Generalstaatsanwaltschaft Dresden Terrorverdacht: Ermittlungen gegen Asylbewerber eingestellt

Sanitäter tragen 2018 eine Leiche
Die Terrorgruppe Al-Shabaab ist seit 2006 in Somalia aktiv. Sie reklamierte unter anderem einen Anschlag 2018 in Mogadishu für sich. Bildrechte: imago images / Xinhua

Das Ermittlungsverfahren gegen einen jungen Somalier wegen des Verdachts der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung soll eingestellt werden. Untersuchungen hätten keinen hinreichenden Tatverdacht ergeben, sagte Nicole Geisler, Sprecherin der Generalstaatsanwaltschaft Dresden, MDR SACHSEN. Nach der Durchsuchung der Wohnräume sowie des Handys des Beschuldigten hat sich der Anfangsverdacht nicht erhärtet.

Training bei Terrorgruppe war kein Geheimnis

Der heute 19-Jährige reiste am 9. August 2017 in Deutschland ein und stellte einen Asylantrag. Acht Monate später wurde er dazu im Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) angehört. Dort gab der damals in Döbeln lebende junge Mann an, sich im Jahr 2015 in einem Ausbildungslager der Islamisten-Miliz Al-Shabaab in Somalia aufgehalten zu haben. Vier Tage nach der Befragung übergab das BAMF die Unterlagen an das Landeskriminalamt Sachsen (LKA). Das sei Routine, wenn in Anhörungen Themen wie Geheimdienst, Waffenausbildung oder Militärlager zur Sprache kommen, sagte ein Sprecher. 

Somalier offenbar als Kind verschleppt

Im LKA Sachsen blieb der Fall dann zwei Jahre liegen, bevor die  Generalstaatsanwaltschaft Dresden eingeschaltet wurde. Nach Informationen von MDR SACHSEN ist der 19-Jährige nicht freiwillig in das Ausbildungslager gegangen, sondern wurde vielmehr verschleppt. Der damals 14-Jährige soll dort im Umgang mit einem Sprengstoffgürtel trainiert worden sein, um ein Bombenattentat zu begehen.

Durch eine Anfrage der AfD im Sächsischen Landtag war der Fall öffentlich geworden. In der Antwort darauf, hatte das Sächsische Innenministerium mitgeteilt, dass der 19-jährige Mann in einem Lager der Al-Shabaab ausgebildet  wurde. Die islamistische Miliz ist seit 2006 in Somalia aktiv. Auf ihr Konto gehen mehrere blutige Anschläge - unter anderem der Bombenanschlag auf ein Hotel in Mogadischu im Juli 2015, bei dem sieben Menschen starben. Im Januar vergangenen Jahres töteten Kämpfer der terroristischen Organisation drei Amerikaner in Kenia.

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 28.02.2021 | 16:00 Uhr in den Nachrichten

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