Landesdirektion Hat Apotheker in Chemnitz Krebsmedikamente gepanscht?

Für viele Krebspatienten ist die Chemotherapie das wichtigste Mittel im Kampf um ihr Überleben. Sie vertrauen auf die Medikamente, die die Ärzte ihnen verschreiben und die Apotheker zusammenstellen. Doch nun gibt es Vorwürfe gegen einen Apotheker in Chemnitz, dass er gepanschte Mittel geliefert haben soll.

Schild einer Apotheke
Einem Chemnitzer Apotheker wird vorgeworfen, Krebsmedikamente in mangelhafter Qualität hergestellt zu haben. Bildrechte: IMAGO / Christian Ohde

Ein Apotheker aus Chemnitz steht unter dem Verdacht Medikamenten für die Krebstherapie (Zytostatika) in mangelhafter Qualität hergestellt und an Ärzte ausgeliefert zu haben. Das teilte die Landesdirektion am Freitag mit. Gegen den Apotheker ermittelt die Staatsanwaltschaft Chemnitz. Die Zytostatika seien individuell für die Patienten hergestellt worden und hätten aufgrund ihrer Mängel nicht die erforderliche Wirksamkeit entfalten können.

Der Hinweis auf Unregelmäßigkeiten sei aus der betroffenen Apotheke selbst gekommen. Am 6. Oktober 2021 ist das Arzneigeschäft durchsucht worden. Bislang seien nicht einmal die Hälfte der Proben untersucht worden. Laut Landesdirektion habe es sowohl Über- und Unterdosierungen als auch korrekte Dosierungen gegeben.

Apotheke weiter geöffnet

Man habe der Apotheke die Herstellung von Zytostatika untersagt, sie sei aber noch geöffnet, so die Landesdirektion. Insgesamt hätten neun Ärztinnen und Ärzte aus dem Raum Chemnitz die Medikamente verschrieben. Sie seien inzwischen von der Landesdirektion informiert worden. Wie viele Patienten betroffen sind, ist bislang unklar. Die Landesdirektion wollte nicht ausschließen, dass die Apotheke bereits früher Zytostatika von minderer Qualität in Umlauf gebracht hat. Eine Prüfung im August habe jedoch keine Mängel ergeben.

Gepanschte Krebsmedikamente in Bottrop

2020 war ein Urteil in einem Medizinskandal um massenhaft gepanschte Krebsmedikamente rechtskräftig geworden. 2018 hatte das Landgericht Essen einen Apotheker aus Bottrop zu zwölf Jahren Haft verurteilt. Die Richter stellten damals fest, dass der Mann Infusionslösungen gestreckt, bei den Krankenkassen aber voll abgerechnet hatte.

Was sind Zytostatika? - Zytostatika sind Medikamente, die bei der Chemotherapie bei Krebserkrankungen eingesetzt werden.
- Sie sollen die Teilung und Vermehrung von Tumorzellen aufhalten.
- Das bewirken sie, indem sie auf unterschiedliche Weise den Stoffwechsel dieser Zelle‎n beeinflussen.
- Manche Zytostatika werden nicht nur bei der Behandlung von Krebserkrankungen eingesetzt, sondern auch bei der Therapie anderer Erkrankungen (zum Beispiel bei Rheuma).

Quelle: MDR/al/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Regionalnachrichten aus dem Studio Chemnitz | 15. Oktober 2021 | 17:30 Uhr

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