Schweinemast Agrargenossenschaft Naundorf testet Mikroalgen als Tierfutter

Die Agraset-Agrargenossenschaft Naundorf erprobt den Einsatz von Mikroalgen als Futterzusatz in der Schweinemast. Es handle sich um ein Pilotprojekt, teilte das sächsische Regionalentwicklungsministerium mit.

In einer Anlage mit vielen grünen Schläuchen wachsen Mikroalgen.
Auf dem Gelände der Agrargenossenschaft Naundorf wachsen in einer Anlage mit vielen grünen Schläuchen Mikroalgen. Bildrechte: Gicon

Die Agraset-Agrargenossenschaft Naundorf in Mittelsachsen erprobt den Einsatz von Mikroalgen als Futterzusatz in der Schweinemast. Es sei ein sächsisches Pilotprojekt, teilte das Regionalentwicklungsministerium am Montag mit. Bei dem Projekt namens "AlgaPork" werden einzellige Mikroalgen direkt im Betrieb kultiviert und dann dem Tierfutter beigemischt. Für die Algenzucht wird ein sogenanntes Photobioreaktorsystem verwendet - eine patentierte technische Entwicklung des Dresdner Unternehmens Gicon.

Mikroorganismen als Nahrung

Die Mikroalgenanlage ist vergangene Woche auf dem Betriebsgelände in Naundorf aufgestellt worden, wie Martin Ecke von der Biosolar-Abteilung von Gicon MDR SACHSEN berichtet. Dabei handle es sich um Schläuche auf zwei Gestellen, die Bäumen nachempfunden sind. "Auf die Art kann man das Sonnenlicht effektiv nutzen", so Ecke. Das Licht vermehrt wiederum die Mikroalgen, die sich in einer Nährlösung in dem Schlauchsystem befinden. Ist eine gewisse Biomassedichte erreicht, wird ein Teil der Algenlösung abgelassen und als Futter verwendet.

Besser fürs Klima

Aktuell werden in der Agrargenossenschaft 300 Schweine mit Mikroalgen gefüttert. Man dürfe sich das aber nicht so vorstellen, dass man die Schweine mit den Algen fett füttert, sagt Ecke. Es werden lediglich zwischen 0,5 und 1,5 Prozent der gesamten Futtermenge durch die Algenlösung ersetzt.

Die Tiere werden seit einem halben Jahr auf diese Weise ernährt. Zunächst mit Algen aus einer anderen Anlage, jetzt über die Photobioreaktoren vor Ort. Man habe bereits positive Effekte etwa bei dem Immunsystem und der Darmflora der Tiere feststellen können, so Ecke. Auch habe sich die Futterverwertung verbessert. Das heißt, die Fäkalien enthielten weniger Reststoffe und treihauswirksame Gase, was sich positiv auf die CO2-Bilanz auswirkt.

Drei Männer unterhalten sich an einer Anlage mit grünen Schläuchen, in der Mikroalgen produziert werden.
Regionalminister Thomas Schmidt (v.li.), Jan Gumpert von der Agraset-Agrargenossenschaft und Jochen Großmann von Gicon stehen am Photobioreaktor in Naundorf. Bildrechte: Gicon

Projekte wie dieses sind ganz entscheidend für eine nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit der regionalen Wirtschaft und der Stärkung des ländlichen Raumes in Sachsen.

Thomas Schmidt (CDU) Staatsminister für Regionalentwicklung

Knapp 700.000 Euro Förderung

Mit der Mikroalgenproduktion in Mittelsachsen sind wissenschaftliche Forschungsergebnisse der Universität Rostock in die Praxis umgesetzt worden, erklärte Thomas Schmidt, Minister für Regionalentwicklung, bei einer Firmenbesichtigung. Als Teil der Zukunftsinitiative "simul+" wurde das Projekt der Agrargenossenschaft mit knapp 700.000 Euro über das Entwicklungsprogramm für den ländlichen Raum gefördert. Das Projekt läuft noch ein Jahr.

simul+ Die Initiative wurde 2016 vom Regionalminister Schmidt gestartet.
Ziel ist es, wissenschaftliche Forschungsprojekte in die Praxis umzusetzen.
Dabei soll die regionale Wertschöpfung gestärkt werden.
Das lateinische Wort "simul" bedeutet "zusammen" - es soll die Idee der Initiative ausdrücken: gemeinsam einen Mehrwert, ein Plus, zu erreichen.

Quelle: MDR/ma/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | SACHSENSPIEGEL | 23. Juli 2021 | 19:00 Uhr

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