Energiekrise Kohrener Landmolkerei fürchtet Produktionsausfall bei Gas-Stopp

Die aktuelle Energiekrise geht auch an der Kohrener Landmolkerei in Penig nicht spurlos vorbei. Allerdings fürchten sich die Verantwortlichen weniger vor Preissteigerungen, sondern eher vor einem plötzlichen Gas-Stopp. Der könnte die Produktion lahmlegen.

Milchflaschen aus Plaste mit einer lila Ummantelung laufen über ein Fließband
Noch laufen die Milch-Fläschchen in der Landmolkerei in Penig vom Band. Ein russischer Gas-Stopp könnte das aber ändern. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

In der Kohrener Landmolkerei in Penig laufen 24 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche Trinkmilch-Fläschchen vom Band. Der Geschäftsführer der Molkerei, Ralf Brodnicki, ist stolz auf die modernen Maschinen, die den Betrieb konkurrenzfähig halten.

Maschinen brauchen Strom, viel Strom

Allerdings gibt es ein Problem: Die Maschinen verbrauchen viel Strom. Denn um haltbar zu bleiben, wird die Milch erhitzt. Das gehe nicht ohne Gas. Genau wie die Herstellung der Plastikflaschen. Die werden per Gasflamme und Druckluft aus Plastik-Rohlingen aufgeblasen.

Beim Energieverbrauch - sowohl Strom als auch Gas - sind wir sehr, sehr intensiv. Man könnte damit eine kleine Stadt oder ein großes Dorf ein ganzes Jahr lang versorgen.

Ralf Brodnicki Geschäftsführer Kohrener Landmolkerei

Dementsprechend seien alle Teuerungsraten für das Unternehmen intensiv wahrnehmbar, sagt Brodnicki. Allerdings sieht er das nicht als Hauptproblem. Die Preise könne man mit viel Verhandlungsgeschick eventuell an den Handel weitergeben.

Hintergründe zur Kohrener Landmolkerei Die Kohrener Landmolkerei ist eine Privat-Molkerei mit Sitz in Penig. Sie wurde 2009 gegründet. 2012 begann der Umbau einer ehemaligen Schulmöbel-Fabrik zur Molkerei, die 2014 in Produktion ging. Im Juli 2019 musste das Unternehmen Insolvenz beantragen und wurde kurz darauf von der Conzima Food GmbH aus Wiggensbacg im Allgäu übernommen. Seitdem wurden Produktion und Sortiment umgebaut und die Mengen hochgefahren. Geschäftsführer ist Ralf Brodnicki.

Das Unternehmen wirbt damit, ausschließlich Milch regionaler Bauern zu verwenden, die ihre Tiere ohne Gentechnik füttern. Es hat vier Produktlinien: Bauernmilchprodukte, Heumilch, Bio und vegan. Sie kann bis zu 55 Millionen Liter Milch pro Jahr verarbeiten. In der Molkerei sind etwa 90 Menschen beschäftigt. Quelle: www.kohrener-landmolkerei.com

Milch muss tagesaktuell verarbeitet werden

Mehr Kopfzerbrechen bereitet ihm die Diskussion um Gas-Engpässe und Gas-Rationierung. Denn stundenweise anhalten könne er die Produktion nicht, da die Bauern aus der Umgebung ihre Milch jeden Tag zu festen Zeiten anlieferten und die Milch dann auch direkt verarbeitet werden muss. Eine Schlüsselfunktion hätten dabei die Erhitzungsöfen, erkärt der Geschäftsführer.

Ein älterer Mann mit weißem Kittel und Kopfhaube schaut konzentriert in die Kamera
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Wenn wir nicht erhitzen können, können wir keine Produkte herstellen. Egal, ob Flaschenprodukte oder Becherprodukte.

Ralf Brodnicki Geschäftsführer Kohrener Landmolkerei

Arbeitsplätze in der Molkerei und der Bauern hängen am Gas

Im Endeffekt hängen an der ausreichenden Verfügbarkeit von Gas die Jobs der 80 Beschäftigten in der Kohrener Landmolkerei. Und auch die Existenzen vieler Bauern aus der Umgebung. Denn wenn die Molkerei nicht arbeitet, wird es schwierig für sie. Und so richten alle ihre Augen nach Berlin, wie die Bundesregierung die Krise bewältigen will.

Debatte um Gas-Lieferungen

MDR (sth/dh)

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR SACHSENSPIEGEL | 23. Juli 2022 | 19:00 Uhr

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