Unterrichtsausfall Lehrermangel und die Suche der Schulen nach Lösungen

Seit Jahren herrscht in Sachsen Lehrermangel. Die Corona-Pandemie hat die Situation noch einmal verschärft. Am meisten Unterricht fällt an Förderschulen aus, etwa zehn Prozent waren es Anfang 2020. Auch ländliche Räume sind stärker betroffen. Wirksame Strategien, um mehr Lehrpersonal an die Schulen zu bekommen, hat man in Sachsen offenbar noch nicht. Vor Ort gehen die Schulen deshalb eigene Wege.

Eine Lehrerin schreibt auf ein Smartboard, auch Whiteboard genannt, in einer Grundschule das die fünfte und sechste Stunde ausfällt.
Lehrermangel führt in Sachsen immer wieder zu Unterrichtsausfall (Symbolbild) Bildrechte: dpa

In Sachsen fehlen Lehrerinnen und Lehrer. Und das in allen Schularten. Ute Schnabel ist Vorsitzende des sächsischen Verbands Sonderpädagogik und leitet eine Förderschule in Brand-Erbisdorf bei Freiberg. Sie sagt: "Das ist tatsächlich die Schulart, die den meisten Lehrerbedarf hat und das schon seit über 30 Jahren."

Förderschulleiterin fehlt jede fünfte Stelle

An ihrer Förderschule sind derzeit vier von neunzehn Stellen unbesetzt, nur eine davon coronabedingt. Unterrichtsausfall kann es trotzdem nicht geben, denn die Kinder mit dem Förderschwerpunkt emotional-soziale Entwicklung können nicht einfach in Stillbeschäftigung geschickt werden. Und auf dem Land fährt eben der Schulbus und zwar erst nach Unterrichtsende. "Das heißt, ich muss die Zeit zwischendurch mit Unterricht irgendwie abdecken, ob ich Personal habe oder nicht", sagt Schnabel. Das funktioniere nur, weil Kolleginnen ihre Arbeitsverträge aufgestockt hätten. Oder weil sie auch andere Fächer unterrichten würden als ihre eigenen. Außerdem fingen Erzieherinnen und Heilpädagogen, die neben den Lehrerinnen an der Schule arbeiten, Ausfallstunden in Musik und Kunsterziehung auf.

Kaum noch Inklusionsbetreuung

Was ihr aber in Größenordnungen ausfalle, sei die Inklusionsbetreuung an anderen Schulen, fügt Schnabel hinzu: "Ich hätte 100 Stunden, die abzudecken wären und haben tue ich dafür vier." Lehrer, die Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf in Regelklassen unterrichten, kann die Pädagogin also derzeit nur ziemlich notdürftig unterstützen.

Kultusministerium: Wir versuchen, Ausfälle zu kompensieren

Aus dem sächsischen Kultusministerium heißt es auf Anfrage von MDR AKTUELL, man versuche, Unterrichtsausfälle kurzfristig durch Abordnungen, Vertretungen und externe Kräfte zu kompensieren.

Kreiselternrat Thomas Brewig aus Chemnitz meint, dass es kritisch würde, wenn an vielen Schulen Unterrichtsstunden regelmäßig ausfallen würden. Die Hilfsmittel, die dann über das Landesamt für Schule und Bildung noch bestünden, seien natürlich ausgereizt, wenn das nicht nur eine Schule wäre, sondern wenn das von den achtzig Schulen in Chemnitz zum Beispiel die Hälfte wäre.“

Schulen suchen eigene Wege

Also müssten die Schulen kurzfristig andere Wege gehen, meint der Elternvertreter. Das gehe aber zulasten der Schüler. Denn einer dieser Wege sei, die Stundentafel zu kürzen: "Das ist eigentlich das, was man im Moment aus vielen Schulen hört, [...] dass einfach gesagt wird: 'Wir haben nicht die Lehrer, jetzt können wir halt nur zwei von drei Stunden Unterricht machen lassen.'" Es komme auch vor, dass zwei Klassen von einer Lehrerin gleichzeitig betreut würden. Aus Ostsachsen, höre er sogar, dass Eltern gefragt würden, ob sie eine Stunde Sport, Schulgarten oder Werken übernehmen könnten, sagt Brewig. Da könne man natürlich nicht von Pädagogik reden: "Die Eltern können das faktisch nicht realisieren.“

Werben um Studierende und Auszubildende

Schulleiterin Schnabel in Brand-Erbisdorf versucht derweil Studierende und Auszubildende über Praktika für ihre Förderschule zu begeistern. So begegnet sie gleichzeitig der wohl größten Herausforderung: qualifizierte Fachkräfte gewinnen, gerade für die Arbeit im ländlichen Raum. Dennoch, ein Ende des Lehrermangels zeichnet sich nach ihren Worten derzeit in Sachsen nicht ab.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 25. Dezember 2021 | 06:00 Uhr

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