Corona-Proteste Empörung über Grabkerzen vor Klinikum Obergöltzsch

In Rodewisch im Vogtland hat ein Protest gegen Corona-Maßnahmen große Empörung ausgelöst. Denn als Ziel hatte sich eine Gruppe von sogenannten Spaziergängern nicht nur das ortsansässige Klinikum Obergöltzsch ausgesucht – es wurden am Eingang des Krankenhauses auch brennende Grabkerzen aufgestellt.

Eine Frau hält während einer Gedenkveranstaltung für die Opfer des Attentats vor dem Kasseler Rathaus eine Gedenkkerze in den Händen.
Abgestellte Grabkerzen vor dem Klinikum Obergöltzsch in Rodewisch sorgen beim Klinikum und der Bürgermeisterin für Empörung. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

Der ärztliche Direktor des Rodewischer Klinikums Obergöltzsch, Thomas Schmidt, ist immer noch geschockt. Rund 30 Personen sind am Sonntagabend plötzlich vor der Klinik aufgetaucht und haben direkt am Eingang etliche Grabkerzen und kleine Plakate abgestellt.

"Ich bin wirklich entsetzt, dass man ein Krankenhaus als Bühne nimmt, um gegen Corona-Maßnahmen zu demonstrieren, wenn im Krankenhaus selbst Mitarbeiter um das Leben von an Corona erkrankten Patienten kämpfen", sagt Schmidt. Da die nicht genehmigte Aktion auf dem Privatgelände der Klinik stattfand, hatte diese die Polizei gerufen.

Bürgermeisterin findet die Grabkerzen geschmacklos

Weil die Demonstration schnell beendet war, mussten die Polizeibeamten aber nicht eingreifen, sagt Schmidt. Trotzdem kursierte kurz danach ein Video von den Geschehnissen in den sozialen Netzwerken und erreichte so die Rodewischer Bürgermeisterin Kerstin Schöniger (CDU) im Urlaub. Das Abstellen von Grabkerzen findet sie absolut geschmacklos.

Kerstin Schöniger, Bürgermeisterin von Rodewisch im Vogtland
Bildrechte: Kerstin Schöniger

In unserem Klinikum werden Babys geboren. Da liegen Menschen, die sich vielleicht von einer Operation erholen. Da kommen Menschen, die dort ihre Chemotherapie bekommen, die gegen den Tod ankämpfen – und die werden am Eingang mit Grabkerzen begrüßt. Das hat mich schon sehr mitgenommen.

Kerstin Schöniger Bürgermeisterin von Rodewisch

Dass die Aktion eventuell etwas mit der geplanten Impfpflicht für Pflegekräfte zu tun hat, lässt die Bürgermeisterin nicht als Argument gelten. "Man kann, wenn man dem medizinischen Personal angehört und mit dieser Entscheidung nicht einverstanden ist, Verbände, Gewerkschaften anrufen und seinen Protest, seinen Unmut kundtun", sagt sie. Aber Grabkerzen sind ihrer Meinung nach nicht der richtige Weg.

Zukünftige Aktionen werden von Klinikchef angezeigt

Zustimmung bekommt die Lokalpolitikerin vom Chefarzt des Rodewischer Klinikums. So etwas dürfe sich nicht wiederholen und werde auch zukünftig von ihm angezeigt, sagt Thomas Schmidt. Denn auch bei seinen Mitarbeitenden habe die Aktion Spuren hinterlassen. "Ein großer Anteil der Mitarbeiter ist geimpft. Sie stehen dem auch entsetzt gegenüber und wissen diese ganze Situation kaum einzuordnen", sagt er.

Die Klinik sei der falsche Platz für solche Demonstrationen, meint Schmidt. Rodewischs Bürgermeisterin Kerstin Schöniger zeigt sich generell dialogbereit mit den Demonstranten – allerdings nur, wenn sie solche Aktionen, wie vor dem Klinikum Obergöltzsch zukünftig unterlassen.

Quelle: MDR(al/bs)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Regionalreport aus dem Studio Chemnitz | 04. Januar 2022 | 16:30 Uhr

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