Erster Schultag DaZ-Klasse für ukrainische Kinder in Schöneck eröffnet

Etwa 1.300 Flüchtlinge aus der Ukraine sind bisher im Vogtlandkreis angekommen, darunter auch viele Kinder und Jugendliche. Für acht von ihnen begann am Dienstag in Schöneck wieder die Schule, in sogenannten DaZ-Klassen.

In einem Klassenzimmer stehen Mädchen und Jungen vor sitzenden neuen Schülerinnen und Schülern
Am Dienstag lernten in Schöneck die Schülerpaten die neu angekommenen ukrainischen Schülerinnen und Schüler kennen. Bildrechte: MDR/Bernd Schädlich

Am Evangelischen Schulzentrum Schöneck lernen seit Dienstag acht Mädchen und Jungen aus der Ukraine regelmäßig Deutsch. Die Schule hat das Angebot auf die Beine gestellt, weil Eltern von Schülern nach einer Unterrichtsmöglichkeit für Flüchtlingskinder gefragt hatten. Lehrkräfte und Schüler packen nun gemeinsam an, um den Kindern und Jugendlichen ein kleines Stück Normalität in ihren Alltag zurück zu bringen.

Lehrerin möchte Sprache und Normalität vermitteln

Eine junge Lehrerin beugt sich zu drei an einer Schulbank sitzenden Schülerinnen hinunter und hört ihnen zu
Lehrerin Marzella Dietz (links) will den Flüchtlingskindern neben der deutschen Sprache auch ein bisschen Normalität vermitteln. Bildrechte: MDR/Bernd Schädlich

Die Aufregung am ersten Schultag war allen im Raum anzumerken, auch der Pädagogin Marzella Dietz. Sie unterrichtet eigentlich Tschechisch am Schönecker Schulzentrum. Nun wird sie aufgrund ihrer Ausbildung als Lehrerin für Deutsch als Zweitsprache – kurz DaZ - zusätzlich auch die neue Klasse betreuen. "Für mich ist das Allerwichtigste, dass die Kinder sich gut fühlen, dass sie ein bisschen im Alltag vergessen, was in ihrer Heimat passiert, eine neue Sprache lernen - einfach ein ganz normaler Kindertag."  

Der Deutsch-Unterricht findet ab jetzt an drei Vormittagen pro Woche statt. Zunächst stehen dabei die wichtigsten Grundlagen der Sprache im Vordergrund, sagt Dietz. "Die Kinder und Jugendlichen sollen kommunizieren können: 'Wie geht es dir?', 'Wie heißt du?'. Sie sollten auch manche Sachen für ihre Eltern sagen können, zum Beispiel Zahlen oder Namen.

Patenschüler für die ersten Schritte in ungewohnter Umgebung

Zur besseren Eingewöhnung haben die Jungen und Mädchen aus der Ukraine jeweils einen Patenschüler oder eine Patenschülerin bekommen. Emelie wird sich dabei um ein ukrainisches Mädchen kümmern.

"Ich bin natürlich aufgeregt, weil ich auch manchmal Bedenken habe, dass es Verständigungsprobleme gibt." Aber es sei schön, dass sie jetzt hier sind. "Wenn sie jetzt irgendwelche Probleme hat oder etwas nicht findet, oder einfach jemanden zum Reden braucht, dann kann sie immer zu mir kommen."  

In einem Klassenzimmer unterhalten sich an den Schulbänken Schülerinnen in Zweier- und Dreiergruppen
Die ersten Kontakte sind geknüpft. Mit den Patinnen und Paten sollen die Jugendlichen aus der Ukraine auch gleichaltrige Ansprechpartner haben. Bildrechte: MDR/Bernd Schädlich

Wenn sie jemanden zum Reden braucht, dann kann sie immer zu mir kommen.

Emelie Schulpatin

Normalität nach wenigen Minuten

Die Nervosität ist schon nach wenigen Minuten verflogen und die jungen Leute kommen ins Gespräch. Meist wird noch Englisch gesprochen. Schülersprecher Oscar ist sich sicher, dass die neuen Schülerinnen und Schüler schnell integriert werden. "Es wurden auch schon viele Telefonnummern ausgetauscht zwischen den Paten und den ukrainischen Schülern." Er könne sich vorstellen, dass sie auch in der Freizeit etwas miteinander unternehmen werden. "Das wird Normalität werden mit der Zeit und ich finde das auch gut so."

Das wird Normalität werden mit der Zeit und ich finde das auch gut so.

Oscar Schulpate

Ein Schüler an einer Schulbank überreicht einem anderen Jungen aus einer Tüte Buntstifte und Schreibblöcke
Schülerpate Enno (links) hat für Roman ein paar Sachen dabei, die er für den Unterricht gut gebrauchen kann. Bildrechte: MDR/Bernd Schädlich

Kapazität kann noch erweitert werden

Schulleiter Marcus Kugler ist zufrieden mit dem positiven Start der neuen Sprachklasse. Das sei zwar eine besondere Herausforderung, doch bei entsprechender Nachfrage noch ausbaufähig. "Wir wissen, dass eine DaZ-Klasse für bis zu 20 Schülerinnen und Schüler zu stemmen wäre. Das wäre für uns auch ein Richtwert, an dem wir uns orientieren wollen."

Bis zum Ende des Schuljahres soll der Deutschunterricht für die ukrainischen Kriegsflüchtlinge am Schulzentrum in Schöneck laufen. Ob die jungen Leute danach in normale Klassen wechseln können, werden die kommenden Monate zeigen.

MDR (tfr/bs)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Regionalreport aus dem Studio Chemnitz | 05. April 2022 | 16:30 Uhr

1 Kommentar

Jan vor 18 Wochen

Ich wünsche allen viel Erfolg, jede Menge Freundschaften und ein gute gemeinsames Lernen.

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