Alte Technik, Pannen und Personalmangel Vogtland will raus aus dem Corona-Desaster

Die Corona-Ambulanz des Vogtland-Klinikums
Lange Zeit spiegelten die Zahlen nicht die Corona-Wirklichkeit im Vogtland wider. Nun ist zumindest das Meldesystem auf einem modernen Stand. Bildrechte: dpa

Seit Tagen leuchtet der Vogtlandkreis auf der Corona-Deutschlandkarte in Pink. Kein anderer Meldebezirk bundesweit verzeichnet derzeit so hohe Inzidenzwerte wie die Region zwischen dem Aschberg und der Göltzschtalbrücke. Innerhalb einer Woche hatte sich der Wert fast vervierfacht und lag stellenweise laut Robert Koch-Institut bei knapp 900*.

Nicht nur die Vogtländer selbst fragen sich, wie das plötzlich zustande kommt. Schulterzucken und Kopfschütteln - das sind die häufigsten Reaktionen, wenn man die Vogtländer derzeit auf die aktuelle Corona-Lage anspricht.

Ich frage mich, woher die Zahlen kommen. Ich glaube eher, die brauchen ein paar Zahlen. Denn das ist komisch, da kann man sich unterhalten, mit wem man will. Bei den ganzen Zahlen findet man sich auch gar nicht mehr durch.

Aus einer Umfrage unter Vogtländern

Meldungen gingen per Fax ein

Erklärungsversuche aus dem Landratsamt waren bisher eher dürftig. Landrat Rolf Keil räumt ein, dass es im Dezember zu größeren Problemen bei der Abarbeitung der Infektionsfälle gekommen sei - auch aufgrund technischer Rahmenbedingungen. "Wir haben alles Faxe bekommen. Wir haben die Faxe alle mit der Hand eingeben müssen. Dort hat sich wahrscheinlich ein Stau gebildet - und das ist alles andere als optimal." Durch organisatorische Fehler im Haus und nicht zuletzt durch Personalmangel sei der Rückstau schnell angewachsen.

Die Zahl kann ich jetzt nicht genau nennen. Meiner Vermutung nach war das eine dreistellige Größenordnung, was liegengeblieben ist. Wir konnten das auch nicht täglich kommunizieren, weil wir selbst gar nicht wussten, was ist im System, was ist abgearbeitet, was ist liegengeblieben.

Rolf Keil Landrat Vogtland

Der Haupteingang des Helios Vogtland-Klinikums Plauen
Am Helios-Klinikum in Plauen ist von einer "dynamischen Entwicklung an Covid-19-Infektionen" im Landkreis die Rede. Deswegen hat das Krankenhaus seine Kapazitäten aufgestockt. So seien Reservebetten auf der Intensivstation aktiviert worden, so eine Sprecherin. Sollte die Zahl der Patienten erheblich steigen,
könnten Betroffene in andere Kliniken verlegt werden. "Dies war bisher nicht nötig."
Bildrechte: dpa

Zahlen-Chaos über Weihnachten beseitigt

Über Weihnachten ist das große Chaos dann aufgearbeitet worden. Mit der Folge, dass die Inzidenz innerhalb weniger Tage steil nach oben ging. Inzwischen sei man wieder auf dem aktuellen Stand und das Vogtland hoffentlich bald wieder auf der Corona-Landkarte aus dem pinken Bereich, meint Landrat Rolf Keil. "Man sieht es auch an den jetzigen Zahlen. Die sind innerhalb von drei Tagen von 885 auf 631 heute gesunken. Das hängt einfach damit zusammen, dass sich das jetzt wieder normalisiert."

Gut seien die Werte trotzdem nicht, betont Keil. Noch immer gäbe es vor allem in Pflegeheimen und Krankenhäusern zu viele Infektionen. Ein wenig freuen kann sich der Landrat des Vogtlandkreises indes über das neue Meldesystem: Seit Jahresbeginn wird nun nicht mehr per Fax, sondern auf elektronischem Wege kommuniziert. 

Ein Polizeifahrzeug steht vor dem zukünftigen Impfzentrum für das Vogtland.
Das Virus breitet sich im Vogtland vor allem in Pflegeheimen aus. Aber auch Bürger, die sich nicht an die Corona-Vorschriften hielten, hätten Anteil an der aktuellen Situation, so der Landrat. Erst am Wochenende etwa hatten Unbekannte das neue Impfzentrum des Landkreises in Treuen und Wegweiser dorthin mit Farbe besprüht und so das Wort "Gift" hinterlassen. Bildrechte: dpa

*Die 7-Tage-Inzidenz pro 100.000 Einwohnern lag laut Angaben des Robert-Koch-Instituts bei 819, laut Berechnungen von MDR SACHSEN auf Grundlage der gemeldeten Corona-Fälle des Landkreises und des Sozialministeriums sogar bei 1.018 (Stand: 31.12.2020).

Quelle: MDR/mit dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 04.01.2021 | 16:30 Uhr im Regionalreport aus dem Studio Chemnitz

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