ÖPNV Menschenleere Busse zwischen Rotschau und Reichenbach

Stundenlanges Warten, schlechte Verbindungen, kaum Alternativen: der öffentliche Personennahverkehr im ländlichen Raum steht oft in der Kritik. Im vogtländischen Reichenbach gibt es derzeit auch Diskussionen. Allerdings fahren dort nicht etwa zu wenig Busse sondern offenbar zu viele. Seit dem Fahrplanwechsel im vergangenen Monat wird zum Beispiel der Ortsteil Rotschau 34 Mal pro Tag angesteuert. Die Busse sind oft menschenleer.

Zwei Busse des Unternehmens "Vogtland Bus"
Seit dem Fahrplanwechsel verkehren die Stadtbusse 34 Mal am Tag zwischen Rotschau und Reichenbach. Davor fuhr der Plusbus einmal in der Stunde. Bildrechte: MDR/Bernd Schädlich

Claus Keßler aus Rotschau schüttelt mit dem Kopf. Wieder fährt ein Bus an der Haltestelle Ortsmitte vorbei und wieder sitzt kein Fahrgast drin. "Ich sehe es ja jeden Tag, jede halbe Stunde, dass die Busse im Prinzip fast leer fahren", wundert er sich. "Diese Busfrequenz von früh kurz nach vier bis abends um elf - dass sich das die Busfirma leisten kann, das Geld so rauszuschmeißen!"

Früher hätte es fünf, sechs Fahrten pro Tag vom kleinen Ortsteil ins etwa zwei Kilometer entfernte Reichenbacher Zentrum gegeben, sagt der Rentner. Das hätte nach seiner Ansicht gereicht, weil hier sowieso jeder, wie auch er selbst, das eigene Auto nutze. "Sie glauben doch nicht, dass jemand sein Auto abschafft", sagt Keßler. "Wir haben am Tag jetzt eine Buskapazität damit könnten 1.500 Fahrgäste fahren und wir haben knapp 900 Einwohner." Diese klassische Autofahrersicht teilen nicht alle so ganz.

Wir haben am Tag jetzt eine Buskapazität damit könnten 1.500 Fahrgäste fahren und wir haben knapp 900 Einwohner.

Claus Keßler Rentner aus Rotschau

"Leute sind nicht gewöhnt, dass ein Bus fährt"

Rotschaus Ortsvorsteher Veit Bursian freut sich zwar über die gute Anbindung, sieht die aktuelle Situation dennoch mit gemischten Gefühlen. "Zum einen muss ein Angebot geschaffen werden, um erstmal eine Nachfrage zu erzeugen", sagt er. "Zum anderen sind wir hier in einem vom Nahverkehr über Jahre vernachlässigten Gebiet, sodass die Leute gar nicht mehr daran gewöhnt sind, dass ein Bus fährt."

Verkehrsverbund Vogtland will abwarten

Beim Verkehrsverbund Vogtland ist man aktuell gelassen, was die leeren Busse betrifft. Der Stadtverkehr von Reichenbach sollte attraktiver gemacht werden. Deswegen seien die Taktzeiten auch in Rotschau verkürzt worden, erklärt Sprecher Fabian Holst. "Das ist hier ein neues Angebot, da werden wir dem Ganzen auch genügend Zeit einräumen, um zu wachsen", sagt er. "Rotschau ist einer der Ortsteile in Reichenbach, der kontinuierlich am Wachsen ist und mit diesem Halbstundentakt bieten wir der breiten Masse, Schülern, Pendlern sowie auch allen Rentnern Möglichkeiten, einen gut frequentierten Stadtverkehr zu nutzen."

Gerade mit Hinblick auf die aktuell hohen Benzinpreise, sei es ein guter Zeitpunkt, darüber nachzudenken Bus zu fahren, sagt Holst. "Das Gebot der Stunde ist, den Bus nicht von außen anzuschauen sondern einzusteigen." Im Zuge des Fahrplanwechsels wurden auch die Anschlüsse optimiert, sagt Holst. Bei der halbstündigen Taktung aus Rotschau würden sich alle Anschlussbusse in Reichenbach an einem zentralen Punkt treffen.

Renter Claus Keßler bleibt dennoch skeptisch. "Wenn aber kein Bedarf da ist, dann kann ich noch so viel Angebot schaffen. Dann fährt trotzdem keiner mit dem Bus mit", sagt er.

In einem Jahr Resümee ziehen

Für Ortsvorsteher Veit Bursian fehlt es etwas an einer klugen Marketingstrategie für die Busstrecke. "Es ist alles sehr kompliziert, was die Tarife und die Vernetzung angeht", sagt er. "In einem Jahr muss Resümee gezogen werden und dann muss eine Taktung gefunden werden, die zeitgemäß ist", so Bursian. Frühestens zum nächsten Fahrplanwechsel will der Verkehrsverbund Vogtland die Route im Reichenbacher Ortsteil Rotschau genauer unter die Lupe nehmen.

MDR (al)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Regionalreport aus dem Studio Chemnitz | 31. März 2022 | 14:30 Uhr

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