Motorsportgeschichte 95 Jahre Sachsenring - 200.000 Zuschauer zu Motorradrennen erwartet

Der Sachsenring wird zu Himmelfahrt 95 Jahre alt. Am 26. Mai 1927 lief auf dem Rundkurs bei Hohenstein-Ernstthal mit dem ersten Badberg-Viereck-Rennen auch der erste Motorsport-Wettkampf. Der Sachsenring ist eine der traditionsreichsten Rennstrecken Deutschlands. Doch statt große Partys zu feiern, haben die Organisatoren noch viel Arbeit vor dem nächsten Motorrad-Grand Prix.

Grand Prix der DDR 1968 auf dem Sachsenring
Der Sachsenring hat Himmelfahrt seinen 95. Geburtstag (Archivfoto zeigt Grand Prix der DDR 1968). Bildrechte: imago/Hainer Michael

Zwar begeht die traditionsreiche Strecke ihren 95. Geburtstag, an Partys ist am Sachsenring aber momentan nicht zu denken: Aktuell bereiten die Veranstalter den diesjährigen Motorrad-Grand-Prix vorbereitet. Die Tribünen müssen noch eingehaust werden, sagt Lutz Oeser vom ADAC Sachsen. Die Blockbeschilderung fehle noch, die Eingänge und Tageskassen müssen errichtet und das Programmheft für Juni erstellt werden.

Auch der Sachsenring selbst wird wieder in die Spur gebracht. "Wir haben mittlerweile zehn Leute, die sind nur mit Farbe streichen beschäftigt. Die ganze Strecke muss ja gestrichen werden", sagt der Logistikchef der Sachsenring Event GmbH, Marcel Viertel, MDR SACHSEN. Die Vorbereitungen liefen nach Plan, die Veranstalter lägen gut in der Zeit, hieß es.

Wieder Zuschauer - Rennen ohne Corona-Einschränkungen

Nach zwei Jahren coronabedingter Zuschauersperre können die Fans jetzt wieder an die Strecke. Vom 17. bis 19. Juni werden am Sachsenring mehr als 200.000 Motorsportfreunde erwartet. Das Motorradrennen 2021 ohne Publikum, sei ganz schön traurig gewesen, erinnert sich Lutz Oeser, der auch Geschäftsführer der Sachsenring Event GmbH ist. Aber für den neuen Vertrag, der die Austragung weiterer Rennen sichere, sei es erforderlich gewesen, den Grand Prix durchzuführen.

Es hat weh getan, dass wir die Zuschauer, die wir gern hätten reinlassen wollen, nicht reinlassen durften. Aber das Verständnis war da. Großen Dank an unsere Fans. Das ist Tradition, das ist Treue, das ist Sachsenring.

Lutz Oeser ADAC Sachsen - Mitveranstalter Motorrad Grand Prix

Viele Besucher hätten ihre Tickets, die sie 2019 gekauft hatten, nicht umgetauscht, sondern behalten. 2022 können sie endlich genutzt werden. Auch die 100 Wohnmobilstellplätze direkt an der Strecke seien seit zwei Jahren ausgebucht, ebenso das VIP-Zelt mit Plätzen auf der Tribüne. "Wir suchen auch immer Helfer. Es gibt ja viele Bereiche abzudecken, auf den Parkplätzen, direkt am Sachsenring, beim medizinischen Personal", wirbt Oeser für die Jobs.

Motorrad Grand Prix als Familienfest

Die meisten Fans würden aus Sachsen kommen, Kinder, Oma, Opa. Der Moto-GP sei nicht nur ein sportliches Ereignis. "Der Motorrad Grand Prix auf dem Sachsenring ist eher ein Familienfest. Es gibt den Ankerberg, Veranstaltungen in der Kart-Halle. In der Stadt auf dem Altmarkt finden Musikkonzerte und Unterhaltungsprogramme statt. Ich würde es eher als Motorsportfestival bezeichnen. Es ist nicht der reine, nackte Motorradsport", sagt Mitveranstalter Oeser.

Rückblick: Sachsenring feiert 95. Bestehen

Grand Prix der DDR 1968 auf dem Sachsenring
Der Sachsenring gehört zu den traditionsreichsten Rennstrecken in Deutschland (Archivfoto von 1968). Bildrechte: imago/Robert Michael

Am 26. Mai 1927 war mit dem ersten Badberg-Viereck-Rennen die Rennsport-Tradition in Sachsen begründet worden. Das erste Motoradrennen auf der 8,71 Kilometer langen Strecke bei Hohenstein-Ernstthal ging in die Geschichte ein. Damals sahen 140.000 Zuschauern zu. Bei der zweiten Auflage im Folgejahr gab es einige Verletzte und mehrere tödliche Unfälle. Daraufhin wurden die Rennen verboten. Erst 1934 wagten die Organisatoren einen Neubeginn.

1937 bekommt die Strecke ihren Namen

Die damalige Naturrennstrecke erhielt 1937 den Namen "Sachsenring". Sie wurde immer bekannter und fester Teil im internationalen Rennkalender auch zur Zeit der Herrschaft der Nationalsozialisten in Deutschland. 1936 und 1938 wurde der "Große Preis von Europa" ausgetragen, der mit der Bedeutung der heutigen Weltmeisterschaft vergleichbar ist. Der Zweite Weltkrieg unterbrach die Rennserien. Die Region lag am Boden. Doch nach Kriegsende kamen die Motorräder schnell wieder ins Rollen. 1949 strömten die Zuschauer in Scharen zurück an den Ring.

Zuschauerrekord 1950

Seinen absoluten Zuschauer-Höhepunkt an einem Rennsonntag erlebte der Sachsenring, als 1950 rund 480.000 Besucher an die Rennstrecke drängten. Als weitere wichtige Stadion gilt das Jahr 1973. Die DDR-Regierung gestattete ab da nur noch Rennen mit Rennfahrern aus Ostblock- Staaten. Westliche Fahrer wurden nicht mehr zugelassen. Erst 1990 durften wieder alle Nationen antreten.

Bildergalerie Die DDR und ihre Autos

Trabi und Wartburg prägten das Bild der Straßen in der DDR. Doch auch wenn die Auswahl gering war, wer ein Auto besaß, genoss individuellen Freiraum.

W 311-2 Kabrio
Der Wartburg 311/2 Kabrio wurde von 1956 bis 1960 gefertigt. Er erreichte eine Spitzengeschwindigkeit von 115 km/h und kostete 16.370 Mark. Bildrechte: Archiv Museum "automobile welt eisenach"
W 311-2 Kabrio
Der Wartburg 311/2 Kabrio wurde von 1956 bis 1960 gefertigt. Er erreichte eine Spitzengeschwindigkeit von 115 km/h und kostete 16.370 Mark. Bildrechte: Archiv Museum "automobile welt eisenach"
Wartburg W 313-1 auf der Leipziger Frühjahrs Messe 1957
Wartburg 313/1 1957 auf der Leipziger Messe. Von diesem schnittigen Sportwagen wurden bis 1960 nur insgesamt 469 Exemplare gefertigt. Er erreichte mit seinem Zweitaktmotor bei einer Leistung von 50 PS eine Spitzengeschwindigkeit von 140 km/h. Bildrechte: Wartburg-Museum Eisenach
AWE W 1.3 XXX. Wartburg Rallye 1988
Wartburg Rallye 1988. Sie wurde seit 1955 veranstaltet und entwickelte sich mit den Jahren zur erfolgreichsten Rallye in der DDR. Anfänglich als Zwei-Schleifen-Fahrt über 850 Kilometer, später dann auf einer Strecke von bis zu 1.700 Kilometer. An der ersten Rallye nahm auch Rennfahrerlegende Heinz Melkus teil. Bildrechte: Archiv Museum "automobile welt eisenach"
W 353 Limousine und Tourist am Strand
Die Wartburg 353 Limousine und der Wartburg Tourist wurden ab 1966 produziert. Samt Nachfolgemodell 353 W rollte er bis 1988 mit einem Zweitaktmotor vom Band. Bildrechte: Archiv Museum "automobile welt eisenach"
Ein Neubrandenburger Trabant mit ungewöhnlicher Front-Ansicht findet am 29.06.1996 Interessenten auf dem Volksfest "Trabi total" in Rostock.
Nach der Wende begannen viele Trabi-Liebhaber, ihre "Rennpappe" aufzupeppen. Hier findet ein Neubrandenburger Trabant mit ungewöhnlicher Front-Ansicht am 29. Juni 1996 Interessenten auf dem Volksfest "Trabi total" in Rostock. Bildrechte: dpa
Volkspolizistin auf einer Kreuzung.
Der Barkas B 1.000 wurde ab 1961 vom VEB Barkas-Werke Karl-Marx-Stadt hergestellt. Es gab ihn u. a. als Kasten-, Krankentransport-, Pritschenwagen oder als Kleinbus. Er wurde bis 1988 mit einem Wartburg-Zweitakter gefahren und erreichte eine Spitzengeschwindigkeit von 100 km/h. Bildrechte: dpa
Trabant P 50 Limousine zweifarbig
Der Trabant P 50 wurde von 1958 bis 1959 vom VEB Sachsenring Zwickau gefertigt. Den Zweitakter gab es als Limousine und Kombi. Bildrechte: August Horch Museum Zwickau
Trabant P 601 Limousine blau
Der Trabant P 601 ging 1964 in Serienproduktion und wurde mit kleineren Verbesserungen bis 1990 in Zwickau gefertigt. Bildrechte: August Horch Museum Zwickau
Blick auf verschiedene DDR-Autos
Den Zweitakter gab es als Limousine, als Kombi und ab 1967 als Kübelwagen. Bildrechte: DDR-Museum, Berlin
Trabis parken vor Häusern
Viele DDR-Bürger beschafften sich ihr Auto auf dem privaten Gebrauchtwagenmarkt. Bildrechte: DDR-Museum, Berlin
DDR auf vier Rädern: Der millionste Trabant
Im November 1973 rollte der millionste Trabi vom Band. Bildrechte: August Horch Museum Zwickau
Ein Wartburg 1.3 im Museum.
Dieser Wartburg 1.3 dokumentiert den Abschluss eines Kapitels im Eisenacher Automobilbau. Der mit einer VW-Viertaktmaschine ausgestattete Wagen war am 10. April 1991 als letzter seiner Art vom Band gelaufen und hat nun einen Platz im Museum gefunden. (Über dieses Thema berichtete MDR SPUTNIK im Radio, 07.11.2017, 8.47 Uhr) Bildrechte: dpa
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Dann kam es zu einer längeren Pause auf dem Sachsenring. Die Stadtdurchfahrt ließ Wettkämpfe auf der alten Streckenführung direkt durch den Ort Hohenstein- Ernstthal nicht mehr zu. Das hatte den Rennen zwar immer ein ganz besonderes Flair verschafft, aber während der letzten Saison im Sommer 1990 hatte es drei Tote gegeben.

Das Comeback des Sachsenrings

Das neue Verkehrsichheitszentrum bringt dem Motorsport auf dem Traditionskurs neue Möglichkeiten. Seit 1996 kann damit je nach Bedarf eine Rennstrecke für Autos und Motorräder gemacht werden. Der "neue" Sachsenring besteht teils noch aus dem alten Kurs, wurde aber nach höchsten Sicherheitsstandards ausgebaut und berührt den öffentlichen Verkehr nicht mehr. Unter diesen Voraussetzungen kehrte 1998 auch der Grand-Prix-Zirkus an die historische Stätte zurück.

MDR (dst/mc)/ADAC Sachsen e.V.

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Der Feiertagsnachmittag | 26. Mai 2022 | 17:40 Uhr

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