Domgeläut Freiberger gießen Glocke für Merseburger Dom

Der Merseburger Dom erhält im Jahr seiner 1.000-jährigen Weihe eine neue Glocke. Gegossen wurde die am Freitag in Freiberg. Durch eine besondere Technologie der Freiberger Glockengießer soll sich die neue Glocke zukünftig harmonisch vom Aussehen und vom Klang her in das bestehende Geläut einfügen.

Glockenguss
Im Sächsischen Metallwerk in Freiberg ist am Freitag eine neue Glocke für den Merseburger Dom gegossen worden. Bildrechte: MDR/Anett Linke

Als der Gabelstapler die flüssige Bronze in die Halle fährt, schlägt den neugierigen Zuschauern die Hitze fast greifbar entgegen. Eine Tonne Bronze erhitzt auf rund 1.100 Grad Celsius wird in rund zehn Minuten in die Gussform der neuen Glocke für den Merseburger Dom gefüllt.

Sven Milde, Gießerei-Mitarbeiter im Sächsischen Metallwerk Freiberg, ist sichtlich zufrieden. "Ich habe mir die Aufregung schlimmer vorgestellt", erzählt er. Es ist die erste Glocke, die er selbst mitgegossen hat und die zehnte, die seit 2012 in Freiberg gegossen wurde. Sie hat einen Durchmesser von mehr als einem Meter und wiegt rund 890 Kilogramm.

Blasmusik und Bergknappschaft

Die Glocke soll das Glockengeläut im Merseburger Dom ergänzen und dadurch die historischen Glocken aus dem Mittelalter entlasten. Anlass ist die 1.000-jährige Weihe des Doms in diesem Jahr. Die Gäste aus Freiberg und Merseburg wurden in der Fabrikhalle vor dem Guss standesgemäß mit Blasmusik vom "Bergmusikkorps Saxonia Freiberg" und den Mitgliedern der "Historischen Freiberger Berg- und Hüttenknappschaft" begrüßt.

Glockenguss
Die Mitarbeiter hängen eine Tonne flüssige Bronze an eine Vorrichtung, um sie dann langsam in die Glockenform gießen zu können. Bildrechte: MDR/Anett Linke

Auch die Dechantin der Vereinigten Domstifter zu Merseburg und Naumburg, Karin von Welck, war beim Glockenguss dabei. "Das ist eine unglaubliche Kunst, dass man das beherrscht. Und das Tolle ist, dass man hier in Freiberg mit ganz innovativen Methoden arbeitet", sagt sie. "Alle sind glücklich und zufrieden, ich glaube, das war ein ganz gelungener Guss."

In zwei Wochen vom Entwurf zum Guss

Möglich wurde die technische Umsetzung durch die Zusammenarbeit des Sächsischen Metallwerks Freiberg, dem Hillinger Verein und der Firma Mikromat. Die besondere Herausforderung bei dieser Glocke war laut den Beteiligten vor allem der enge Zeitplan. Nur zwei Wochen dauerte es vom ersten Entwurf bis zum Guss.

Dabei wurde ein besonderes Formverfahren angewandt. "Durch das Formfräsen erreichen wir eine sehr hohe Präzision in der Form", so Ralf Wagner, Niederlassungsleiter von Mikromat. "Die Präzision der Form ist entscheidend für das Klangbild."

Glockenguss
Sicherheitshalber werden immer rund 100 Kilogramm mehr Material vorbereitet. Die überflüssige Bronze wurde zum Auskühlen in Formen gegossen und wird später wieder eingeschmolzen, um sie für andere Dinge zu verwenden. Bildrechte: MDR/Anett Linke

G-Ton beim Läuten

Die Glocke wurde nach den historischen Vorbildern individuell angefertigt. "Wir hatten die Möglichkeit, uns die alten Glocken anzuschauen und die Charekteristiken in die neue Konstruktion einfließen zu lassen", sagt Wagner. "Dadurch kann sich die Glocke dann harmonisch in das gessamte Domgeläut einfügen - sowohl vom Aussehen, als auch vom Klang."

Alle Beteiligten sind erleichtert, dass mit dem problemlosen Guss die erste Hürde überwunden wurde. Am Montag soll die Glocke nach und nach entpackt werden, am Mittwoch erfolgt die Überprüfung durch ein Klanggutachten. Geweiht wird die Glocke am 1. Oktober in Merseburg. Mit dem Ton G nimmt sie dann ihren Platz im Geläut ein, mit ihrem Namen "Friede".

Quelle: MDR/al

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | SACHSENSPIEGEL | 25. Juni 2021 | 19:00 Uhr

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