Urlaub zu Hause Einsam auf zwei Rädern - Radtour an der Freiberger Mulde

In den Sommerferien hatten wir eine Radtour entlang der Freiberger Mulde gemacht. Und wir haben uns gedacht: Was im Sommer einen Ausflug wert war, kann auch im Herbst ein lohnenswertes Ausflugsziel sein. Deshalb lesen Sie hier noch einmal unsere Reportage und lassen Sie sich zu einem Ausflug inspirieren.

Mulderadweg
Bildrechte: MDR/Norman Jung

Der Mulderadweg wird als einer der schönsten Radwege Deutschlands angepriesen. Und dennoch ist er bislang ein Geheimtipp. Nachdem ich Elbe, Oder und Vereinigte Mulde komplett abgefahren habe, wollte ich mich in diesem Jahr der Freiberger Mulde widmen, einem der zwei Quellflüsse. Ebenso wie die Zwickauer Mulde wird sie von einem Radweg begleitet. Sie ist von Dresden aus gut zu erreichen und mit einer Länge von etwa 120 Kilometern ideal für eine "schnelle" Radtour.

Sachsenkarte mit Markierung des Veraufs der Mulde und Ortsnamen.
Der Verlauf der Mulde in Sachsen. Bildrechte: MDR/Bart Lorsheijd

Der Weg zum Weg ist das Ziel. Oder?

Tag eins meiner Reise möchte ich nur am Rande erwähnen, denn der Weg von Dresden an den Start des Mulderadwegs gehört natürlich nicht zur offiziellen Strecke. Und er ist auch nur für die sehr Fitten unter uns zu empfehlen. Es gab viel Sonne und wenig Schatten, viel Gegenwind und keinen Windschub, und vor allem ging es … berghoch. Ununterbrochen. Das hatte ich etwas unterschätzt. Und so war ich froh, nach sechs kämpferischen Stunden, meinen anvisierten Zeltplatz in Rechenberg-Bienenmühle erreicht zu haben. Der freundliche Campingchef tat mir Kund, ich hätte gerade um die 1.000 Höhenmeter überwunden. In die Erschöpfung mischte sich etwas Stolz – und nach Aufbau des Zeltes großer Hunger. Während die wenigen Camper um mich herum wohlriechende Grillwolken absonderten, kaute ich auf einem Grashalm - denn der einzige Supermarkt im Ort hatte schon lange geschlossen. Entschädigt wurde ich mit einer so stillen Nacht, dass es schon ans Heilige grenzte. Nur die Schneeflocken fehlten, auch wenn es angenehm kühl war.

ein Zelt auf einer Wiese
Der Zeltplatz in Rechenberg hatte nur wenige Gäste. Umso stiller war die Nacht in meinem Zelt. Bildrechte: MDR/Norman Jung

Zur Quelle und dann rollen lassen

Am nächsten Morgen stand ein weiterer Aufstieg an, zur Quelle der Freiberger Mulde. Diese liegt auf tschechischer Seite und erfordert nochmal ein bisschen Anstrengung. Ich folgte der Wegbeschreibung des freundlichen Zeltplatzmeisters und damit auch der Straße nach Holzhau und schließlich einem Waldweg an der Mulde entlang. Auf tschechischer Seite wird es idyllisch. Grüne Hügel, ein plätschernder Bach, das verschlafene Dörfchen Moldova und schließlich die Quelle. Leider ist sie nicht so richtig aufzufinden.

Mulderadweg
Kurz hinter der tschechischen Grenze ist die Freiberger Mulde nur ein Bächlein. Bildrechte: MDR/Norman Jung

Ein kleines Schild, das man besser zu Fuß als mit dem Fahrrad aufsucht, weist die "Quelle" aus, aber dahinter geht der Bach einfach weiter. Ich folgte ihm noch ein Stück und fand mich schließlich in einer Gruppe tschechischer Heidelbeersammler, die es sich am Waldrand mit einheimischer Rockmusik gemütlich gemacht hatten. Meine weiteren Recherchen brachten mir ein paar Kratzer an den Beinen und nasse Füße ein, dann gab ich auf. Die romantische Vorstellung einer sprudelnden Quelle ließ sich nicht aufrechterhalten. Ich genoss noch kurz das Zirpen der Grillen und machte mich schließlich auf den Weg. Ab jetzt, so frohlockte es in mir, würde es nur noch bergab gehen.

Ein Schild auf einer kleinen Mauer weist die Quelle der Mulde aus.
Das ist die offizielle Quelle der Mulde. Doch der Bach plätschert hier schon ordentlich. Bildrechte: MDR/Norman Jung

In Moldova genoss ich meine erste richtige Mahlzeit seit dem vergangenen Morgen. Stilecht: Gulasch mit Knödeln und Bier. Auch heute zahlt man dafür noch nicht mehr als fünf Euro. Als ich den älteren Tischnachbarn zaghaft von den Steigungen erzählte, die ich bewältigt hatte, wurde mir grinsend erklärt, so sei das nun Mal im Gebirge. Meine Antwort "Tja, ihr habt auch leicht reden auf euren E-Bikes", spielte sich jedoch nur in meinem Kopf ab. Die zwölf Kilometer lange Abfahrt nach Rechenberg-Bienenmühle ließ sich in einer halben Stunde bewerkstelligen.

Nun hatte ich auch die – spärlich verteilten – Hinweisschilder für den Radweg entdeckt und folgte ihnen entlang des Bachs. Der Abschnitt bis Freiberg führt zwar immer schön an der Mulde entlang, ist aber eher etwas für Asphalt-Junkies. Das von mir geliebte Wald- und Wiesenterrain musste noch etwas warten. Die Strecke steigt immer mal wieder heftig an und nicht nur einmal quälte ich mich an Zeitgenossen vorbei, die es vorzogen, ihr Fahrrad nach oben zu schieben. In Addition ging es etwa 150 Höhenmeter nach oben – dafür aber auch 400 nach unten.

Über die verschlafenen Gemeinden Mulda, Lichtenberg und Weißenborn gelangte ich schließlich nach Freiberg, das nach diesen zwei Tagen Erzgebirge fast schon wie ein Moloch wirkte. Mein Ziel für diese Etappe war Nossen, etwa 30 Kilometer weiter. Doch ich hatte noch immer den gestrigen Tag in den Beinen und am Horizont zogen schwarze Wolken auf. Also ließ ich es gut sein und checkte in einer Pension am Stadtrand ein. Eine weise Entscheidung, denn dem nun folgenden Wolkenbruch entging ich somit um wenige Minuten. Die Nacht war etwas weniger ruhig, denn im Nachbarzimmer checkten kurz vor Tagesende noch ein paar halbstarke Polen mit einem etwas dubiosen und wenig nachgiebigen Musikgeschmack ein.

Mulderadweg
Der Radweg führt direkt an der Mulde entlang. Schotter, Asphalt und Waldweg wechseln sich ab. Bildrechte: MDR/Norman Jung

Der schönste Teil des Weges

Tag drei sah mich erst kurz vor dem Mittag im Sattel. Heute bis Döbeln oder doch nach Sermuth, wo sich die Muldezuflüsse vereinigen? Das würde ich spontan entscheiden. In Freiberg fand sich schnell eine Frühstücksbäckerei und so konnte ich die nächsten Stunden frisch gestärkt in Angriff nehmen. Quer durch diese hübsche Stadt (deren künftige Besichtigung ich mir nun fest vornahm) waren noch einige Kilometer Bundesstraße zu bewältigen, bevor ich wieder auf den Mulderadweg abbog. Endlich befand ich mich auf einem Radweg, wie man ihn sich wünscht. Schmal, unbefahren, zwischen hübschen Häuschen und schließlich direkt an der Mulde entlang. Diese überquerte ich an einer malerisch gelegenen Mühle, um einen heftigen und langen Anstieg nach Tuttendorf zu überwinden. Auf der Abfahrt durch den Ort boten sich ein unfassbar idyllisches Dorfpanorama im Muldetal.

Mulderadweg
Dorfidylle im Erzgebirge. Bildrechte: MDR/Norman Jung

Auf den nächsten Kilometern wechselten sich plätschernde Flusslandschaften und kleine Örtchen ab, immer wieder überquert man über kleine Brücken die Mulde. Und wenn die Sonne doch mal zu warm wurde, steckte ich kurzerhand die Füße in den Fluß. Schließlich erreichte ich Nossen, dessen Name mir vorher nur als Autobahnkreuz an der A4 ein Begriff war. Zu Unrecht, denn der Ort kann sich sehen lassen. Das Schloss blickt imposant auf einen hinab und nur wenige Kilometer weiter passiert man den Klosterpark Altzella. Das Zisterzienserkloster war jahrhundertelang das bedeutendste in Sachsen und der Park kann heute besichtigt werden.

Die letzten Kilometer bis Roßwein führen auf einer Straße entlang, die rechts von Felsen und links vom Fluss gesäumt wird. Der Anblick ist so beeindruckend, dass man sich auch irgendwo in den Alpen befinden könnte.

Ein Brücke über der Mulde, im Hintergrund der Rathausturm von Roßwein.
Die Stadt Roßwein ist mehr als nur einen kurzen Blick wert. Bildrechte: MDR/Norman Jung

Ich ließ die Stadt rechts liegen und rollte weiter Richtung Döbeln. Die letzten zehn Kilometer, wie ich für mich entschied. Eine Stunde später saß ich mit einem Eis am Bahnhof und stieg schließlich in den 16-Uhr-Zug nach Dresden. Man muss es ja nicht übertreiben.

Fazit

Einer der schönsten Radwege Deutschlands? Warum nicht. Geheimtipp? Auf jeden Fall. Und das nicht nur wegen des angenehmen Mangels an Massentourismus, sondern auch wegen der tollen Landschaft. Ein wenig Kondition ist dank der teils heftigen Anstiege allerdings von Vorteil. Auch eine Karte sollte man idealerweise dabei haben, denn nicht immer ist der Radweg ausreichend beschildert. Dafür finden sich immer wieder ausführliche Beschreibungen der einheimischen Tier- und Pfanzenarten am Wegesrand. Herrlich.

Und welcher Fluss bleibt nun noch zum Radeln in Sachsen? Die Zwickauer Mulde. Und vielleicht die Elster. Aber das ist eine Geschichte für nächstes Jahr.

Grafik mit Sachsenkarte und Verortung des Dorfes Moldava in Tschechien.
Bildrechte: MDR/Bart Lorsheijd

Anreise

  • Tja, entweder aus Dresden mit dem Fahrrad (uff) ...
  • ... oder doch mit dem Zug bis Rechenberg-Bienenmühle oder Holzhau - Die Verbindung über Freiberg fährt mehrmals täglich.
  • Die Muldequelle lässt sich praktisch nur mit dem Fahrrad erreichen.

Geeignet für

  • alle Altersgruppen mit E-Bikes
  • fitte Menschen
  • Radfahrer, die auch mal einen steilen Berg hoch schieben
  • jeden, der Bewegung in der Natur mag

Daran sollte man denken

  • Sonnenschutz
  • Regenschutz
  • Snacks für unterwegs

Wenn man schon mal da ist

In den Städten entlang der Strecke gibt es einige Sehenswürdigkeiten:

  • Freiberg: historische Altstadt
  • Nossen: Schloss und Klosterhof Altzella
  • Roßwein: Die Postmeilensäule überstand einen Stadtbrand 1806 und war 130 Jahre lang verschwunden.
  • Döbeln: historische Pferdebahn und Nicolaikirche

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3 Kommentare

Gottfried vor 8 Wochen

Die Radtour an der oberen und mittleren Freiberger Mulde ist munter und anregend beschrieben, macht Lust drauf. Zum Schluss in Döbeln stimmts aber nicht, vermutlich ist der Verfasser vor vielen Jahren dort gefahren. Die "ausgezeichnete" Bahnverbindung nach Dresden gibts gar nicht mehr, sie wurde von Einsparern gestrichen. Zur Zeit wird untersucht, wann wieder gefahren werden kann. Hoffentlich bald! Nach Leipzig klappts aber gut.

Gerry vor 8 Wochen

Der Ort in Tschechien heißt Moldava.

Bubi-King vor 8 Wochen

Lesenswerte Radtour!

Das Dörfchen bei der Quelle heißt Moldava…

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