Hochtechnologie Batterien werden in Döbeln gedruckt

Der Batteriehersteller Blackstone Technology hat vom Bund rund 24 Millionen Euro für die Forschung und Herstellung nachhaltiger Batterien erhalten. Am Mittwoch hat Ministerpräsident Kretschmer das Werk in Döbeln besucht.

Blackstone-Geschäftsführer Holger Gritzka und Marktingchef Serhat Yilmaz erläutern Ministerpäsidenten Michael Kretschmer Einzelheiten der Produktion.
Der Blackstone-Geschäftsführer Holger Gritzka und Marktingchef Serhat Yilmaz erläuterten Ministerpäsidenten Michael Kretschmer die Einzelheiten der Batterie-Produktion in dem Döbelner Unternehmen. Bildrechte: MDR/Matthias Wetzel

Der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hat am Mittwoch den Döbelner Standort des Schweizer Batterieproduzenten Blackstone Technology GmbH besucht. Das Unternehmen, das vor viereinhalb Monaten in Döbeln mit der Produktion von Batteriezellen begonnen hat, erhielt vom Bund eine Anschubfinanzierung von 24 Millionen Euro. Die Zellen sollen für jede Art von Elektromobilität zum Einsatz kommen, vom Gabelstapler bis zum Schiffsantrieb.

Bei einem Firmenrundgang informierte die Geschäftsführung über die geplante Erweiterung des Areals. "Wir haben eine Fertigungsanlage hier installiert, die eine Kapazität von 50 Megawattstunden pro Jahr hat", sagte Geschäftsführer Holger Gritzka. "Wir werden diese Kapazität im nächsten Jahr verzehnfachen." Gleichzeitig werde eine Pilotanlage für das Drucken sogenannter Festkörperbatteriezellen aufgebaut.

Festkörperbatterien gelten als zukunftsweisend für den Automobilbau, weil keine brennbare Elektrolytlösung mehr zur Anwendung kommt. Die Zahl der 30 Mitarbeiter aus sieben Nationen solle bis zum Jahresende verdoppelt werden. "Damit werden wir die Produktionskapazität von derzeit 50 auf 500 Megawattstunden verzehnfachen", sagte Gritzka.

Was steckt hinter dem Namen: Blackstone Technology GmbH? 1995: Gründung der Blackstone Resources AG zur Ressourcengewinnung und Produktion Lithium-Batteriezellen
2018: Börsengang des Unternehmens in der Schweiz und Deutschland
2020: Herstellung der weltweit ersten gedruckten Batteriezellen
Beginn der Forschung zu 3D-Drucktechniken und zur Massenproduktion von Batterienen
2021: Beginn der Serienfertigung von gedrucketen Lithium-Ionen-Batterien mit derzeit 29 Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen
2022: geplanter Neubau einer weiteren Produktionshalle und Verdoppelung der Mitarbeiterzahl

Schneller und leichter: neue Batterien von Blackstone

Erst im vergangenen Dezember hatte Blackstone sein 3D-Druckverfahren zur Herstellung von Batteriezellen präsentiert. Am gleichen Tag begann in Döbeln die Produktion der gedruckten Batterien. Durch das patentierte automatisierte Druckverfahren sollen nach Unternehmensangaben zwischen 30 und 70 Prozent Investitionskosten eingespart werden können.

Auch die Leistungsdichte der gedruckten Batterien soll zwischen 20 und 70 über der herkömmlich hergestellter Zellen liegen. Gewicht, Größe und damit Kosten sollen ebenfalls gesenkt werden können, sagte Holger Gritzka. "Die Elektroden der Batterien werden mit pastösem Material gedruckt. Der Vorteil besteht darin, dass die Maschinen dafür sehr klein und schnell sind." Auch die Batterien sollen sechs Mal schneller geladen werden können, als bei den derzeitigen Energiespeichern auf dem Markt, hieß es.

Auf einem Tisch liegen in Silberfolie verpackte, längliche Batteriezellen.
Unscheinbare Kraftpakete: Mit dem 3D-Drucker lassen sich die Batterien leichter herstellen. Später sollen sie viel schneller zu laden sein als herkömmliche Batterien. Bildrechte: MDR/Matthias Wetzel

Umweltschonende Lösung: Keine organischen Lösemittel

Auch der Einsatz giftiger Stoffe entfalle bei der Produktion. "Wir verwenden keine organischen Lösungsmittel." Bei den eingesetzten Pasten diene Wasser als Lösungsmittel. "Dazu kommt, dass unsere Kathoden aus Lithium-Eisen-Phosphat bestehen." Auf den Einsatz von Kobalt und Nickel werde verzichtet. "Auch damit sind wir sehr umweltfreundlich unterwegs."

Auf die erwartete Nachfrage nach den gedruckten Batterien hat sich Blackstone vorbereitet, sagte Gritzka. "Im Januar haben wir ein weiteres Grundstück auf dem Gelände gekauft. Dort soll eine neue Produktionshalle entstehen, mit der Produktionskapazität nochmals verzehnfacht werden soll."

In einer sauberen Halle steht eine langgestreckte, verkleidete Maschine, Rohre führen an den Wänden entlang.
Noch läuft die Produktion in einer Halle. 2022 soll eine weitere Halle in Döbeln dazukommen. Bildrechte: MDR/Matthias Wetzel

MDR (tfr/mwe)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Der Tag | 13. April 2022 | 17:50 Uhr

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