Ehrenamt mit Herz Mittelsachsen sucht Familienpaten für kleine Kinder

Eltern oder Alleinerziehende mit kleinen Kindern können in Sachsen sogenannte Frühe Hilfen beantragen. Dazu gehören auch ehrenamtliche Familienpaten. Sie besuchen die jungen Familien und sind mittendrin im Trubel. In Mittelsachsen koordinieren drei Projektleiterinnen die Ehrenamtlichen und suchen noch weitere Interessierte. Eine Patin erzählt, wie sie Zwillinge und Drillinge begleitet.

Familienpatin Ruth Friedrich spielt mit Luca Pascal (5 Jahre, re.) und den dreijährigen Zwillingen Marc-Leon (li), Julien-Marcel (Mitte).
Aus Fremden werden Freunde: Wenn die Chemie stimmt und Ehrenamtliche und Familien miteinander auskommen, dann kann aus einem Familienpatenamt eine innige Verbindung wachsen (Symbolfoto). Bildrechte: IMAGO

Vier Jahre lang hatte Helga Andel eine alleinerziehende Mutter mit Zwillingen in ihrer Nachbarschaft als ehrenamtliche Familienpatin betreut. Längst war "die Frau Andel" für die Kinder ihre "Oma Helga" geworden, die Teil der Familie ist. Daneben war die Seniorin auch Patin bei einer jungen Familie, die nach Westdeutschland umzog. Als wieder ein Anruf einer Projektleiterin der Familienpaten kam, ob Helga Andel nicht ein Paar aus Freiberg kennenlernen wollte, das dringend Hilfe benötige, stand für die Sächsin fest: "Ich war 68 Jahre alt. Ich wollte keine weitere Familie, weil mein Herz ja schon an den Zwillingen hing und an der weggezogenen Familie." Aber anschauen wollte sie sich die Freiberger wenigstens. Sie fuhr hin.

Dann habe ich die kleinen Drillinge in ihren Bettchen gesehen und verlor gleich mein Herz. Noch am gleichen Tag habe ich mich für das Patenamt entschieden.

Helga Andel ehrenamtliche Familienpatin

An das erste Kennenlernen vor zwei Jahren erinnert sich auch der Drillingsvater Erik Franke noch gut. "Wir tranken zusammen Kaffee. Helga war etwas beunruhigt, dass die Kinder noch so klein waren. Sie waren da zwar drei Monate alt, aber als Frühchen auf die Welt gekommen." Nach dem "Beschnuppern" und einer Probezeit von zwei, drei Wochen entschieden sich die Familie und die Patin füreinander. Neben Helga Andel engagiert sich noch eine weitere Patin. Die Frankes brauchen Unterstützung bei der Betreuung der beiden Mädchen und des Jungen, weil ihre eigenen Eltern noch voll berufstätig sind und teils sehr weit weg wohnen.

Man darf nicht vergessen, dass die Kinder auch für die Paten eine große Freude sind. Das ist alles keine Einbahnstraße.

Erik Franke Vater von Drillingen

Helfende Hand bei drei Krabbelkindern

Seitdem kommt Helga Andel einmal in der Woche nachmittags von Lichtenberg zu den Frankes nach Freiberg, holt die Drillinge mit von der Kinderkrippe ab, spielt mit ihnen, hilft beim Füttern, Baden und liest Geschichten vor. "In der Zeit können meine Frau und ich Haushaltsdinge machen und Essen vorbereiten", erzählt Erik Franke. "Ja, mit drei gleichaltrigen Kindern ist es schwer allein. Da braucht es immer eine Hand, die da ist", sagt Helga Andel.

Ich mische mich nicht in die Erziehung ein. Die jungen Familien sollen ihr Ding machen. Wenn ich gefragt werde, helfe ich. Mit Ratschlägen halte ich mich aber zurück. Dadurch kommen wir gut zurecht.

Helga Andel mehrfache Familienpatin und selbst Mutter und Oma

Corona beeinflusst auch die Patenschaft

Aktuell vermissen die Drillinge ihre Familienpatin, weil Besuche im Dezember wegen der Corona-Einschränkungen nicht möglich sind. So eine Besuchspause gab es auch schon um Ostern. "Die schönen Nachmittage fehlen im Advent. Das ist schon traurig. Aber wir wollen ja alle niemanden gefährden", sagt die ehrenamtliche Familienpatin. Sie hat Plätzchen für die Drillinge gebacken und will sie ihnen vor die Tür stellen und von weitem winken.

Lust auf etwas Sinnvolles nach der Corona-Krise? Im Landkreis Mittelsachsen gibt es das Familienpatenprojekt seit 2014. Im Herbst hatten sich insgesamt 62 Paten, Männer und Frauen aller Altersklassen, für ein Ehrenamt bereiterklärt. Viele Teilnehmende sind älter als 60 Jahre, es gibt aber auch Studenten, die sich engagieren.

Derzeit haben 34 Familien ehrenamtliche Paten. Die Koordinierungsstelle sucht händerringend weitere Interessierte, die sich einbringen wollen. Vor Beginn eines Patenamtes werden die Ehrenamtlichen in einem Basiskurs geschult, bekommen Erste-Hilfe-Ausbildung und Ansprechpartner an die Seite.
Ein Familienpate bestimmt seine Einsätze selbst, längstens jedoch sechs Stunden pro Woche.

Wenn nicht gerade die Corona-Pandemie alles durcheinanderbringt, treffen sich die Familienpaten regelmäßig zum Austausch und für Workshops.
Versicherungsschutz wie Unfallversicherung stellt der Landkreis zu Verfügung.
Honorar gibt es nicht, der Fahrtkostenaufwand für die Familienpaten wird erstattet.

Interessiert? Katrin Ballschuh ist Ansprechpartnerin unter Telefon: 03731-7 99-62 17, Mail: netzwerk@landkreis-mittelsachsen.de

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