Offener Brief Bündnis "Freiberg für alle" wehrt sich gegen Corona-Proteste

In vielen Städten Sachsens gibt es mehrmals pro Woche sogenannte Spaziergänge gegen die Corona-Maßnahmen. Auch in Freiberg wird protestiert. Das Bündnis "Freiberg für alle" hat sich in einem offenen Brief scharf dagegen ausgesprochen.

Mehrere Polizisen in schwarzer Montur stehen unter einem "Glück auf"-Schild. Daneben sind Passanten an Weihnachstmarktbuden zu sehen.
Der Freiberger Obermarkt ist schon mehrfach zum Treffpunkt unangemeldeter Versammlungen gegen die Corona-Maßnahmen gewesen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Nachdem sich wiederholt hunderte Menschen in Freiberg zu Protesten gegen die aktuellen Corona-Maßnahmen versammelt haben, hat das Bündnis "Freiberg für alle" reagiert. In einem Offenen Brief ruft das Bündnis dazu auf, die Situation nicht weiter eskalieren zu lassen, sagt Sprecherin Claudia Kallmeier. "Wir haben den Offenen Brief initiiert, um der großen Mehrheit in Freiberg, denen die andauernden illegalen Demonstrationen zuwider sind und die die Corona-Schutzmaßnahmen aus Verantwortungsgefühl und Solidarität mit den Kliniken mittragen, eine Stimme zu geben." Es sei an der Zeit gewesen, laut und deutlich zu widersprechen. Bisher ist der Offene Brief von mehr als 800 Menschen unterzeichnet worden.

Bündnis "Freiberg für alle" Das Bündnis "Freiberg für alle" wurde im Juni 2019 als Netzwerk von Organisationen, Vereinen,
Initiativen und Privatpersonen gegründet. Das Bündnis will alle unterstützen, die sich für ein offenes, lebenswertes und demokratisches Freiberg engagieren. Es fördert den Austausch untereinander, mit der Stadt und ihrer Verwaltung sowie der Öffentlichkeit. Damit soll auch die zunehmende Spaltung der Gesellschaft überwunden werden.

Bündnis "Freiberg für alle"

Gleichzeitig betonen die Verfasserinnen und Verfasser des Schreibens, dass ihnen die Einschränkungen viel abverlangen und auch Existenzen gefährdet sind. Wörtlich heißt es: "Unsere Kinder können nicht zum Weihnachtsmärchen ins Theater und wir können nicht mit unseren Familien zum gemütlichen Bummel auf den Christmarkt gehen. Wieder müssen wir kreativ werden und uns zu Hause bei Laune halten, so gut es geht." Der lockdownähnliche Zustand gefährde Existenzen von Gewerbetreibenden, teilweise könnten die Menschen ihre Berufe nicht ausüben, Kindergärten und Schulen seien geschlossen oder arbeiteten im eingeschränkten Regelbetrieb. "Wir wissen nicht, wie lange dieser Zustand dieses Mal andauert."

Klare Forderung an "Spaziergänger" und Politik

Das Bündnis "Freiberg für alle" fordert in dem Schreiben die sogenannten Spaziergänger auf, das "weitere Befeuern der Pandemie" zu unterlassen. Gleichzeitig richten sie an die Politik die klare Erwartung, die nicht genehmigten Demonstrationen nicht länger zu dulden.

Es gelten Regeln und die gelten für alle. Wenn eine Versammlung momentan nur an einem Ort und nur für zehn Personen erlaubt ist, dann gilt das für alle. Diese Ungleichbehandlung erzeugt Frust, Unverständnis und stößt alle diejenigen vor den Kopf, die sich seit Monaten an die Einschränkungen halten.

Auszug aus dem Offenen Brief des Bündnisses "Freiberg für alle"

Zahlreiche Menschen haben sich auf einem hell beleuchteten Marktplatz versammelt.
Trotz Verbot hatten sich erst am Sonnabend etwa 150 Personen in Freiberg zu unangemeldeten Protesten getroffen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Kein Abenteuerspielplatz für Rechtsextreme und Coronaleugner

Die Verfasser des Briefes sehen auch den Ruf der Stadt in Gefahr. Am Ende des Schreibens heißt es, dass Freiberg nicht zum Abenteuerspielplatz der Rechtsextremen und Coronaleugner werden dürfe. "Wir wollen, dass weiterhin Touristinnen und Studenten aus aller Welt gerne hierher kommen und unseren Gastronominnen sowie Hoteliers und der Wirtschaft wichtige Einnahmen bescheren." Der Ruf der Stadt und der Region werde durch die "Spaziergänge" nachhaltig beschädigt. "Das darf nicht sein! Wir sind eine offene, freie Stadt und das wollen wir auch bleiben."

Quelle: MDR/tfr

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Regionalnachrichten aus dem Studio Chemnitz | 06. Dezember 2021 | 09:30 Uhr

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