Trainingsverbot Sorgen um Wintersportnachwuchs in Klingenthal

Freude und Frust liegen im Sport nah beieinander. Das wird aktuell auch beim Blick ins vogtländische Klingenthal deutlich. Während in der Vogtland-Arena die weltbesten Springer und Kombinierer an diesem Wochenende ihre Kräfte messen, werden die Nachwuchs-Wintersportler am benachbarten Bundesstützpunkt seit Wochen durch die Corona-Regelungen komplett ausgebremst. Eine Situation, die langfristige Folgen haben könnte.

Bernd Glass, Nachwuchs-Regionaltrainer im Bundesstützpunkt Klingenthal, blickt schon etwas neidisch auf das Weltcup-Treiben an diesem Wochenende in der Vogtland-Arena. Die Talenteschmiede für die potentiellen Weltcupteilnehmer von morgen wirkt dagegen wie ausgestorben. Seit dem 2. November herrscht aufgrund der Corona-Pandemie ein Trainingsverbot.

"Fakt ist, dass man die Verhältnismäßigkeit von Maßnahmen hinterfragen kann", sagt Glass. "Und es ist den Kindern dementsprechend auch schwer zu vermitteln, warum dürfen die Großen das tun, was wir nicht tun dürfen." Weder in den Loipen noch auf den Schanzen passiert etwas und das trotz bester Schneeverhältnisse. Über Telefon oder Videoanrufe hält der Trainer am Klingenthaler Bundesstützpunkt Kontakt zu seinen jungen Schützlingen.

Kein Training und keine Wettkämpfe

"Wir stellen den Kindern Aufgaben und sie haben auch Trainingspläne", erzählt Glass. "Wie die natürlich ausgeführt werden, in welchen Umfang und auch ohne die entsprechende Kontrolle - das ist maximal das Erhalten eines Grundniveaus."

Sprungtraining kann man nicht als Hausaufgabe geben. Hundert Mal falsch ausgeführt, das ergibt ein Fehlerbild, das ganz schwer wieder wegzubekommen ist.

Bernd Glass Nachwuchs-Regionaltrainer im Bundesstützpunkt Klingenthal

Es sehe alles danach aus, als würde es eine verlorene Saison werden, denn natürlich gibt es auch keine Wettkämpfe für den Nachwuchs. Bis jetzt seien alle Wettkämpfe abgesagt worden. "Und die, die noch in Plänen verankert sind, sollten dringend abgesagt werden", sagt Glass. "Man kann keinen Wettkampf durchführen, wenn Kinder wochenlang nicht trainieren konnten."

Notbetrieb an der Eliteschule des Sports

Im Internat der "Eliteschule des Sports", die an den Bundesstützpunkt angegliedert ist, läuft der Betrieb derzeit ebenfalls auf Sparflamme, erzählt Leiter Andreas Hille. "Mit dem Start der Schule für die Abschlussklassen sind wir derzeit in einem Notbetrieb", sagt er. Normalerweise gebe es 28 Bewohner im Internat, momentan seien es nur fünf, die die Abiturklassen besuchen.

Langfristige Folgen des Trainings-Lockdowns schließt Hille nicht aus. Die Anfragen nach Plätzen für das nächste Schuljahr seien im Moment sehr verhalten. Eltern und Kinder würden sich die Frage stellen, ob es in dieser Situation etwas bringt, die Sache anzugehen. "Oder auch sich selbst einzuschätzen, schaffe ich das überhaupt, so eine Aufnahme an einer 'Eliteschule des Sports'", erzählt Hille. "Das macht uns schon Sorgen." Dazu komme, sagt Nachwuchtrainer Bernd Glass, dass auch die Talentsichtung in Schulen oder Kindergärten im vergangenen Jahr wegen Corona nahezu komplett ausgeblieben ist. 

Bundesstützpunkt Klingenthal Seit März 2007 bilden Klingenthal und Oberwiesenthal gemeinsam einen Bundesstützpunkt des Deutscher Skiverband - DSV. Der Deutsche Olympische Sportbund hat den Standort Klingenthal mit Gymnasium, Mittelschule, Internat und Bundesstützpunkt zur "Eliteschule des Sports" ernannt.
Bei entsprechenden Leistungen haben Sportler ab einem Alter von 12 Jahren die Möglichkeit, am Bundesstützpunkt aufgenommen zu werden.

Quelle: MDR/al/bs

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 05.02.2021 | 16:30 Uhr im Regionalreport aus dem Studio Chemnitz

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