Justiz Polizeigewalt: Verfahren gegen Chemnitzer Beamte eingestellt

Nach einem Polizeieinsatz im Januar 2021 in Chemnitz hatte eine kenianische Familie schwere Vorwürfe gegen vier Beamte erhoben. Sie seien Opfer von Polizeigewalt geworden. Nun wurde das Verfahren eingestellt. Die Anwälte der Familie haben dagegen allerdings Beschwerde eingereicht.

Ein Schild weist 2018 am Eingang zum Justizzentrum in Chemnitz auf den Sitz des Amtsgerichts und der Staatsanwaltschaft hin.
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Nach schweren Vorwürfen einer kenianischen Familie gegen Chemnitzer Polizisten hat die Staatsanwaltschaft nun das Verfahren wegen Körperverletzung im Amt eingestellt. Wie die Staatsanwaltschaft Chemnitz auf Anfrage von MDR SACHSEN mitteilte, konnte der Verdacht gegen die vier Polizeibeamten nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden.

Die Ermittlungen hätten nicht mit der "für eine Anklageerhebung erforderlichen Wahrscheinlichkeit" ergeben, dass sich der Sachverhalt so zugetragen habe, wie von der Familie geschildert. Auch aus ärztlichen Unterlagen über die Verletzungen hätten sich keine Anhaltspunkte für strafrechtlich relevantes Verhalten ergeben.

Familie nicht überrascht über Entscheidung

Jackline Nadler ist nicht überrascht von der Entscheidung der Staatsanwaltschaft. "Ich habe es so erwartet", sagt sie. Polizisten hätten ihr schon bei dem Vorfall selbst zu verstehen gegeben, dass sie gegen die Polizei nicht ankommen würde. "Natürlich sagen beide Parteien etwas anderes", sagt ihr Mann Mark Kitau. Deswegen müsste nach seiner Auffassung ein Gericht entscheiden. "Wir sind verletzt worden und haben uns das nicht ausgedacht", sagt Nadler.

Ich habe es so erwartet.

Jackline Nadler über die Einstellung des Verfahrens

Vorwürfe Polizeigewalt
Jackline Nadler und Mark Kitau wollen nicht aufgeben. Sie werfen Chemnitzer Polizisten Polizeigewalt vor. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Aufgeben will die Familie nicht. Ihre Anwälte haben Einspruch gegen die Einstellung des Verfahrens eingelegt. "Die Beschwerdebegründung ist eingegangen und die Akten werden nun zur Prüfung an die Generalstaatsanwaltschaft in Dresden übergeben", erklärt die Staatsanwaltschaft Chemnitz.

Im Januar 2021 waren die Beamten in Chemnitz wegen Lärmbelästigung gerufen worden. In der Wohnung der Familie sei es dann zu einer Auseinandersetzung gekommen. Die Familie wirft der Polizei vor, unverhältnismäßig gehandelt und die Eltern verletzt zu haben. Außerdem habe es rassistische Äußerungen gegeben. Die Polizei Chemnitz wies das zurück, hatte aber eigene Ermittlungen eingeleitet.

MDR (al)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Regionalnachrichten aus dem Studio Chemnitz | 21. März 2022 | 18:30 Uhr

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