Landratsamt versus PETA Waschbär-Jagd in Mittelsachsen verärgert Tierschützer

Waschbären in freier Natur gibt es seit 1934 in Deutschland, als die ersten Tiere in Hessen ausgesetzt wurden. Heute sind die amerikanischen Einwanderer fast überall in Deutschland zu Hause. Das Landratsamt Mittelsachsen spricht von einem "Problembär", der geschützte Arten bedroht und fordert die Menschen auf, ihn einzufangen. Die Tierschützer von PETA wollen erreichen, dass Waschbären nicht mehr gejagt werden.

Ein Waschbär angelt mit einer Pfote durch den Deckel einer Mülltonne ins Innere.
Bildrechte: MDR/Simank-Film

Im Landkreis Mittelsachsen breitet sich der Waschbär immer weiter aus. Wie das zuständige Landratsamt mitteilte hat, wurden im vergangenen Jahr mehr als 2.200 Tiere erlegt. Vor zehn Jahren habe es demnach mit weniger als 200 nur ein Zehntel solcher Abschüsse gewesen. Gleichzeitig appelliert die Behörde an alle Hausbesitzer, ihre Küchenabfälle nicht auf den Kompost zu werfen. Ebenso sollten Katzenklappen nachts fest verschlossen werden. Auch Klettermöglichkeiten an Gebäuden sollten vermieden werden.

Mario Helbig, Leiter des Referats Forst, Jagd und Landwirtschaft im Landratsamt Mittelsachsen, sagt, dass die Kleinbären gesellig und schlau sind. "Sie fühlen sich in Siedlungsnähe am wohlsten. Dort gibt es die besseren Verstecke und mehr Nahrung." Dabei sei es schwierig, die Ausbreitung der Waschbären einzudämmen. Erlaubt sei das Aufstellen von so genannten Lebendfallen durch Privatpersonen. "Allerdings sollte vorab Kontakt zum zuständigen Jäger aufgenommen werden. Dieser hat die nötige Sachkunde, um letztlich die gefangenen Tiere zu erlegen", so Helbig weiter. So könne außerdem verhindert werden, dass der Waschbär stundenlang in der Falle hockt. "Das ist zum einen eine Quälerei für das Tier, zum anderen kann es die Zeit nutzen, um sich zu befreien."

Waschbären sind und bleiben Wildtiere

Was nach Aussage von Mario Helbig unbedingt vermieden werden sollte, ist, Waschbären wie Haustiere zu behandeln. "Es gibt Menschen, die verniedlichen die Tiere. Dann wird man sie gar nicht mehr los." Die Allesfresser würden sich unter Dächern einnisten und in Häusern oder Mülltonnen nach Fressbarem suchen. Richtig gefährlich werde der Waschbär für die heimische Tier- und Pflanzenwelt, sagt Helbig. "Er beeinträchtigt unser ökologisches Gleichgewicht. Der Allesfresser ernährt sich unter anderem von Vogeleiern und den Jungtieren von Singvögeln." Viele dieser Arten seien bereits im Bestand bedroht. Der Waschbär gefährde deren Existenz zusätzlich.

Tierschutzorganisation PETA widerspricht

Die Tierschutzorganisation PETA hat den Aufruf des Landkreises Mittelsachsen zum Fangen der Tiere mit Lebendfallen kritisiert. In einer Mitteilung fordern die Tierschützer Mario Helbig auf, seinen Aufruf zurückzunehmen. Yvonne Würz, Biologin und Fachreferentin bei PETA wirft ihm Unkenntnis in Bezug auf den aktuellen Forschungsstand vor.

Das kennen wir sonst nur vom Jäger-Stammtisch. Eine wissenschaftliche Grundlage liegt dafür nicht vor.

Yvonne Würz Biologin und Fachreferentin bei PETA

Es sei bequem, eine Tierart zum Buhmann zu erklären. Dabei sei die verfehlte Umwelt- und Landwirtschaftspolitik der eigentliche Grund für die Bedrohung vieler Tierarten in Deutschland. "Wir plädieren für mehr Sachlichkeit in der Debatte und einen Stopp der Jagd auf Waschbären", so Würz. Sie verwies dabei auf Forschungsarbeiten, die belegen würden, dass bedrohte Arten so gut wie nicht zum Nahrungsspektrum des Waschbären gehörten. "Waschbären reagieren zudem mit einem Anstieg der Fortpflanzungsrate auf einen hohen Jagddruck", sagte Würz. Daher sei die Tötung von Waschbären sogar kontraproduktiv.

Waschbären
Die Tierschutzorganisation PETA fordert ein generelles Jagdverbot auf Waschbären. Bildrechte: Colourbox.de

Quelle: MDR/tfr

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Regionalnachrichten aus dem Studio Chemnitz | 12. August 2021 | 13:30 Uhr

13 Kommentare

Harka2 vor 9 Wochen

Was wir Menschen schon so alles bei der Ausrottung ganzer Arten geleistet haben, kann man hier nachlesen:

https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_ausgestorbener_Tiere_und_Pflanzen

Die weiterführenden Links führen zu wahren Listen des Grauens.

Harka2 vor 9 Wochen

PETA ist eine Organisation von Wichtigtuern. Denen geht es nur um ihren Auftritt, nicht um Inhalte. PETA wettert ja auch gegen Zoos und übersieht da geflissendlich, dass es viele Tierarten heute gar nicht mehr gäbe, würden sie nicht mit internationalen Zuchtprogrammen gerettet. Den Waldrapp gäbe es zum Beispiel ohne die Zoos nicht mehr um mal nur ein Beispiel zu nennen. Wildentnahmen gibt es bei Zoos schon gar lange nicht mehr. Die Auswilderungsprogramme hingegen nehmen zu.

Harka2 vor 9 Wochen

Es gibt Menschen, die essen kein Schwein, weil es schmutzig sei. Wenn ich mir ansehe, was Waschbären fressen, fange ich an sie zu verstehen. Aber gut, andere finden Maden lecker.

Mehr aus Freiberg

Mehr aus Sachsen