Bürgerprotest Verschärfte Corona-Maßnahmen – im Vogtland regt sich Protest

Grundschulen und Kindergärten geschlossen, Friseurbesuche nur mit negativem Test - die verschärften Corona-Maßnahmen sorgen im Vogtland derzeit für jede Menge Wirbel. In den letzten Tagen hat es zahlreiche Aufrufe gegeben, es wurden Petitionen gestartet und Veranstaltungen angekündigt – viele mit der Forderung verknüpft, die Verschärfungen wieder zurückzunehmen.

Corona Testzentrum in Plauen
Die verschärften Corona-Regeln im Vogtland lösten einen Ansturm auf die 18 Testzentren im Landkreis aus. Bildrechte: MDR/Mario Unger-Reißmann

Vor allem die Schul- und Kita-Schließungen sorgen für viel Frust im Vogtland. Der Verein "Colorido" fordert einen fairen Umgang mit den Kindern und hat für Dienstag eine Veranstaltung vor dem Landratsamt angekündigt. Dabei sollen Eltern, Pädagogen, interessierte Bürger, Politiker und Verantwortungsträger ins Gespräch kommen, sagt Vereinschefin Doritta Korte. "Das ganze Jahr hatte der Landrat, die Stadtverwaltung Zeit, um mal in die Kitas in die Schulen rauszugehen und Sachen zu klären", sagt sie. "Ich wünsche mir, dass sich viele Funktionsträger druntermischen und so mal die Stimmung an der Basis einfangen", so Korte über die geplante Aktion. "Vielleicht hat der Landrat den Schneid und kommt raus, dann darf er auch reden."

Forderung nach Ausweitung der Notbetreuung

Mit dem Landrat ins Gespräch kommen will auch eine Initiative aus Elternvertretern verschiedener Plauener Kitas. In einem offenen Brief fordert sie eine Ausweitung der Notbetreuung, weil viele berufstätige Eltern Angst um ihren Job haben, wenn sie weiter ständig ihre Kinder betreuen müssen.

Der Apotheker Robert Herold aus Falkenstein hat eine Petition gegen die Schließung der Schulen im Landkreis gestartet. Er sieht Schulen nicht als Infektionsquelle und macht sich Sorgen um die Zukunft der Kinder. "Ich denke, dass Kinder nicht ein- und ausgeschaltet werden können wie ein Radio und wir nicht sagen können, heute geht ihr in die Schule und morgen nicht", sagt Herold. "Deswegen plädieren wir dafür, die Schulen unter bestimmten Hygienekonzepten zu öffnen." Er plädiert für viele Tests, um das Infektionsgeschehen an den Schulen zu überprüfen. Fast 6.500 Menschen haben die Onlinepetition bisher unterschrieben.

Terminabsagen bei Friseuren

Auch die Friseure kämpfen mit den neuen Regelungen im Vogtland. Für einen Termin müssen die Kunden einen negativen Corona-Test vorweisen, der nicht älter als 48 Stunden sein darf. Deswegen haben sich an den Schnelltestzentren lange Schlangen gebildet. Bei den Friseuren hagelt es teilweise kurzfristige Absagen. "Unter diesen Umständen macht die Arbeit keinen Spaß", sagt Friseurmeisterin Petra Scholz aus Plauen. "Ich würde es niemandem verübeln, der sagt, nein tut mir leid." Viele Menschen hätten sich am Wochenende von einem Testzentrum zum anderen durchgehangelt, um einen Test zu bekommen.

Eine Menschenschlage vor dem Corona Testzentrum in Plauen
Bis zu drei Stunden standen am Montag in Plauen Bürger und Bürgerinnen für einen Schnelltest an. Viele brauchten den Test, um einen Termin beim Friseur oder bei der Fußpflege wahrnehmen zu können. Bildrechte: MDR/Mario Unger-Reißmann

Erweiterungen der Testzentren geplant

Bei einer Inzidenz über 200 im Vogtlandkreis hätten Friseure, Musik- und Fahrschulen gar nicht wieder öffnen dürfen, heißt es aus dem Landratsamt. Ein Glücksfall sei das erst vergangene Woche gestartete Pilotprojekt gewesen, durch das sich jeder Vogtländer zwei mal pro Woche freiwillig und kostenlos in einem der 18 Testzentren testen lassen kann. Wegen der kurzfristigen Testpflicht soll es nun Erweiterungen geben. "Wir wollen gerne noch Partner haben beim Testen", so Landrat Rolf Keil. "Wenn der eine oder andere Apotheker noch sagt: Gut, ich würde das auch anbieten, um einfach die Situation ein bisschen zu entspannen, sind wir gerne bereit, mit demjenigen einen Vertrag abzuschließen als Landkreis und ihn als Teststation mit aufzunehmen." Der Landrat habe auch die wiederholte Schließung der Kitas und Schulen im Vogtland verhindern wollen, konnte sich aber noch nicht abschließend mit der Landesregierung einigen.

  

Quelle: MDR/al/bs/mur

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 01.03.2021 | 19:00 Uhr

3 Kommentare

martin123 vor 10 Wochen

Wahrscheinlich eine Verlängerung des Lockdowns bis Ende März oder April oder Mai?
Was sich diese Politiker leisten oder besser gesagt raus nehmen, denn leisten tun sie nichts ist an Unfähigkeit und Unverfrorenheit nicht mehr zu überbieten. Es zeigt wieder mal , wie weit diese sogenannte Elite von der Bevölkerung und der Basis entfernt sind. Für mich ist das keine Regierung ob im Bund oder im Land . Danke für Nichts.

Matthi vor 10 Wochen

Ich kann den Unmut vieler Bürger die sich an die Corona Maßnahmen halten verstehen geht mir genauso. Die Verantwortlichen Politiker sollten alles daran setzen das jetzt endlich schnell Flächendeckend geimpft wird mit Schnelltests den der Bürger dann noch selber zahlen darf lässt sich die Volksseele nicht mehr beruhigen. Übrigens es ist Impfstoff vorhanden sonst könnte Sachsen Thüringen und Bayern keinen nach Tschechien verschenken.

altrocker vor 10 Wochen

es sollten sich mal alle politischen würdenträger im klaren sein, wenn jetzt nichts passiert platzt der dampfkessel im volk. dann wird die strasse entscheiden wie es in deutschland weiter geht. es geht hier nicht um corona selbst, sondern um die untätigkeit und unfähigkeit der entscheidungsträger.
ich finde die zusammenarbeit bayern mit sachsen gut, aber ich glaube nicht das sie die menge impfstoff vom bund bzw. der eu bekommen um die grenzregion zu tschechien bekommen.
eine möglichkeit sehe ich , um das durchzusetzten. söder und kretschmer setzen sich ins flugzeug fliegen zu putin und holen sputnik v. aber dazu benötigt man eine menge mut, um sich über die bundesdeutsche verordnungsbürokratie hinweg zu setzen. ob die das haben? sachsen und bayern würde das dankend annehmen. ich würde mich so fort mit sputnik impfen lassen und viele andere auch.

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