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Ein neues Zentrum an der TU Freiberg soll für eine klimaneutrale Metallindustrie in Deutschland forschen. (Archivbild) Bildrechte: imago/Hanke

WissenschaftNeues Forschungszentrum an TU Freiberg will Metallindustrie klimaneutral machen

31. Mai 2024, 05:00 Uhr

In Freiberg ist ein Forschungszentrum für eine klimaneutrale Metallindustrie eröfffnet worden. Hochschulrektor Klaus-Dieter Barbknecht sprach sich für den Erhalt der Industrie in Deutschland aus. Diese solle aber klimafreundlicher werden.

Kleine Denksportaufgabe: Wie erzeugt man eine Flamme ohne Brennstoff, ohne Gas, Kohle oder Öl? Darüber hat Gotthard Wolf, Professor am Gießerei-Institut der Technischen Universität (TU) Freiberg, mit seinen Studierenden lange nachgedacht – und eine Plasmafackel entwickelt.

Grundprinzip der Plasmafackel: Man nimmt Strom, erzeugt Mikrowellen und erhitzt damit ganz normale Luft in einem Rohr. Bei ausreichender Strommenge wird die Luft so heiß, dass ein Plasma entsteht, ein ionisiertes Gas. Das, sagt Wolf, könne einen klassischen Brenner ersetzen. "Da brennt gar nichts mehr. Sondern da wird nur noch heiße Luft produziert. Im wahrsten Sinne des Wortes schmelzen wir mit heißer Luft, die so heiß ist wie heute eine Gasflamme. Und das ist das Neue."

Klimafreundliche Plasmafackel für die Industrie

Die Technologie, sagt Wolf, könne man in Gießereien einsetzen, in der Glasindustrie oder in Keramik-Brennöfen. Sie benötige viel Strom, sei aber klimaneutral, wenn man Ökostrom nutze, und leicht zu installieren. "Der Nutzer entfernt den Gasbrenner, die Steuereinheit dazu. Und er steckt in dasselbe Loch, in dem heute der Erdgasbrenner steckt, steckt er zukünftig solch eine Plasmafackel rein." Das bedeute, dass Nutzer die millionenschweren Schmelzöfen einfach weiterverwenden könnten.

In einer große Halle am Rand des Campus der TU Freiberg stehen mehrere Prototypen der Plasmafackel. Dort wurde diese Woche das neue Forschungszentrum für eine klimaneutrale Metallindustrie eröffnet. Die Einrichtung soll auch ein Statement sein. Ein Statement für den Fortbestand dieser Industrie, der es zuletzt wegen hoher Gaspreise schlecht ging.

Industrie in Deutschland, aber bitte klimaneutral

Hochschulrektor Klaus-Dieter Barbknecht sagt, Deutschland müsse auch weiterhin eine eigene Industrie haben. Er glaubt, dass die Erfahrungen der letzten Jahre gezeigt hätten, dass es ein Trugschluss sei, sich auf Produktion in China, Indien oder Pakistan zu verlassen. "Wir brauchen die Produktion hier vor Ort. Wir wollen aber dann, dass sie klimaneutral sind. Also müssen wir uns darum kümmern, wie bekommen wir solche Klimaneutralität hin."

Auch Andreas Handschuh, Staatssekretär im sächsischen Wissenschaftsministerium, sagt, das neue Zentrum könne helfen, klimaneutral zu produzieren. Die Finanzierung der Einrichtung sei besonders: "Der Freistaat hat das nicht finanziert, sondern die Industrie und die Universität selber haben sich gemeinsam zusammengeschlossen und gesagt: 'Wir wollen das in Deutschland halten, dieses Thema.'" Daher gingen sie neue Technologien an und finanzierten ein neues Versuchszentrum.

Im Forschungszentrum wird an mehreren klimafreundlichen Technologien geforscht

Gotthard Wolf läuft durch das Versuchszentrum, vorbei an Maschinen. Man erprobe nicht nur die Plasma-Fackel: "Wir haben zum Beispiel auch einen Ofen, in dem wir mit Wasserstoff schmelzen können. Wir wollen schon wissen, was machbar ist." Am Standort würden drei, vier, fünf Technologien parallel getestet. Eines der meistgehandelten Güter sei Ammoniak. Dafür habe man auch einen Brenner entwickelt, mit dem man diesen Ammoniak verbrennen könne.

Ammoniak stinkt. Er riecht aber nach nichts, wenn er brennt. Für die Industrie habe das einen Vorteil, sagt Wolf. Man rieche sofort, wenn Ammoniak ausströmt. Trotzdem verfolge man das Konzept nur am Rande. Anders die Plasmafackel: Sie soll nächstes Frühjahr erstmals in einer großen Gießerei eingesetzt werden.

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Dieses Thema im Programm:MDR AKTUELL – Das Nachrichtenradio | 31. Mai 2024 | 06:30 Uhr