Obermayer Award Treibhaus-Verein Döbeln erhält internationalen Preis

Der Döbelner Verein Treibhaus wurde 1997 gegründet. Die Vereinsgründer haben sich auf die Fahnen geschrieben, offene internationale Jugend- und Kulturarbeit zu ermöglichen. Jetzt erhält der Verein den international ausgeschriebenen "Obermayer Award".

ein Plakat
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Der Döbelner Verein "Treibhaus" erhält am Dienstagabend den international ausgeschriebenen "Obermayer Award". Der Preis wurde vor 22 Jahren von dem 2016 verstorbenen US-amerikanischen Unternehmer Arthur S. Obermayer ins Leben gerufen. Mit den Awards werden jährlich deutsche Personen und Organisationen gewürdigt, die sich für die Erinnerung an die jüdische Bevölkerung vor der NS-Zeit einsetzen. Ausgezeichnet werden aber auch Menschen, die sich der Bekämpfung von Vorurteilen und Rassismus verschrieben haben.
Treibhaus wird einerseits für sein Engagement gegen die rechtsradikale Szene in der Stadt geehrt. Andererseits wird ein Projekt des Vereins zur Erforschung der jüdischen Geschichte der Stadt Döbeln ausgezeichnet. Stephan Conrad vom Verein Treibhaus freut sich über die Ehre. "Wir fühlen uns geehrt und freuen uns über diese tolle Anerkennung unserer Arbeit. Alle Angebote, die der Verein macht, bietet Menschen die Möglichkeit, mitzugestalten." Der Verein biete dafür Infrastruktur, Know how und Unterstützung. Damit sei demokratische Mitbestimmung unmittelbar erlebbar.

Machen statt meckern!

Stephan Conrad Treibhaus e.V.

Große Bandbreite an Angeboten

Der Verein ist für junge Menschen in vielerlei Hinsicht ein Anlaufpunkt. Die Angebote des Treibhauses reichen von einer Skaterbahn, über das Café Courage, eine Siebdruck- und Grafikwerkstatt bis hin zum Jugendbüro Diversity.

Stephan Conrad ist schon viele Jahre im Verein und weiß aus eigener Erfahrung, wie der Verein jungen Menschen Rückendeckung gibt. "Ich bin selbst ein gutes Beispiel. Ich habe mich schon immer für Geschichte interessiert. Während meines Studiums wuchs das Interesse daran, was eigentlich zur Zeit des Nationalsozialismus in Döbeln passiert ist." Da habe der Verein einen Raum geboten zum Recherchieren, zum Lagern von Akten und zum Treffen von Gleichgesinnten. "So hat sich vor zehn Jahren die AG Geschichte gegründet, um das jüdische Leben in unserer Region zu erforschen. Daraus ist gemeinsam mit meiner Kollegin Sophie Spitzner ein Stadtrundgang entstanden und eine Webseite darüber. Jetzt haben wir jetzt den Obermayer Award dafür bekommen, was uns natürlich unglaublich glücklich macht.

Obermayer Award Der Obermayer Award wird jährlich von der Obermayer Foundation, einer Stiftung aus der Stadt West Newton in Massachusetts, vergeben. Mit dem Preis, der in Berlin vergeben wird, werden deutsche Bürger geehrt, die besondere Beiträge leisten, um die jüdische Geschichte und Kultur ihrer Gemeinden zu erhalten. Es soll das deutsch-jüdische Zusammenleben der Vergangenheit in Erinnerung gerufen und für die Zukunft wiederhergestellt werden. Gründer der Stiftung war Arthur S. Obermayer geschaffen. Der 2016 verstorbene Chemiker war Vorstandsmitglied der Amerikanisch-Jüdischen Gesellschaft. Obermayers Vorfahren stammen aus Deutschland. Quelle: Widen the Circle, Dedham, USA

Trotz verschiedener Angriffe aus der rechten Szene auf Mitglieder und Gebäude hat der Verein Treibhaus in den vergangenen 25 Jahren nicht aufgegeben. Stephan Conrad begründet das ganz pragmatisch. "Das ist unsere Heimatstadt. Wir wollen sie positiv beeinflussen und schöner machen. Für alle, unabhängig davon, wo man herkommt, an was man glaubt oder wie man aussieht." Hier sollten alle die Möglichkeit haben, sich im Gemeinwesen einzubringen und es mitzugestalten.

Wir wollen nicht einfach das Feld den 'lauten' anderen überlassen.

Stephan Conrad Treibhaus e.V.

Blick auf das Abgeordnetenhaus von Berlin
Der Preis wird traditionell im Berliner Abgeordnetenhaus vergeben. Bildrechte: dpa

Der Preis wird am Dienstagabend im Berliner Abgeordnetenhaus vergeben. Coronabedingt erfolgt die Preisverleihung in diesem Jahr virtuell. Weitere Preisträger sind in diesem Jahr der Erinnerungsort Badehaus in Wolfratshausen (Bayern), Josef Wißkirchen aus Pulheim (Nordrhein-Westfalen), Shlomit Tripp und ihr Puppentheater Bubales (Berlin), der Förderkreis Synagoge Laufersweiler und Christof Pies (Rheinland-Pfalz) und Geschichtswerkstatt zeitlupe aus Neubrandenburg (Mecklenburg-Vorpommern).

Quelle: MDR(tfr/ds/hl/bd)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Der Nachmittag | 25. Januar 2022 | 15:10 Uhr

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