Kleeblattsystem Verlegung von 20 Corona-Intensivpatienten aus Sachsen beantragt

Die Zahl der Corona-Neuinfektionen in Sachsen ist binnen eines Tages drastisch gestiegen. Laut Gesundheitsministerium wurden 12.431 neue Fälle registriert. In den kommenden Tagen könnten die ersten 20 Intensivpatienten aus Sachsen in andere Bundesländer verlegt werden. Dafür wurde das Kleeblattsystem aktiviert, das Patientenverlegungen erleichtern soll. Vorwiegend geht es um Erkrankte aus dem Cluster Chemnitz, das im sogenannten Kleeblatt Ost liegt.

Mitarbeiterinnen der Pflege in Schutzausrüstung betreuen einen Corona-Patienten
Von den geplanten Verlegungen sind bisher nur Corona-Patienten betroffen. Bildrechte: dpa

Erstmals in der vierten Corona-Welle könnten in den kommenden Tagen Intensivpatienten aus Sachsen in andere Bundesländer gebracht werden. Der Freistaat hat die Verlegung von 20 Corona-Intensivpatienten beantragt, teilte das Sozialministerium am Mittwoch auf Anfrage von MDR SACHSEN mit.

Aktuell werde geklärt, welche Erkrankten in Frage kämen, vorzugsweise aus dem Krankenhaus-Cluster Chemnitz, hieß es. Zuvor hatten die besonders von Corona betroffenen Bundesländer, darunter Sachsen, das sogenannte Kleeblatt-Verfahren aktiviert.

Kleeblattsystem soll Patientenverlegung erleichtern

Das Kleeblattsystem wurde vor dem Hintergrund der ersten Corona-Welle 2020 eingeführt. Die Idee: Um Überforderungen bei einzelnen Krankenhäusern zu vermeiden, sollen innerhalb eines Kleeblatts unkompliziert Patientenverlegungen möglich sein. Dabei bilden Sachsen, Thüringen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Berlin das Kleeblatt Ost.

Eine Grafik zeigt, wie nach dem Kleeblattsystem Patienten zwischen verschiedenen Bundesländern in Deutschland verteilt werden.
Bildrechte: MDR/23degrees

Nach Angaben der Intensivmedizinervereinigung Divi wird schon seit Anfang Oktober in großer Zahl innerhalb der Kleeblätter verteilt. Ist das nicht mehr möglich, sollen bundesweite Verlegungen möglich sein. Dafür muss das System, wie nun geschehen, politisch "aktiviert" werden. Dann wird zwischen Bund, Ländern und Experten des Robert Koch-Instituts koordiniert, welches Bundesland noch Kapazitäten hat, in welches Krankenhaus die Patienten bestenfalls sollen und welche Transportmöglichkeiten zur Verfügung stehen.

Es ist jetzt wirklich Alarmstufe rot.

Sprecherin Innenministerium Sachsen-Anhalt

In den betroffenen Kleeblättern sind die Intensivstationen in den vergangenen Wochen vollgelaufen. In Sachsen, Sachsen-Anhalt, Berlin und Bayern war am Mittwoch weniger als jedes zehnte Intensivbett noch frei. In Sachsen, Thüringen und Bayern waren obendrein je rund ein Drittel der Betten mit Covid-19-Patienten belegt. "Es ist jetzt wirklich Alarmstufe Rot", sagte eine Sprecherin des Innenministeriums von Sachsen-Anhalt, an das die Koordination des Kleeblatts Ost angedockt ist. Zwar seien in einigen Kreisen noch Intensivbetten frei, hieß es aus Thüringen - diese müssten aber auch frei gehalten werden, um weiter Unfallpatienten versorgen zu können.

Bundesweite Verlegung von rund 80 Patienten wird vorbereitet

Bundesweite Verlegungen werden aktuell für rund 80 Intensivpatienten über das Kleeblattverfahren geprüft, wie der Vorsitzende des zuständigen Arbeitskreises der Innenministerkonferenz, Hermann Schröder, sagte. Dabei gehe vor allem um Erkrankte der Kleeblätter Süd und Ost, zu dem Sachsen gehört.

Ein Großteil entfalle dabei auf Covid-19-Patienten. Diese sollten zudem in einem stabilen Zustand sein und nicht bereits länger an einer künstlichen Lunge liegen. Nur in Ausnahmefällen könnten Patienten mit anderen Erkrankungen verlegt werden. Für den Transport werden unter anderem Rettungshubschrauber genutzt.

 Quelle: MDR(cfr),dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Nachrichten | 24. November 2021 | 22:00 Uhr

Mehr aus der Region Chemnitz

Mehr aus Sachsen