Eröffnung Trauerzentrum für Kinder in Zwönitz eröffnet

Der Tod gehört zum Leben - eine Binsenweisheit. Trauer um einen geliebten Angehörigen ist jedoch gerade für Kinder sehr schwer. Die Johanniter wollen trauernden Kindern in Zwönitz mit einem Trauerzentrum helfen.

Ein Mann sitzt mit zwei Mädchen in einem Raum vor einem Bild und hat eine Klangschale in der Hand
Sebastian Brückner von "Lacrima" Zwönitz hilft Kindern und Jugendlichen, mit ihrer Trauer umzugehen. Bildrechte: Johanniter-Unfall-Hilfe e.V./Daniela Blume

In Zwönitz ist ein Trauerzentrum für Kinder eröffnet worden. Die Johanniter Unfallhilfe betreibt unter dem Namen Lacrima (lat.: Träne) zwölf solcher Zentren in Deutschland. Zwönitz hat nach Dresden die zweite Einrichtung in Sachsen. Einrichtungsleiter Sebastian Brückner weiß, wie unterschiedlich Kinder und Erwachsene trauern. "Wir Erwachsenen können solche schlimmen Erlebnisse zuordnen und eingliedern. Vor allem können wir darüber sprechen. Kinder schaffen das nicht. Sie drücken ihre Trauer anders aus, zum Beispiel mit Gestaltungen und Aktivitäten." Außerdem trauerten Kinder in der Regel phasenweise, sagt Brückner.

Man kann sich das vorstellen, wie das Springen in Pfützen. Kinder springen hinein und trauern. Nach zehn oder fünfzehn Minuten springen sie wieder aus der Pfütze heraus, lachen, toben und spielen weiter.

Sebastian Brückner Einrichtungsleiter Lacrima Zwönitz

Ein Mann tobt mit einem Mädchen in einer abgpolsterten Ecke eines Zimmers
Auch Platz zum Toben ist im Zwönitzer Trauerzentrum vorhanden. Bildrechte: Johanniter-Unfall-Hilfe e.V./Daniela Blume

Viel Platz und verschiedene Angebote

Um der Trauerarbeit mit den Kindern Raum zu lassen, haben die Johanniter einen großen, offenen Kreativ- und Kochbereich eingerichtet. Dort gibt es Möglichkeiten zum Kochen, aber auch zum Malen und Basteln. In einem Freizeitraum können die Kinder Tischkicker spielen, toben oder lesen. Auch ein Ruheraum für Entspannungsübungen gehört zu Lacrima, sagt Einrichtungsleiter Sebastian Brückner.

"Unsere Räume sind auf die Bedürfnisse trauernder Kinder angepasst. Die kleinen Trauergruppen finden alle 14 Tage statt. Dort erfahren Kinder und Jugendliche die individuelle Betreuung, die sie in ihrer schwierigen Situation brauchen." Derzeit werden acht Kinder in der Zwönitzer Einrichtung betreut. Bis Ende des Jahres sollen es 20 sein.

So trauern Kinder

Ein Junge steht mit seinem Kuscheltier und einem Kopfkissen in den Händen vor seinem Bett im Kinderzimmer. 2 min
Bildrechte: dpa

Kinder verarbeiten den Verlust eines lieben Menschen auf ganz unterschiedliche Weise. Wer in diesem Prozess Hilfe braucht, kann sich ab heute auch an das Johanniter-Trauerzentrum in Zwönitz wenden. Manja Kraus berichtet.

MDR SACHSEN - Das Sachsenradio Do 17.06.2021 10:40Uhr 02:13 min

https://www.mdr.de/sachsenradio/audio-kindertrauer-zentrum-zwoenitz-100.html

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Kinder sollen mit der Trauer nicht allein gelassen werden

Wichtig sei für Kinder und Jugendliche, ihre Trauergefühle teilen zu können. So merkten sie, dass sie mit ihrem Schicksal nicht allein seien. Ihre Trauer erhalte so eine Natürlichkeit und den Platz im Leben, den sie brauche, lautet der Anspruch bei Lacrima, wo jedes Kind den richtigen Weg für sich finden soll.

Eltern werden einbezogen

Auch die Eltern der trauernden Kinder werden einbezogen, erklärt Daniela Blume von den Johannitern. "Die Eltern haben hier einen eigenen Raum, in den sie sich zurückziehen können. Dort können sie auch auf die Kinder warten, wenn sie Gruppenstunden haben." Da sei auch Raum, um sich miteinander auszutauschen. "Dort ist immer ein Betreuer dabei", sagt Brückner. In Zwönitz gebe es dafür 15 ehrenamtlicher Mitarbeiter. Das sei wichtig, um in der eigenen Trauer auch die richtigen Schritte mit dem Kind zu gehen.

Ein Mann sitzt mit zwei Mädchen in einem indirekt beleuchteten Raum auf dem Boden
Auch Phasen der Ruher sind für die Kinder wichtig - und die Gewissheit, dass sie nicht allein sind mit ihrer Trauer. Bildrechte: Johanniter-Unfall-Hilfe e.V./Daniela Blume

Quelle: MDR/tfr/bs

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Der Tag | 17. Juni 2021 | 10:40 Uhr

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