Mittelsächsisches Theater Laienschauspieler zeigen Stück über Leben von ungewöhnlicher Botanikerin

Anlässlich des 200. Geburtstages der Botanikerin Amalie Dietrich führte die Bürgerbühne Siebenlehn ein Theaterstück über sie auf. Die Proben fanden im vergangenen Jahr in einer Scheune statt. Nun rufen jedoch die Bretter, die die Welt bedeuten: Die Bürgerbühne darf ihr Theaterstück als Gastspiel im Mittelsächsischen Theater in Freiberg und Döbeln auf der großen Theaterbühne zeigen.

Gruppenbild auf einer Theaterbühne
Die Laienschauspielgruppe der Bürgerbühne Siebenlehn führt ihr Stück am Wochenende am Mittelsächsischen Theater in Freiberg und Döbeln auf. Bildrechte: Bürgerbühne Siebenlehn

Die Laiengruppe der Bürgerbühne Siebenlehn hat es geschafft: Einige Monate nach ihrer Premiere eines Theaterstücks über Amalie Dietrich dürfen sie dieses als Gastspiel am Mittelsächsischen Theater in Freiberg und Döbeln auf der großen Bühne aufführen.

"Wir waren sehr überrascht, dass wir eine Gastspielgenehmigung im Mittelsächsischen Theater bekommen", erzählt Dietmar Lippert von der Bürgerbühne. Die Aufregung der Laienschauspieler sei groß. "Jetzt ist es so, dass die Schülerin neben dem Rentner, die Verwaltungsmitarbeiterin neben dem Geschäftsführer auf dieser Theaterbühne steht", sagt Lippert.

Gastspiele von Laientheatergruppen im Mittelsächsischen Theater

Gastspiele von Laientheatergruppen sind am Mittelsächsischen Theater nichts Ungewöhnliches, sagt Pressesprecher Christoph Nieder. "Wir haben gute Verbindungen in die Region", sagt er. Außerdem sei zu dieser Jahreszeit Platz auf den Bühnen der beiden Häuser, da sich das Profi-Ensemble hauptsächlich auf die Sommerspielzeit auf der Seebühne Kriebstein und dem Schlosshof Freiberg konzentriere. Außerdem würden regionale Themen gut ins Mittelsächsische Theater passen, so Nieder.

Szene aus einem Theaterstück
Die Botanikerin Amalie Dietrich wurde in Siebenlehn geboren. Anlässlich ihres 200. Geburtstages zeigt die Bürgerbühne Siebenlehn ein Stück über ihr Leben. Bildrechte: Bürgerbühne Siebenlehn

Theaterstück zum 200. Geburtstag von Botanikerin Amalie Dietrich

Das Stück "Amalie Dietrich - Besser ein schweres Leben als ein leeres Leben" wurde im Herbst 2021 anlässlich des 200. Geburtstages von Dietrich von der Bürgerbühne Siebenlehn aufgeführt. Das Leben der in Siebenlehn geborenen Dietrich ist vielschichtig und reich an Abenteuern. "Eine Frau, Anfang des 19. Jahrhunderts als Botanikerin, Naturforscherein und zehn Jahre in Australien, das war keine Selbstverständlichkeit", erklärt Lippert von der Bürgerbühne die Faszination an Dietrich.

Wer war Amalie Dietrich? Die in den ärmlichen Verhältnissen einer Heimarbeiterfamilie aufgewachsene Amalie Concordia Nelle lernt die Grundbegriffe der Botanik von ihrem Mann, dem Apotheker Wilhelm Dietrich. Unter seiner Anleitung wird sie zu einer erfolgreichen Botanikerin und Sammlerin.

Nach der Geburt ihres Kindes trennt sie sich 1848 von Mann und Tochter und zieht mit dem Handwagen durch die Salzburger Alpen, um Insekten und Pflanzen zu sammeln. Diese verkauft sie, mit einem Hundegespann durch halb Europa ziehend, an Universitäten und Wissenschaftler.

1863 reist sie im Auftrag des Hamburger Kaufmanns C. Godefrey, der ein Natur- und Völkerkundemuseum der Südsee einrichten will, nach Australien. Zehn Jahre verbringt sie mit dem Sammeln und Bestimmen von Pflanzen und Tieren.

Sie präpariert 244 Arten von Vögeln und entdeckt fast 640 Pflanzenarten, von denen mehrere nach ihr benannt werden, z.B. die Algenart "Sargassum Amaliae" und die Wespenarten "Nortonia Amaliae" und "Odynerus ietrichianus".

Nach ihrer Rückkehr 1873 betreut sie die von ihr angelegte Sammlung und wird 1879 Kustodin des Botanischen Museums in Hamburg. Quelle: Freistaat Sachsen

Geholfen hat der Bürgerbühne bei der Recherche eine Kunstodin im Grassimuseum für Völkerkunde, die eine ausgewiesene Amalie-Dietrich-Expertin ist. "Sie war schon zu DDR-Zeiten öfter in Australien und hat dort die Routen nachvollzogen, auf denen Amalie unterwegs war", erzählt Lippert.

Präparate von Gebeinen der australischen Ureinwohner umstritten

Australien war eine wichtige Lebensstation von Amalie Dietrich. Kritiker meinen, Amalie sei auf fragwürdige, vielleicht auch kriminelle Weise an die Gebeine der Aborginines gekommen. Es gibt Thesen, die sich von Grabräuberei bis hin zu Mordkomplotten ranken. Natürlich kommt auch das Theaterstück der Bürgerbühne an diesem Thema nicht vorbei. "Bei uns wird es dargestellt, dass Amalie einen Jäger trifft und genau dieses Thema im Dialog bespricht", sagt Lippert. "Aber: Es ist absolut nicht bewiesen, dass Amalie diese Taten begangen hat."

Es sei eher sehr wahrscheinlich, dass es im Zuge der Ansiedlung der weißen Siedler zu Auseinandersetzungen gekommen sei und es gar kein Problem war, an die Skelette heranzukommen. "Es ist unwahrscheinlich, dass Amalie selber gemordet oder Morde in Auftrag gegeben hat", so Lippert.

Termine des Gastspiels 21. Mai im Theater Freiberg um 18 Uhr
22. Mai im Theater Döbeln um 16 Uhr

MDR (al/jh)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Regionalreport aus dem Studio Chemnitz | 16. Mai 2022 | 14:30 Uhr

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