich einmal Magen-Darm aus dem Fluss mitbringe und das komplette Team anstecke", erzählt Heß. Das würde Flussschwimmern oft passieren. Auch das könne Verzögerungen mit sich bringen.

Ich gehe fest davon aus, dass ich einmal Magen-Darm aus dem Fluss mitbringe und das komplette Team anstecke.

Joseph Heß

Dringende Bedürfnisse wird Heß unterwegs auch haben. Wie er damit umgeht? "Pullern geht immer im Wasser", lacht er. "Das große Geschäft macht man dann an Land." Obwohl es bei einem Magen-Darm-Infekt auch mal in den Neoprenanzug gehen kann. Aber selbst das nimmt er mit Humor und verweist auf die reinigende Wirkung von Wasser.

Wissenschaftliche Begleitung als sinnstiftendes Element

Begleitet wird Heß gleich von mehreren Wissenschaftlern auf seinem Abenteuer. "Als ich durch die Elbe geschwommen bin, war mir das alles zu ich-zentriert", sagt der 34-Jährige. "Ich wollte neben dem Auspowern und dem Abenteuer gern einen tieferen Sinn des Projekts."

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BRISANT Do 21.04.2022 17:15Uhr 02:31 min

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Mit dabei ist ein Team von Hydrochemikern der TU Chemnitz unter Leitung von Chemieprofessor Andreas Fath. Außerdem sind Sportpsychologen aus Leipzig, Sportmediziner aus Chemnitz und Studierende der Hochschule Mittweida aus den Bereichen Medien und Nachhaltigkeitsmanagement bei Heß' Rheintour dabei.

Botschafter der Kulturhauptstadt

Außerdem sieht sich Heß als Botschafter seiner Wahlheimat Chemnitz. "Ich habe Einladungsschreiben zur Kulturhauptstadt dabei", sagt er. Heß hofft, damit den ein oder anderen entlang des Rheins spätestens im Jahr 2025 nach Chemnitz locken zu können.

Von seinem Rhein-Abenteuer wird Jospeh Heß definitiv bleibende Erinnerungen behalten. Neben seinen persönlichen Erlebnissen wird über seine Extremschwimmen ein Dokumentarfilm entstehen.

MDR (cnj)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | SACHSENSPIEGEL | 08. Juni 2022 | 19:00 Uhr

1 Kommentar

Altlehrer vor 16 Wochen

Also umgekehrt von der Mündung bis zur Quelle zu schwimmen inklusive aller Schleusen wäre die größere sportliche Herausforderung. Sich stromab treiben zu lassen haben wir als Kinder spassig gefunden.

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