Luftfahrt Flugtaxis in Sachsen - Freiberger untersuchen Machbarkeit und Nutzen

Forschung in Sachsen

Sie sind längst kein Hirngespinst mehr: Flugtaxis, die Menschen in kurzer Zeit von A nach B bringen können. An dieser Science-Fiction-Idee tüfteln Forscher und Entwickler weltweit und längst kommen in einigen Ländern erste Modelle bereits zum Einsatz. Ob das auch in Sachsen möglich wäre, das untersuchen derzeit Ingenieure aus Freiberg. Dabei geht es vor allem um den Nutzen solcher Fluggeräte - aber auch um die Akzeptanz in der Bevölkerung.

Ein futuristisches kleines Flugzeug mit sechs beweglichen Propellern fliegt.
Bildrechte: Kitty Hawk

Animation eines futuristischen Fluggeräts mit vier Tragflächen im Flug von oben.
Zukunftsmusik oder bald schon Realität? Freiberger Forscher untersuchen Nutzen und Umsetzbarkeit von Flugtaxi-Verkehr in Sachsen. Bildrechte: Lilium Aviation

Wohin die Reise in Sachen Flugtaxis gehen soll, das wollte auch das sächsische Staatsministerium für Regionalentwicklung unter Minister wissen. Im vergangenen Jahr beauftragte das Ministerium die Freiberger Ingenieur- und Planungsgesellschaft "phase 10“, die Möglichkeiten für Flugtaxis im Raum Sachsen zu untersuchen. MDR SACHSEN konnte mit dem Geschäftsführer, Ronny Erfurt, sowie dem Projektbetreuer dieser Studie, Norman Walla, sprechen.

Wie realistisch ist es, dass wir in Zukunft mit Flugtaxis fliegen?

Geschäftsführer Ronny Erfurt: "Der Stand der Technik ist so, dass ein Lufttaxibetrieb in fünf bis acht Jahren möglich ist. Also ein Fluggerät, meist mit elektrischen Antrieben, wo zwei bis zehn Passagiere untergebracht werden können. Interessant ist es deshalb, weil ja unser Infrastrukturnetz besonders im Autoverkehr sehr überlastet ist und, was den Schienenverkehr betrifft, viel zu wünschen übriglässt. Da ist es natürlich immer wieder wichtig, sich mit neuen Infrastrukturkonzepten auseinandersetzen. In Sachsen könnte der Lufttaxi-Betrieb besonders im ländlichen Raum interessant sein. Wichtig ist nun aber, dass man nicht den Fehler macht wie beim Elektroauto: dass man erst das Elektroauto baut, es einführt und sich dann erst über die Ladestationen Gedanken macht. Hier wollen wir etwas eher dran sein um dann, wenn ein Flugtaxi-Betrieb funktioniert, auch sofort die Antwort in Sachsen zu haben.“

Wie könnte der Lufttaxi-Verkehr denn konkret aussehen?

Ein futuristisches kleines Flugzeug mit sechs beweglichen Propellern fliegt.
Auch die Akzeptanz solcher Fluggeräte spielt in der Untersuchung eine Rolle. Bildrechte: Kitty Hawk

Geschäftsführer Ronny Erfurt: "Es gibt viele Szenarien. Wir müssen natürlich Reise- und Abfertigungswege herausarbeiten. Sprich, wo machen solche Wege Sinn? Wir können uns vorstellen, dass an Standorten, die nicht so gut an das öffentliche Verkehrsnetz angebunden sind, Lufttaxis dort eine interessante Alternative sein könnten. Zum Beispiel, wo jetzt ein Busbahnhof steht, der einen gewissen Bündelpunkt im Nahverkehr darstellt, könnte man Angebote schaffen, mit denen auch andere Regionen erschlossen werden können. Wir gehen in unserer Studie davon aus, dass diese Taxi-Flüge nicht ohne Piloten stattfinden, wie eine Drohne, sondern dass es Piloten geben wird."

Wo sehen Sie besondere Hürden bei dieser Zukunftstechnologie?

Norman Walla, Projektbetreuer: "Im Moment geht es im Rahmen unserer Vorstudie auch darum, Bedarfe bei der Bevölkerung abzufragen. Ein wichtiger Punkt ist die Akzeptanz der Technologie. Ich denke, das Schwierigste wird am Ende wirklich das Thema Akzeptanz sein und auch eine Genehmigungsfähigkeit zu bekommen. Wir haben Flugtaxis, die auch Lärm erzeugen. Stellen Sie sich vor, Sie sind in der Nachtschicht und müssen schlafen und da kommt ein Flugtaxi, das einen gewissen Lärmpegel erzeugt. Und das landet dann in einem Wohngebiet. Das sind alles Kriterien, die wir in der Studie mitberücksichtigen müssen.“

Es wird ja weltweit dazu geforscht. Warum nun auch in Sachsen?

Geschäftsführer Ronny Erfurt: "Ich finde, dass wir bei dieser Technologie und beim Einsatz schon ein Stück weiter sind. Denn wir setzen uns bereits jetzt damit auseinander bevor überhaupt die Technologie anwendbar ist. Und dann muss man auch sagen, dass in der sächsischen Regierung sehr viel Innovationskraft steckt. Sie unterstützen uns bei dieser Idee, das Wirtschaftsministerium, das Ministerium für Regionalentwicklung, aber auch unsere anderen Projektbeteiligten: Das sind die TU Dresden mit dem Institut für Luft und Raumfahrttechnik, das Institut für Luftfahrt und Logistik, aber auch die Arbeitsgruppe Wissen-Architektur. Das ist eine Bündelung von innovativen Fachleuten. Ich denke, dass darin das Potenzial besteht, die Vorstudie erfolgreich abzuschließen, aber auch später in ein gemeinsames Hauptprojekt zu gehen.

Und wie viel Potential steckt da auch für die sächsische Wirtschaft drin?

Geschäftsführer Ronny Erfurt: "Auch das ist Inhalt der Studie. Natürlich bilden wir den kompletten Wertschöpfungsprozess ab. Zum Beispiel den ganzen Wartungsprozess. Die ganze Ladetechnik, die muss ja irgendwo hergestellt werden. Und natürlich wird es Bedenkenträger geben. Aber in mir sprüht noch der Optimismus.“

Vielen Dank für das Gespräch!

Im Herbst soll das Ergebnis der Voruntersuchung der Landesregierung vorgelegt werden. Dann wird entschieden, wie es weitergeht. Und möglicherweise können Flugtaxi in ein paar Jahren tatsächlich Passagiere von einem kleinen Ort im Erzgebirge aus nach Chemnitz oder Leipzig bringen.

MDR (fh, tfr, Matthias Vollmer)

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