Gegen das Vergessen Chemnitz verlegt weitere Stolpersteine für NS-Opfer

Sogenannte Stolpersteine sollen im öffentlichen Raum an die Opfer des Nationalsozialismus erinnern. In Chemnitz gibt es seit Donnerstag 27 neue derartige Pflastersteine. Die Gesamtzahl in der Stadt steigt damit auf 259. Darüber hinaus wurde der Platz auf der Straße der Nationen umbenannt. Er trägt nun den Namen eines jüdischen Rechtsanwaltes.

Ein Arbeiter mit orangefarbenem Overall befetigt Pflastersteine mit metallener Kuppe im Boden. Zahlreiche Menschen schauen zu.
Ein Arbeiter befestigt die Stolpersteine von Marianne, Roland und Jankel Rotstein im Boden. Bildrechte: Harry Härtel

Die Stadt Chemnitz hat am Donnerstag weitere sogenannte Stolpersteine verlegt. Wie die Verantwortlichen mitteilten, sollen sie an mehreren Orten im Stadtgebiet an Menschen erinnern, die von den Nationalsozialisten verfolgt und getötet wurden. Gedacht wird unter anderem der Geschwister Marianne und Roland Rotstein, die mit ihrer Familie auf dem Sonnenberg lebten. Nach Angaben der Stadt wurden sie nach Theresienstadt deportiert, überlebten aber den Holocaust. Geehrt werden neben jüdischen Mitbürgern auch Menschen, die etwa wegen ihrer Homosexualität oder ihrer politischen Einstellung verfolgt wurden.

200 Stolpersteine seit 2007 verlegt

Bei den Stolpersteinen handelt es sich um ein Projekt des Künstlers Gunter Demnig. In Chemnitz wurden im Sommer 2007 die ersten dieser Steine an einstigen Wohnorten von Verfolgten verlegt. Mittlerweile ist ihre Zahl auf mehr als 200 gewachsen. Am Donnerstag wurden insgesamt 27 neue Stolpersteine an 13 Orten verlegt. Auf den Steinen ist eine zehn mal zehn Zentimeter große Messingtafel angebracht, auf der der Name und wichtige Lebensdaten des jeweils Betroffenen vermerkt sind.

Chemnitzer OB: Stolpersteine sind tägliche Erinnerung

Das Projekt hole persönliche Schicksale aus der Anonymität, betonte Oberbürgermeister Sven Schulze (SPD). "Es wird in den einzelnen Biografien deutlich, wie grausam die systematische Ausgrenzung, die Hetze und der Mord an Millionen von jüdischen Bürgerinnen und Bürgern war." Das dürfe nicht vergessen und nie wieder weggeschaut werden, wenn Menschen anderen Menschengruppen etwas antun wollen. "Die Stolpersteine sind so mehr als ein Mahnmal, sie sind eine tägliche Erinnerung auf all unseren Wegen."

Stadtrat beschließt Umbenennung von Platz

Um das Gedenken an die jüdischen Opfer des NS-Regimes wachzuhalten, hatte der Chemnitzer Stadtrat am Mittwoch zudem beschlossen, den Platz auf der Straße der Nationen vor den Kunstsammlungen in Arthur-Weiner-Platz umzubenennen. Arthur Weiner war ein angesehener Rechtsanwalt in Chemnitz und engagierte sich auch kulturell. Nach der Machtergreifung der Nazis wurde er als einer der ersten deutschen Juden 1933 entführt und ermordet.

Quelle: MDR/sth/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Regionalnachrichten aus dem Studio Chemnitz | 06. Mai 2021 | 12:30 Uhr

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