Urlaub zu Hause Königliche Idylle im Großhartmannsdorfer Naturbad

Wandern, radeln, campen, schwimmen, klettern - was Freizeitaktivitäten betrifft, da hat Sachsen einiges zu bieten. Deshalb wollen wir Ihnen während der Sommerferien ein paar Freizeit- und Ausflugstipps vorstellen - jeden Tag mit einer Reportage von einem anderen Ort. Urlaub zu Hause im Selbsttest.

Urlaub zu Hause Wassersport Großhartmannsdorf Naturbad Mittlerer Teich
Bildrechte: MDR/Kathrin König

Auf dem Weg zu einem Termin Richtung Marienberg fahre ich durch Großhartmannsdorf hinter Freiberg. Mit einem Auge lese ich auf einem Schild "Wellness-See". Ein See? Wie großartig bei dieser Hitze. Warum habe ich keine Badesachen eingepackt? Auf dem Rückweg nachmittags will ich den See wenigstens mal ansehen und biege im Dorf nach links von der B101 (der Silberstraße) auf einen Parkplatz ab. Dort stehen nur zwei weitere Autos. Von Wasser oder Wellness sehe ich nichts. Ich laufe auf eine meterhohe grasgrüne Wand zu. Vor einer Betontreppe stehen Informationstafeln. Aber auch darauf ist nichts von einem Wellness-See zu lesen. Ich muss wohl ein Werbeschild falsch verstanden haben.

Wirtschaftsgeschichte statt Wellness?

Stattdessen erfahre ich, dass ich vor dem Mittleren Großhartmannsdorfer Teich stehe, auch Neuer Teich oder Bahnhofsteich genannt. Es gibt noch zwei weitere Teiche, aber darin darf keiner baden. Dieser Kunstteich wurde 1712 von Kurfürst Friedrich August I., den alle Welt als August den Starken kennt, in Auftrag gegeben. Die Wasserkraft wurde damals für den Antrieb von Maschinen im Bergbau gebraucht. Aber bis der Landesherr damals seinen Vorratsspeicher bekam, vergingen 14 Jahre. Die Grundbesitzer ringsum wollten zuerst keine Flächen dafür hergeben. 1726 begannen die Bauarbeiten dann doch. Sie dauerten rund acht Jahre.

Nach dem Ende des Bergbaus in der Region wurde das Wasserbecken weiter genutzt, erst zur Stromgewinnung und heute im Auftrag der Landestalsperrenverwaltung als Rohwasserspeicher für Brauchwasser, das Firmen im Industriegebiet Freiberg nutzen. Na, Wellness klingt anders.

Auf einer Wiese liegt ein aufblasbares Schwimmtier in Form eines Wales. Dahinter sieht man auf eine blaue Wasseroberfläche, die zum Baden einlädt.
Bildrechte: Kathrin König

Verlockendes Wasser im Riesenpool

Derart historisch gebrieft, steige ich auf einer Treppe den zehn Meter hohen Damm hinauf. Dahinter taucht glatt und leuchtend blau der Teich auf, eingefasst in ein Mauerbett mit abgerundeten Ecken. Wolken spiegeln sich auf der Oberfläche. Von weitem sehe ich zwei Jugendliche im Wasser. Ansonsten ist es still. Der Rasen ist frisch gemäht worden. Bänke warten auf Badegäste. An der Teichmauer warnen Schilder vor dem Betreten eben jener Mauer. Man soll nur über die Einstiegsleitern an den Längsseiten ins Wasser steigen. Dort ist das Baden nur für Schwimmer geeignet, das Wasser ist bis zu 8 Meter tief. An einer der Treppen hängt ein Thermometer. Es zeigt verlockende 22 Grad Wassertemperatur an.

Naturbad Badespaß in Bergbauanlage

Auf einer Wiese liegt ein aufblasbares Schwimmtier in Form eines Wales. Dahinter sieht man auf eine blaue Wasseroberfläche, die zum Baden einlädt.
Am Mittleren Teich ist das Baden seit den 1960er Jahren ausdrücklich erlaubt. Bildrechte: Kathrin König
Auf einer Wiese liegt ein aufblasbares Schwimmtier in Form eines Wales. Dahinter sieht man auf eine blaue Wasseroberfläche, die zum Baden einlädt.
Am Mittleren Teich ist das Baden seit den 1960er Jahren ausdrücklich erlaubt. Bildrechte: Kathrin König
Der Osten - Entdecke , wo du lebst - Festung Königstein
Vor mehr als 300 Jahren befahl August der Starke den Bau von Wasserbecken in Großhartmannsdorf. Damals war Wasser knapp in der Region, in der immer mehr Menschen siedelten. Für das Betreiben von Anlagen im Bergbau war Wasserkraft aber unersetzlich. So entstand ein Becken mit heute etwa 60 Hektar Wasserfläche. Es ist Bestandteil der Revierwasserlaufanstalt Freiberg. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Blick auf Freiberg
Das gestaute Wasser des Landhainbaches nutzen Industriefirmen im Gewerbegbiet im nahen Freiberg auch als Brauchwasser. Hier sieht man vom Turm der St. Petri Kirche auf die Altstadt, den Freiberger Dom und im Hintergrund auf das Gewerbegebiet Deutsches Brennstoffinstitut. Bildrechte: dpa
Vom Rand einer Mauer blickt man auf eine blaue Wasseroberfläche, die zum Baden einlädt.
Im Naturbad kann man gemächlich ins Wasser gehen, hier fällt der Untergrund nicht steil ab. Eltern sollten ihre Kinder trotzdem immer gut im Auge behalten. So schreibt es auch die Badeordnung vor. Bildrechte: Kathrin König
Vom Rand einer Mauer blickt man auf eine blaue Wasseroberfläche, die zum Baden einlädt.
Der Mittlere Teich in Großhartmannsdorf ist einer von drei Kunstteichen, in denen das Baden erlaubt ist. Bildrechte: Kathrin König
Vom Rand einer Mauer blickt man auf eine blaue Wasseroberfläche, die zum Baden einlädt.
Einmal längs durch den Badeteich, da braucht man schon ein bisschen Ausdauer als Schwimmer. Bildrechte: Kathrin König
Stausee in Großhartmannsdorf
Aus der Luft sieht man die Stauanlage am Unteren Großhartmannsdorfer Teich. Hier ist das Baden jedoch verboten. Bildrechte: dpa
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Nichtschwimmer und Familien mit Kindern kommen an der Westseite (eine der schmalen Seiten) auf ihre Kosten. Dort gibt es eine Liegewiese, Schattenplätze unter Bäumen, Bänke, Umkleiden und Toiletten. Ins Wasser gelangt man über seichten, sandigen Grund. Im Nachmittagswind raschelt Schilf, ansonsten ist es still im Naturbad. Auf der Nordseite des Kunstteiches gibt es einen langgestreckten FKK-Bereich. Aber auch dort ist kein Mensch zu sehen, auch kein nackter. Was soll's, ich hüpfe ins klare Wasser, sieht ja keiner...

Fazit

Das Naturbad wirkt sehr gepflegt. Auch Langstreckenschwimmer kommen zum Zuge. Wo kann man sonst in Ruhe einmal längs durch ein Becken schwimmen und knapp 300 Meter Strecke machen? FKK-Besucher haben im Internet mehrfach den Vorzug der erhöhten Lage des Kunstteiches genannt, die vor neugierigen Blicken von der Bundesstraße her schützt. Ein Vorteil, den auch Textilbadende und Menschen, die spontan zum Bad verlockt werden, zu schätzen wissen. Verglichen mit vollen Freibädern in Städten ist der Teich in Großhartmannsdorf Idylle pur.

Anreise

  • mit dem Auto auf der B101 (Silberstraße) bis nach Großhartmannsdorf reinfahren, in Dorfmitte (gegenüber Supermarkt Norma) ist ein großer Parkplatz, Adresse: Mittlerer Großhartmannsdorfer Teich, Hauptstraße, 09618 Großhartmannsdorf
  • mit Zug/S-Bahn bis Freiberg, dann Bus Richtung Großhartmannsdorf, Haltestelle: Gh Erholung
  • Busse fahren auch von Brand-Erbisdorf, Mulda und Deutsch-Einsiedel. Fahrplan-Infos beim Verkehrsverbund Mittelsachsen.

Geeignet für

  • Schwimmer, FKK-Freunde,
  • Menschen, die ein Naturbad gechlorten Stadtbädern vorziehen
  • Familien mit Kindern/Nichtschwimmern im Naturbad an der Stirnseite des Beckens
  • für Kinder gibt es im Naturbad-Bereich einen Spielplatz mit Kletter-Rutsche, Sandspielkasten, Tischtennisplatte, weiter hinten auf der Liegewiese auch ein Volleyballfeld.

Nicht geeignet für


  • inmobile Menschen, weil Zugang über Treppen erfolgt und im Naturbad kein befestigter Einstieg ins Wasser (Sand-Untergrund)

Daran sollte man denken

  • Badesachen, Handtücher, Umkleidekabinen und Toilettencontainer stehen im Naturbad
  • je nach Witterung Sonnenschutz
  • Trinkwasser und Verpflegung nach eigenem Bedarf, gegenüber des Bad-Parkplatzes gibt es einen Lebensmitteldiscounter, neben dem Teich eine Landgaststätte

Tipp

  • In Großhartmannsdorf sind entlang der B101 drei Bäcker-Filialen zu finden. Dort kann man sich mit leckerem Kuchen nach erzgebirgischen Traditionsrezepten eindecken und nach dem Schwimmen genießen. Vorher die Öffnungszeiten checken, sonnabends haben zwei Anbieter nur bis 11 Uhr geöffnet.

angeschnittener Hefekuchen
Runde Hefekuchen mit Butterstreuseln: Bäckerinnenund Bäcker im Erzgebirge backen noch so, wie viele das von ihren Großmüttern kennen. Bildrechte: MDR/Andreas Kehrer

Wenn man schon mal da ist

  • ...könnte man bei der Dorfkirche vorbeischauen, die unter Carl Adolph von Carlowitz 1737/38 als barocke Saalkirche neu gebaut wurde und 1741 vom berühmten Orgelbauer Gottfried Silbermann eine Orgel bekam.
  • ...lohnt sich ein Stadtbummel durchs 14 Kilometer entfernte Freiberg.
  • ...könnte man Kettensägekunst in Blockhausen bei Mulda bestaunen oder dort selbst sägen.

Bloß nicht

  • ... nachts im Dunkeln in den Teich springen oder bei Gewitter. Beides ist laut Badeordnung verboten, letzteres - wie überall - lebensgefährlich.

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