Sexismus im Sport Sprinterin Haase aus Chemnitz: Wie sexy dürfen Outfits sein?

Turnerinnen in knappen badeanzugähnlichen Dresses, Sprinterinnen oder Beachvolleyballerinnen, deren Shirts kürzer als BHs sind. Manche Outfits zeigen mehr Sportlerinnen-Haut, als sie zu verhüllen vorgeben. Das lehnen erste Athletinnen wie die Kunstturnerin Sarah Voss als zu sexy ab. Sprinterin Rebekka Haase in Chemnitz hat dazu ihre ganz eigene Meinung.

Die deutsche Sprinterin Rebekka Haase (M) gewinnt das Finale. Links im Bild Lisa-Marie Kwayie aus Deutschland und Lisa Nippgen aus Deutschland.
Rebekka Haase (Mitte) und zwei Konkurrentinnen sprinten im bikinigleichen Outfit ins Ziel (Archivfoto). Bildrechte: dpa

Seit Aufdeckung des hundertfachen sexuellen Missbrauchs im US-Turnsport, ist Sexismus auch hierzulande Thema im Leistungssport. Zuletzt ließ im April Kunstturnerin Sarah Voss bei den Turn-Europameisterschaften ihr Dress eine deutliche Sprache sprechen. Sie trat im langbeinigen Ganzkörperanzug vor die Juroren. "Am Ende steht eine sportliche Leistung im Vordergrund und man muss sich wohlfühlen", sagt auch Sprinterin Rebekka Haase dazu.

Die Sächsin hat am vergangenen Wochenende bei den Deutschen Meisterschaften zweimal Bronze gewonnen. Wenn man immerzu daran denken müsse, ob die Sportbekleidung da sitzt, wo es hingehört, könne man seinen Job als Leistungssportlerin nicht gut erfüllen, meint sie.

Ganzkörperanzüge als Chance für Heranwachsende

Die Idee, im Ganzkörperanzug bei internationalen Wettkämpfen anzutreten, hatte Turnerin Voss nach eigener Aussage schon vor mehr als einem Jahr. Mit zwei Teamkolleginnen setzte sie im April 2021 zur Turn-EM "bewusst ein Zeichen", wie Voss sagt.

Wir haben Vorbildfunktion für jüngere Athletinnen. Kinder und Jugendliche sollen sich im Hochleistungssport, aber auch im Breitensport wohlfühlen, auch bei Bewegungen, die nicht unbedingt vorteilhaft sind.

Sarah Voss mehrfache Deutsche Turnmeisterin

Sarah Voss turnt am Schwebebalken
Im Anzug mit langen Beinen zeigte Kunstturnerin Sarah Voss im April ihr Können bei der Turn-EM in Basel. Ihr Zeichen gegen Sexualisierung fand viel Aufmerksamkeit. Bildrechte: dpa

Nur kurze Hosen im Turnen nicht zugelassen

Gerade beim Turnen stiegen die Mädchen früh in die Sportart ein, hätten große Wettkämpfe mit zwölf Jahren, seien mit 16 Jahren bei Olympischen Spielen dabei. "Das ist eine Zeit, in der sich der Körper massiv verändert, der Kinderkörper fraulicher wird und man in die Pubertät geht. Alles Faktoren, bei denen man sich in seinem Körper nicht immer wohlfühlt", erklärt die Kunstturnerin ihr Statement für den langbeinigen Anzug bei Wettkämpfen. Nach dem öffentlichkeitswirksamen Wettkampfauftritt habe Voss viele Rückmeldungen und "positive Verwunderung" bekommen. Denn das Reglement erlaubt lange Hosen schon lange, nur kurze Hosen seien nicht zugelassen.

Leichtathletin Rebekka Haase kann die Begründungen ihrer Sportkolleginnen aus dem Kunstturnbereich gut nachvollziehen. Sie findet, jede Sportlerin solle selbst entscheiden, wie frei und sicher sie sich bewegen wolle. Für die 28 Jahre alte Sprinterin käme ein Wettkampf bei den Olympischen Spielen im Sommer in langen Hosen allerdings nicht in Frage: "Wenn wir in Tokio bei 40 Grad in der Sonne stehen, wöllte ich nicht mal darüber nachdenken, in einer langen Hose zu rennen", sagte sie MDR SACHSEN.

Wenn Kameras die Intimsphäre filmen

Für die gebürtige Zschopauerin ist nicht die Sexualisierung von Sportkleidung das größte Problem, sondern die Art und Weise, wie nah Bilder aufgenommen und verbreitet werden.

Warum gibt es so viele Fotografen und Kameramänner? Die setzen sich direkt hinter die Startblöcke und filmen die Ärsche? Warum werden in die Startblöcke Kameras eingebaut, die nach oben filmen? Das sehe ich nicht ein!

Rebekka Haase Leichtathletin

Haase verlangt vom Internationalen Leichtathletikverband und dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) ein Einschreiten. Viele Offizielle seien immer in den Stadien dabei. "Da kann man schon mal eingreifen, wenn man so etwas sieht", meint die Sportlerin, die sich in Chemnitz auf die Olympischen Spiele in wenigen Wochen vorbereitet.

Pressefotografen bei einer Sportveranstaltung
Bildrechte: dpa

Debatte um Startblock-Kameras

Die Startblockkameras sind in Deutschland nicht zugelassen. 2019 gab es darum eine breite Diskussion, als die Kameras bei der Leichtathletik-WM in Doha ohne Rücksprache mit den Sportlern diese direkt vor dem Start filmten.

Kameras in einem Startblock
Diese Startblockkameras provozierten bei der Leichtathletik-WM 2019 in Doha Entsetzen, Kopfschütteln und in den Medien Streit darüber, wie nah man Leistungssportler filmen sollte. Denn die Kameras zeigten von unten, wie die Wettkämpfenden in den Startblock einstiegen. Bildrechte: dpa

Nach Protesten von deutschen Sportlerinnen wie der Sprinterin Gina Lückenkemper und Verbandsvertretern rang sich der Weltverband zu einem Kompromiss durch: Die Kameras wurden erst eingeschaltet, nachdem die Athletinnen und Athlen in ihren Positionen saßen und nicht schon beim Einsteigen und Hinunterbeugen in den Startblock.

Quelle: MDR/kk

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 07. Juni 2021 | 16:20 Uhr

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