Funkstille Morgenröthe-Rautenkranz: Kein Geld für Erweiterung der Raumfahrtausstellung?

In Morgenröthe-Rautenkranz, dem Geburtsort des Kosmonauten Siegmund Jähn, gibt es eine beachtliche Raumfahrtausstellung. Weil sie aus allen Nähten platzt, sollte sie erweitert werden. Doch plötzlich fehlt das zugesagte Geld vom Bund.

Die Gemeinde Muldenhammer hat große Pläne für die Deutsche Raumfahrtausstellung im Ortsteil Morgenröthe-Rautenkranz. Das Museum soll eine neue Halle bekommen, in der Ausstellungen, Veranstaltungen, Schulungen und die gastronomische Versorgung untergebracht werden. Auch Kino, Heimatstube, Lager, Werkstatt und Archiv sollen hier Platz finden. Aus den ursprünglich veranschlagten Kosten von 3,2 Millionen Euro für den Neubau sind inzwischen 8,7 Millionen Euro geworden. Bund und Land hatten daher ihre Beteiligung an den Kosten zugesichert. Doch Bürgermeister Jürgen Mann sieht jetzt eher eine Bruchlandung des Projektes.

Im Foyer der Raumfahrtausstellung in Morgenröthe-Rautenkranz sitzen Zuschauer vor einem Monitor.
Das Raumfahrtmuseum wollte mit dem Bau des neuen Gebäudes aus der Enge der einen Ausstellungshalle ausbrechen. Bildrechte: MDR/Roland Kühnke

"Für uns als Bauherren gibt es immer neue Hiobsbotschaften. Der Freistaat kommt seiner Verpflichtung nach. Dort ist die Summe von 4,7 Millionen im Haushalt eingestellt." Doch der Bund wisse angeblich von nichts mehr. Von den ursprünglich vor drei Jahren zugesagten 3,2 Millionen seien bereits 500.000 Euro in die Planung geflossen. "Die restlichen 2,7 Millionen Euro sind angeblich nicht mehr da. In der Summe liegt ein Defizit von rund drei Millionen Euro auf dem Tisch."

In der Summe liegt ein Defizit von rund drei Millionen Euro auf dem Tisch.

Jürgen Mann Bürgermeister Muldenhammer

Alles neu macht der Mai?

Bürgermeister Mann sieht als Hauptgrund für die Vergesslichkeit der Berliner Ministerien den Regierungswechsel. "Die neue Regierung hat sicher ihre Spitzenbeamten ausgewechselt. Keiner erklärt sich für zuständig, sodass ich hier allein gelassen werde." Das mache man nicht. "Wir als kleine Kommune können nicht mit solchen unzuverlässigen Partnern arbeiten." Seit einem halben Jahr habe er keinen Kontakt mehr zum Bund gehabt. "Ich schicke im Wochenrhythmus Mails mit der Bitte um Nachfinanzierung und der Bitte um Rückmeldung. Seit Mai habe ich keinerlei Antwort aus Berlin bekommen.

Seit Mai habe ich keinerlei Antwort aus Berlin bekommen.

Jürgen Mann Bürgermeister Muldenhammer

Planungen werden in der Schublade landen

Die Planung sei bereits beauftragt, betont der Bürgermeister. "Damit könnten wir den Rohbau zügig bis zum Winter ausschreiben." Das sei nötig, um im Frühjahr 2023 mit dem Bau beginnen zu können. "Doch das ist jetzt in keiner Weise vorstellbar. Es gibt keinerlei Zuweisungen, was logisch ist, weil die Finanzierung gesamt nicht steht." Es gebe auch keinerlei Zusagen, die in einen Zuwendungsbescheid münden könnten. "Wir bringen unseren Teil so weit zu Ende, dass wir eine Ausschreibung machen könnten. Die liegt dann in der Schublade und wartet auf eine Finanzierung", sagt Mann.

Carolin Schuttwolf und Karin Schädlich von der Deutschen Raumfahrtausstellung im vogtländischen Morgenröthe-Rautenkranz betrachten am 11.02.2009 in einem speziellen Raum ein Modell der beleuchteten Internationalen Raumstation ISS im Orbit.
Alles nur schöner Schein. In Morgenröthe-Rautenkranz wartet man bisher vergebens auf die zugesagten Millionen aus Berlin. Bildrechte: dpa

Bundestagsvizepräsidentin Yvonne Magwas soll helfen

Yvonne Magwas, CDU-Bundestagsabgeordnete aus dem Vogtland und Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages, will sich in Berlin für Morgenröthe-Rautenkranz stark machen. "Ich werde mich zuerst an das Bundesverkehrsministerium wenden und mich nach dem Stand der Dinge erkundigen", sagte sie MDR SACHSEN. "Ich hoffe, dass dort noch meine Ansprechpartner sitzen."

Yvonne Magwas spricht im Bundestag.
Die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages, Yvonne Magwas (CDU) will sich für die Einhaltung der Finanzierungszusage einsetzen. Bildrechte: dpa

Es sei ein Problem, dass mit einem Regierungswechsel auch die Ansprechpartner wechselten. "Wir müssen aber aufklären, wie es um die 3,2 Millionen Euro steht, die ja fest zugesagt waren. Daran müssen wir auch die Ampelregierung messen." Bisher hätten alle Beteiligten bekundet, wie schön das Museum sei. Aber Worte sind das Eine, es muss aber auch gehandelt werden. Dazu gehört, dass das Geld in den Folgehaushalten eingestellt wird.

Aber Worte sind das Eine, es muss aber auch gehandelt werden.

Yvonne Magwas rechnet - anders als Bürgermeister Jürgen Mann - mit einer zügigen Antwort aus dem Ministerium. Doch ob der Bau der neuen Halle, die eigentlich bereits 2023 fertig sein sollte, im kommenden Jahr überhaupt beginnen kann, steht trotzdem weiter in den Sternen.

MDR (tfr/cgu)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Regionalreport aus dem Studio Chemnitz | 21. September 2022 | 16:30 Uhr

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