Rohstoffförderung Saxore Bergbau beginnt mit Probebohrungen nach Zinn

MDR-Wirtschaftsjournalist Ralf Geißler
Bildrechte: Ralf Geißler

Der einheimische Bergbau könnte gerade in Zeiten knapper Rohstoffe vorteilhaft sein. In Sachsen wird seit 2006 immer wieder nach Erzen gesucht. Dort gibt es derzeit fünf aussichtsreiche Projekte.

Die Altenberger Pinge
99 Prozent der Bergbauprojekte scheitern – doch die Chance für ein Comeback des Bergbaus im Erzgebirge stehen nicht schlecht. Bildrechte: IMAGO / Sylvio Dittrich

  • Dem Geologe Marco Roscher zufolge wird eins von 100 Bergbauprojekten realisiert.
  • Seit 2006 gibt es in Sachsen immer wieder Bergbauprojekte. Ab 2024 sollen bei Pöhla Wolfram, Zinn, Indium und Flussspat gefördert werden.
  • Vorteile des einheimischen Bergbaus könnten klare Standards bei Menschenrechten, Gesundheits- und Arbeitsschutz und Nachhaltigkeit sein.

Marco Roscher hat es auf Zinn abgesehen. Der Geologe leitet die Saxore Bergbau, die mit Probebohrungen die Vorkommen bei Gottesberg erkunden will. Insgesamt sucht die Firma an drei Standorten nach Erz. Fragt man Roscher, wieviel Saxore Bergbau dafür schon ausgegeben hat, antwortet er knapp: Millionen.

99 Prozent aller Bergbauprojekte scheitern

Auf die Frage, ob das Geld irgendwann wieder reinkommt, sagt Marco Roscher: "Natürlich sind wir optimistisch, sonst würden wir nicht so viel Geld in die Hand nehmen und dort so viele Bohrungen niederbringen. Das hat sehr großes Potenzial."

Er ergänzt: "Eine international gängige Faustregel ist: Ein Projekt von hundert wird überhaupt ein Bergwerk." Dass 99 Prozent aller Bergbauvorhaben scheitern, hat viele Gründe. Manchmal liegt das Erz doch nicht so konzentriert vor wie erhofft. Manchmal lässt es sich schlecht aufbereiten.

Oberbergamt: Comeback für den Erzbergbau

Bernhard Cramer hört immer wieder von Hoffnungen und Enttäuschungen. Er leitet das Sächsische Oberbergamt: "Bergbau ist nichts für Ungeduldige und nichts für Menschen, die nicht viel Geld mitbringen."

Trotzdem glaubt Cramer weiterhin, dass der Erzbergbau in Sachsen vor einem Comeback steht. Seit 2006 habe es im Land 70 Projekte gegeben, bei denen Firmen nach Erzen und Spat gesucht hätten. Davon liefen aktuell noch 24 Projekte, sagt Cramer.

Die meisten seien Erkundungsvorhaben, um das wirtschaftliche Potential bekannter Lagerstätten zu erkunden: "Aktuell haben wir fünf Projekte, die schon ein Bergrecht haben. Und ein neues untererdiges Bergwerk für den wirklich sehr hochwertvollen Hochtechnologie-Rohstoff Flußspat-Flourid in Niederschlag", betont der Oberbergamts-Leiter.

Zu den weiteren aussichtsreichen Projekten zählt der geplante Abbau von Lithium in Zinnwald.

Pöhla: Förderbeginn möglicherweise 2024

Auch ein Projekt der Saxony Minerals and Exploration AG in Pöhla gilt als fortgeschritten. Verantwortlich dort ist Klaus Grund: "Wir haben im Wesentlichen vier Hauptbestandteile, die gewonnen und aufbereitet werden sollen. Das betrifft Wolfram, Zinn, Indium und Flussspat. Geplant ist, dass wir im Laufe des Jahres 2024 mit der Förderung des ersten Erzes beginnen."

Eigentlich sollte es in Pöhla schon früher losgehen. Doch dann kam Corona dazwischen. Außerdem kritisiert Grund, dass die Genehmigungsverfahren zu lange dauerten.

Chancen für deutschen Bergbau durch klare Standards

Bislang kommen Zinn, Indium oder Lithium aus Ländern wie China, Peru oder Chile. Für Olaf Alisch vom Verband Bergbau, Geologie und Umwelt ergeben sich deshalb einige Fragen, etwa wie stabil diese Länder sind, ob es entsprechende Arbeits- und Gesundheitsschutz-Bedingungen gibt: "Die einheimische Rohstoffförderung hat in einigen Punkten Vorteile, etwa in Menschenrechtsfragen, Arbeitsbedingungen, Umweltstandards, Lieferketten und Nachhaltigkeit."

Weil Nachhaltigkeit weltweit immer wichtiger werde, sieht Alisch im deutschen Bergbau Chancen. Er könne die Industrie auch unabhängiger machen, wenn mal wieder Lieferungen ausblieben.

Vielleicht wird es also doch noch etwas mit Zinn, Lithium oder Indium aus dem Erzgebirge. Vielleicht, wenn die Rohstoffpreise stabil bleiben und alle noch etwas Geduld haben.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | MDR AKTUELL RADIO | 06. November 2021 | 06:38 Uhr

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