Kunstprojekt Fischer-Art lässt in Freiberg aus grauer Schule buntes Kunstwerk werden

Der Maler und Bildhauer Michael Fischer-Art mag es bunt und groß. Seine comicartigen Malereien gerade an Fassaden lassen sie zu farbigen Landmarken werden. Sein neuestes Projekt setzt er mit Schülerinnen und Schülern in Freiberg um: 400 Quadratmeter Lebensfreude.

An einer Wand unter Fenstern sind comicartige bunte Figuren aufgemalt
Unverkennbar ein "Fischer-Art". Der in Borna lebende Künstler gestaltet in Freiberg gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern das Förderzentrum "Käthe Kollwitz". Bildrechte: MDR/Monika Di Carlo

Das Förderzentrum "Käthe Kollwitz" in Freiberg wird vom einfarbigen Zweckbau zum farbigen Gesamtkunstwerk umgestaltet. Michael-Fischer Art, der in Borna lebende Künstler, der für seine comicartigen Fassadengestaltungen bekannt ist, setzt den Pinsel an, weil er die Welt farbiger gestalten will. Er denke, dass die Schülerinnen und Schüler von der bunt gestalteten Schule profitieren. Man könne vor einem angewitterten grauen Kasten stehen und betreten sagen, dass das seine Schule sei. "Jetzt machen die Kinder schon Selfies und schicken sie an Verwandte und Freunde und sagen stolz: 'Das ist meine Schule!'" Die Energie, die man hier spürt, ist sehr positiv."

Michael Fischer-Art steht mit Farbe und Pinsel vor einem Auto mit Malutensilien
Michael Fischer-Art hat das Projekt in Freiberg trotz eines vollen Terminkalenders angenommen. Bildrechte: MDR/Monika Di Carlo

Die Energie, die man hier spürt, ist sehr positiv.

Michael Fischer-Art Künstler

Lehrerin überzeugt Fischer-Art von Fassadenprojekt

Die Idee kam von Anja Schmidt, die als Lehrerin der Schule schon kleinere Projekte im Innenraum mit Michael Fischer-Art umgesetzt hat. Sie ist schon lange mit ihm befreundet und hatte den berühmten Stein im Brett bei ihm. "Wer kann denn Frau Schmidt etwas abschlagen", sagt Fischer-Art. "Sie hat sich an meinem Gartentor festgekettet und gesagt, dass sie so lange bliebe, bis ich das Projekt mache. Aber im Ernst: Wir kennen uns schon sehr lange und wir haben lange überlegt, wie wir vier Wochen für das Projekt zusammenbringen können." Zeit habe er eigentlich nicht, aber er habe sie sich genommen.

Michael Fischer-Art Der Maler und Bildhauer Michael Fischer wurde 1969 in Leipzig geboren und studierte dort von 1992 bis 1997 an der Hochschule für Grafik und Buchkunst. Er ordnet sein Schaffen selbst in Anlehnung an den Sozialkritischen Realismus dem "Marktwirtschaftlichen Realismus" zu. Bekannt wurde Fischer-Art durch seine großformatigen, comicartigen Arbeiten im öffentlichen Raum, die ganze Häuserfassaden bedecken. Die Neugestaltung der 12.435 Quadratmeter großen Fassade des Ahorn-Hotels Templin gehört ebenso dazu wie die Bemalung des Towers am Flugplatz Altenburg-Nobitz oder die Gestaltung eines Wohnhauses in Sebnitz. Michael Fischer-Art lebt mit seiner Familie in einer umgebauten ehemaligen Brikettfabrik bei Borna. www.fischer-art.de

Fischer-Art erhält Unterstützung von Schülerinnen und Schülern

Michael Fischer-Art arbeitet nicht als einzelner Künstler an dem Projekt. Alle 233 Schülerinnen und Schüler und ihre 35 Lehrkräfte sind in der einen oder anderen Art und Weise an dem Großprojekt beteiligt. Die Schülerinnen und Schüler sind alle begeistert, sagt Anja Schmidt. "Sie melden sich freiwillig. Sie empfinden das als total entspannend, die Symbiose mit dem Kunstwerk." Das Durchhaltevermögen, das Miteinander, die Ausdauer, das sei eine so positive Energie, die von der ersten bis zur zehnten Klasse von dem gemeinsamen Arbeiten mit den Lehreren ausgehe, das mache ihr Gänsehaut.

Lehrerin Anja Schmidt steht zwischen Emely und Pascal mit Malsachen vor einer bunt bemalten Schule
Initiatorin Anja Schmidt und die beiden Schüler Emily und Pascal schwingen - wie alle Schüler und Lehrer des Förderzentrums - gemeinsam mit Michael Fischer-Art den Pinsel. Bildrechte: MDR/Monika Di Carlo

Die positive Energie, die vom gemeinsamen Arbeiten ausgeht, die macht mir Gänsehaut.

Anja Schmidt Lehrerin am Förderzentrum "Käthe Kollwitz" Freiberg

Künstler-Nachwuchs fühlt sich bei Teamarbeit wohl - auch in der Freizeit

Die 17-jährige Emily steht oft auf dem Gerüst und malt eine der Figuren an der Hauswand aus. "Man fühlt sich wohl", sagt sie. "Man darf mal etwas tun, was man eigentlich nicht machen darf." Auch eigene Ideen seien gefragt gewesen. "Die Buchstaben waren unsere Idee. Die Worte wie 'Teamarbeit' sollen ausdrücken, dass wir gemeinsam durch diese Zeit kommen".

Auch ihr Mitschüler Pascal arbeitet sogar in seiner Freizeit an dem Kunstwerk. "Ich war auch schon an einem Sonnabend hier. Das macht schon Spaß, wenn man als Schüler ganz allein mit den Lehrern auf dem Gerüst steht." Pascal freut sich auf die Wirkung des fertigen Kunstwerkes. "Ich denke, es wird eine tolle Wirkung haben. Gerade für die, die neu an die 'bunte' Schule kommen."

Beruflich wollen beide aber später nichts mit der Malerei zu tun haben. Emily will in die Altenpflege, Pascal in die Landwirtschaft.

Schülerin Emely malt farbige Figuren auf eine Hauswand
Emily konnte eigene Ideen für die Gestaltung des Kunstwerks einbringen. Bildrechte: MDR/Monika Di Carlo

Schülerinnen und Schüler trainieren soziale Kompetenz

"Ich sehe, dass unsere Schülerinnen und Schüler stolz sind, auf das, was sie schaffen", sagt Anja Schmidt. "Sie sehen, wie der Künstler mit ihnen umgeht. Hier können sie beweisen, was sie können. Das läuft richtig gut." Gleichzeitig werde soziale Kompetenz trainiert. "Sie übernehmen Verantwortung, müssen Rücksicht auf andere nehmen und lange am Ball bleiben", sagt Schmidt.

An einer eingerüsteten Schulfassade sind bunte Figuren und Buchstaben aufgemalt
Um den gesamten Bau in ein "Fischer-Art-Kunstwerk" zu verwandeln, ist die Schule auf Spenden angewiesen. Bildrechte: MDR/Monika Di Carlo

Auch wenn Michael Fischer-Art unentgeltlich arbeitet, schätzt Anja Schmidt allein die Materialkosten auf mehr als 30.000 Euro, die durch Spenden aufgebracht werden müssen. "Eine sehr gute Wandfarbe kostet 50 Euro, eine Grundierungsfarbe kostet 250. Wir verbrauchen am Tag rund 20 solcher Büchsen." Die vielen Pinsel hätten auch eine Menge Geld gekostet. Ihr großer Wunsch sei, auch den Giebel der Schule noch zu gestalten. Doch dafür ist das Freiberger Förderzentrum auf weitere Spenden angewiesen.

MDR (tfr/mdc)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Regionalreport aus dem Studio Chemnitz | 12. September 2022 | 16:30 Uhr

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