Zehn Jahre Bundesfreiwilligendienst Für die gute Sache - Fenja und ihr Bufdi-Jahr in Mittweida

Vor zehn Jahren wurde die Wehrpflicht in Deutschland abgeschafft und damit auch der Zivildienst. Als Ersatz wurde der Bundesfreiwilligendienst eingeführt. Doch was bringt den sogenannten Bufdis das Jahr in sozialen Einrichtungen und wie wichtig sind sie für diese? MDR SACHSEN hat mit Fenja Härtel gesprochen, die ihren Bundesfreiwilligendienst in den Behindertenwerkstätten der Lebenshilfe Mittweida e.V. leistet.

Bundesfreiwilligendienst Lebenshilfe Mittweida
Fenja Härtel leistet ihren Bundesfreiwilligendienst in den Behindertenwerkstätten der Lebenshilfe Mittweida e.V. Felix Horn ist einer ihrer Mitarbeiter in der Metallwerkstatt. Bildrechte: MDR/Anett Linke

In blauen Arbeitshosen sitzt Fenja Härtel am Besprechungstisch. Der vorrangige Einsatzort der 20-Jährigen ist die Metallwerkstatt in der Behindertenwerkstatt der Lebenshilfe Mittweida e.V. Sie fühlt sich sichtlich wohl an ihrem Arbeitsort, auch wenn der Weg dahin am Anfang eher unfreiwillig begann.

"Ich habe eine Ausbildung zur Sozialassistentin gemacht", erzählt sie. Im Rahmen der Ausbildung war ein Praktikum Pflicht. Aus Ermangelung anderer Alternativen landete sie bei der Lebenshilfe. "Es hat mir hier so gut gefallen, dass ich auch mein zweites Praktikum hier gemacht habe", sagt Härtel. Danach habe man ihr von der Möglichkeit erzählt, ein Jahr im Bundesfreiwilligendienst in der Werkstatt zu arbeiten.

Seit September 2020 verbringt Härtel ihre berufliche Zeit mit den rund 200 Menschen mit Behinderungen, die in der Werkstatt beschäftigt sind. Neben der Aufsicht in der Metallwerkstatt unterstützt sie auch im Förder- und Betreuungsbereich. Essen reichen, spazieren gehen, aber auch einzelne Betreuungen fallen in ihren Aufgabenbereich.

Eine Begebenheit ist ihr dabei besonders im Gedächtnis geblieben. Zwei Mittagessen werden jeden Tag für die Beschäftigten angeboten. "Wir haben einen taubstummen Mann in der Metallwerkstatt, der sich auch nicht durch Gebärden ausdrücken kann", erzählt Härtel. "Anhand von Bildern habe ich mit ihm geübt, dass er sich sein Mittagessen aussuchen kann." Mittlerweile klappe das sehr gut und sie merke die reine Freude des Mannes.

Bundesfreiwilligendienst Lebenshilfe Mittweida
Fenja Härtel sieht in der Werkstatt Gerd Krause und Axel Tuschling über die Schulter, wie sie Blitzableiter fertigen. Bildrechte: MDR/Anett Linke

Das Geld war ihr bei der Tätigkeit nicht so wichtig. 340 Euro bekommt sie im Monat bei einer Arbeitszeit von 40 Stunden in der Woche. So idealistisch wie Härtel seien nicht viele junge Menschen, sagt Thomas Trommer, Geschäftsführer der Lebenshilfe Mittweida e.V. Das geringe Entgelt ist aus seiner Sicht ein Grund für die wenigen Freiwilligen. Konnte er vor zehn Jahren alle vier Stellen mit Bundesfreiwilligen besetzen, so sind es in den letzten Jahren nur noch 50 bis 70 Prozent.

Mehr Freiwillige benötigt

Trommer ist überzeugt davon, dass das Jahr im Bundesfreiwilligendienst ein guter Einblick für Menschen ist, die einen sozialen Beruf ergreifen wollen. "Manchmal hat man ein anderes Bild von einem Beruf vor Augen", sagt er. Für seine Einrichtung würde er sich mehr Freiwillige wünschen. "Es ist schwer zu planen", sagt er. "Für Frau Härtel haben wir bisher auch noch keinen Ersatz." Ihre Zeit in der Werkstatt endet am 31. August.

"Die Erfahrung hat mir sehr viel gebracht", so Härtel. "Man wächst in diesem Jahr und lernt, was man kann und was man nicht kann." Auch über ihre berufliche Zukunft ist sie sich in diesem Jahr klargeworden. "Ich werde eine Ausbildung zur Heilerzieherpflegerin machen."


Bundesfreiwilligendienst Der Bundesfreiwilligendienst (BFD) startete am 1. Juli 2011. Bis heute haben rund 400.000 Menschen deutschlandweit einen BFD geleistet.

Der BFD ist in den meisten Punkten an den bestehenden Jugendfreiwilligendiensten (FSJ und FÖJ) orientiert. Dort, wo die gesetzlichen Regelungen eine Abweichung erfordern, richtet sich der BFD dann in der Regel am bisherigen Zivildienst aus.

Am Bundesfreiwilligendienst können Frauen und Männer unabhängig von ihrem Schulabschluss teilnehmen, sofern sie die Vollzeitschulpflicht erfüllt haben (je nach Bundesland mit 16, manchmal auch schon mit 15 Jahren). Eine Altersgrenze nach oben gibt es nicht. Quelle: Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben

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MDR THÜRINGEN JOURNAL Mi 05.05.2021 19:00Uhr 02:31 min

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Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Der Tag | 01. Juli 2021 | 13:00 Uhr

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