Migration Studie: Vorurteile und Rassismus hemmen Integration von Geflüchteten

Geflüchtete auf dem Land sind mehr auf das Wohlwollen der Bevölkerung angewiesen als in der Stadt. Das ist eine Erkenntnis, die ein Forschungsprojekt zur "Zukunft für Geflüchtete in ländlichen Räumen" ergeben hat, an dem auch die TU Chemnitz beteiligt ist.

Flüchtlinge arbeiten auf dem Feld. 60 Flüchtlinge hat der Verein Be-Greifen in das mittelsächsischen Dorf Klosterbuch integriert
Geflüchtete auf dem Land sind mehr auf das Wohlwollen der Bevölkerung angewiesen als in der Stadt. Diese Geflüchteten im mittelsächsischen Dorf Klosterbuch wurden von dem Verein Be-Greifen unterstützt. Bildrechte: Verein Be-Greifen

Angst, Vorurteile und Rassismus hemmen auf dem Land die soziale Teilhabe von Geflüchteten. Das ist eine Erkenntnis, die ein Forschungsprojekt zur "Zukunft für Geflüchtete in ländlichen Räumen" ergeben hat. Untersucht wurden darin Kommunen in acht Landkreisen in Sachsen, Hessen, Niedersachsen und Bayern, wie die TU Chemnitz am Mittwoch mitteilte. Das Projekt habe eine Lücke in der Migrationsforschung schließen sollen. Denn wenn über die Integration von Geflüchteten gesprochen werde, stünden selten kleine Städte oder Dörfer im Fokus.

Aufnahmebereitschaft der Bevölkerung besonders auf dem Land wichtig

Bei der Unterstützung der sozialen Teilhabe in den ländlichen Räumen komme es stark auf die Haltung der Politiker und Politikerinnen vor Ort an. Hätten sie nur lückenhafte Einblicke in die Lebenslagen von Geflüchteten, sei dies nicht günstig für eine aktive Integrationspolitik. Es sei die Basis für politisches Handeln, dass ein Problem erstmal wahrgenommen werden muss. Für die Integration auf dem Land seien nicht nur Arbeitsplätze, Wohnungen oder Sprachkurse wichtig. Es komme auch stark auf die Zivilgesellschaft und die Aufnahmebereitschaft der lokalen Bevölkerung an, erklärte Professorin Birgit Glorius, die mit ihrem Chemnitzer Team an dem Verbundforschungsprojekt mitgearbeitet hat.

Ergebnisse im Rahmen des Integrations- und Teilhabegesetz

In den untersuchten ländlichen Regionen sei die Zurückhaltung zu Migrantinnen und Migranten größer gewesen als bundesweit. Die Forschenden der TU Chemnitz stellten ihre Ergebnisse auf der Fachkonferenz "Teilhabe und Antidiskriminierung" vor. Sie wurde im Rahmen des Beteiligungsverfahrens zum geplanten Integrations- und Teilhabegesetz veranstaltet.

Publikationen

Prof. Dr. Birgit Glorius
Nach dem Lager. Begegnung, Inklusions- und Exklusionsmechanismen an ländlichen Wohnstandorten in Deutschland. Kapitel in: Praktiken der (Im-)Mobilisierung: Lager, Sammelunterkünfte und Ankerzentren im Kontext von Asylregimen (2021)

Miriam Bürer,  Prof. Dr. Birgit Glorius, Hanne Schneider, Simone Gasch
Handlungsorientierungen, Integrationspraktiken und Einstellungen zivilgesellschaftlicher Akteur*innen in ländlichen Räumen (Thünen Working Paper 167, Februar 2021, 57 S.) | PDF Download (nicht barrierefrei; 754 KB)

Quelle: MDR/dpa/kt

Mehr aus Chemnitz und Stollberg

Mehr aus Sachsen