Erste Bilanz 40.000 Tests in zwölf Tagen - Wie das Vogtland gegen die Corona-Pandemie kämpft

Corona Schnelltests liegen auf einer schwarzen Unterlage.
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Der Vogtlandkreis zieht eine durchweg positive Bilanz seiner Teststrategie. Nach offiziellen Angaben konnten in den vergangenen zwölf Tagen mehr als 40.000 Tests auf das Coronavirus in den insgesamt 24 Testzentren im Landkreis durchgeführt werden. Die Nachfrage sei weiterhin hoch.

Bei den Tests seien 315 Menschen entdeckt worden, die, ohne Symptome zu haben, mit dem Coronavirus infiziert waren, so Mattes Nagel, Chef der Softwarefirma "Simba n³". "Bei der Sterberate hier im Vogtland sind das 15 Menschen, die gerettet worden sind", sagt er. Die vogtländische Firma hatte eine Software entwickelt, die den bürokratischen Aufwand von Tests wesentlich vereinfacht hat. "Das Personal in den Testzentren ist dazu da, um zu testen", sagt Nagel. Das Schnelltest-Tool vernetzt die Apotheke mit der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) und dem Gesundheitsamt - so kann direkt abgerechnet und ein positives Ergebnis gemeldet werden. Daher gebe es auch aktuellere Daten in den Gesundheitsämtern und man sei näher am Infektionsgeschehen dran.

Infektionsketten können durch Tests gebrochen werden

Landrat Rolf Keil zeigt sich zufrieden mit den bisherigen Ergebnissen. "Wir konnten Infektionsketten brechen, indem wir symptomlose Infizierte herausgefischt haben", sagt er. "Nur so sind wir in der Lage, die Infektionsrate zu senken." Auch über den Aufbau der Teststruktur im Vogtlandkreis ist Keil sehr zufrieden. Mit den Testzentren sei es möglich, 2,2 Prozent der Bevölkerung an einem Tag zu testen. Nach Angaben des Statistischen Landesamtes leben rund 224.400 Menschen in dem Landkreis.

Nachdem sich im Vogtlandkreis bislang jeder Einwohner und jede Einwohnerin zweimal die Woche kostenfrei testen lassen konnte, ist dies nun aber nur noch einmal möglich. Das läge an den veränderten Vorgaben von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und der damit unklaren Finanzierung eines zweiten Tests, so Keil.

Corona Testzentrum in Plauen
Das Corona-Testzentrum in Plauen ist eins der 24 Testzentren im Vogtlandkreis. Bildrechte: MDR/Mario Unger-Reißmann

Positivanteil bei Kindern viermal so hoch

Die ersten statistischen Auswertungen der Tests zeigen besonders im Bereich der Kinder einen hohen Positivanteil. "Wir haben in dem Zeitraum von zwölf Tagen 290 Kinder von null bis neun Jahren getestet", so Nagel. "Die hatten einen Positivanteil, der viermal so hoch war wie beim Mittel der Bevölkerung." Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kind ohne Symptome positiv sei, sei daher viermal so hoch wie beim Rest der Bevölkerung. "Dazu kommt die Kategorie der Eltern, also 20 bis 30 und 30 bis 40 Jahre, die eine Positivrate zwischen 1,4 und 1,7 Prozent haben", sagt er. Das sei noch fast das Doppelte dieser 0,8 Prozent Positivrate des Vogtlandkreises.

Damit sind wir bei der These, dass es zurzeit sehr schwierig ist, mit dem Eintrag der britischen Mutation, sich in einem Haushalt so abzusondern, dass ich niemanden anstecke.

Mattes Nagel Chef der Softwarefirma "Simba n³"

Im Gegensatz zu den anderen sächsischen Landkreisen und kreisfreien Städten sind im Vogtlandkreis die Kindergärten und Schulen bis auf Weiteres wegen der hohen Inzidenz geschlossen. Aktuellen Angaben zufolge breiten sich die Mutationen des Coronavirus vor allem im Vogtland aus. Insgesamt entfallen 25 Prozent aller in Sachsen nachgewiesenen Mutationsfälle auf den Vogtlandkreis (Stand 2. März).

Menschen mit Masken bei der Eröffnung des neues Impfzentrums in Plauen.
Das neue Impfzentrum in Plauen hat am Mittwoch seine Arbeit aufgenommen. Gesundheitsministerin Petra Köpping kündigte vor Ort weitere Unterstützung an. Bildrechte: MDR/Bernd Schädlich

Neues Impfzentrum in Plauen nimmt Arbeit auf

Um die hohe Zahl der Neuinfektionen (7-Tage-Inzidenz: 207,5 laut RKI, Stand 10.03.) zu stoppen, soll im Vogtland verstärkt geimpft werden. Dafür hat in Plauen am Mittwoch ein neues Impfzentrum in der Mehrzweckhalle des Behördenzentrums seine Arbeit aufgenommen. Gesundheitsministerin Petra Köpping kündigte vor Ort weitere Unterstützung an. Geplant sei der Einsatz von rollenden Impfbussen und weiteren Impfteams. Im neuen Impfzentrum werden zunächst überwiegend Senioren des Vogtlandes geimpft, die älter als 80 Jahre sind und denen es bislang nicht möglich war, einen Termin im Impfzentrum Eich zu organisieren. Geimpft werden soll an sieben Tagen die Woche mit einer Kapazität von 240 Impfungen pro Tag.

Das zweite Impfzentrum in Plauen ist eine tolle Sache für unsere Stadt Plauen, aber auch für die gesamte Region unseres Vogtlandes. Es ist ein echter Lichtblick.

Steffen Zenner Sozialbürgermeister von Plauen

Spahn gibt grünes Licht für Aufhebung der Impfpriorisierung

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat den Plan der sächsischen Landesregierung gebilligt, im Landkreis Vogtland von der Impfpriorität abzuweichen. Er habe mit Ministerpräsident Michael Kretschmer gesprochen und vereinbart, dass dort ein "Schutzriegel" durch Impfungen möglich sei, sagte Spahn im ZDF. Damit soll verhindert werden, dass sich im Grenzgebiet viele Menschen anstecken.

Gesundheitsministerin Petra Köpping hatte am Dienstag angekündigt, die festgelegte Reihenfolge der Impfberechtigten im Vogtland aufzuheben. Schon in Kürze sollen sich hier alle Menschen ab 18 Jahren impfen lassen können. Man brauche aber noch etwas Zeit, um die Maßnahme umzusetzen, so Köpping.

Kritik an Bevorzugung des Vogtlands

Aus angrenzenden Regionen, wie dem Landkreis Zwickau, ist von Bewohnern aber auch Kritik an der Bevorzugung des Vogtlands zu hören. So wird befürchtet, dass andernorts Impfstoff für gefährdete Menschen fehlen könnte.

Quelle: MDR/al/bs

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 10.03.2021 | 07:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Chemnitz

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