Bewerbung Reichenbach will UNESCO-Weltkulturerbe-Titel für Göltzschtalbrücke

Göltzschtalbrücke
Die Göltzschtalbrücke im Vogtland ist die größte Ziegelsteinbrücke der Welt. Nun soll sie auch UNESCO-Weltkulturerbe werden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Göltzschtalbrücke gilt als das Wahrzeichen des Vogtlandes. Und vielleicht wird sie bald in einer Reihe mit dem Great Barrier Reef in Australien, der Chinesischen Mauer oder dem Kölner Dom genannt. Denn die größte Ziegelsteinbrücke der Welt soll UNESCO-Weltkulturerbe werden. Vor einem dreiviertel Jahr hat die Stadt Reichenbach den Entschluss dazu gefasst und nun geht die erste Etappe des langen Weges zu Ende. Am Freitag wird die Bewerbung offiziell eingereicht.

Rund 60 Seiten umfasst das Bewerbungsbuch. Raphael Kürzinger, Oberbürgermeister von Reichenbach, wird es persönlich nach Dresden ins Ministerium bringen.

Ich habe ein gutes Gefühl, weil wir ein einmaliges Bauwerk hier bei uns im Vogtland stehen haben.

Raphael Kürzinger Oberbürgermeister Reichenbach

Kürzinger ist optimistisch: "Es war ein spannender Prozess und ich bin jetzt guter Hoffnung, dass wir auch in Sachsen punkten."

Göltzschtalbrücke 30 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

50.000 Euro hat sich die Stadt den Antrag kosten lassen. Hauptverantwortlich dafür war Industriearchäologe Rolf Höhmann aus Darmstadt, der schon mehrere Welterbe-Bewerbungen begleitet hat. "Die schönste, längste, größte, älteste – das reicht alleine nicht", sagt Höhmann. Steinerne Bogenbrücken seien im Welterbe schon reichlich vertreten. Dass seien aber meist alles antike Brücken. Die Göltzschtalbrücke zeige den Endpunkt dieser Entwicklung. "Aus unserer Sicht kann man diesen außergewöhnlich universellen Wert schon begründen", so Höhmann.

Umgebung der Brücke kaum verändert

Die Göltzschtalbrücke sei die erste Brücke, die nachweislich statisch berechnet wurde. Und auch das oft in der Kritik stehende Umfeld der Brücke könnte sich positiv auf die Bewerbung auswirken, so Höhmann. "Wir müssen eben herausarbeiten, was das Besondere, das Außergewöhnliche ist", sagt er. "Ich finde es ganz gut, dass ich das Umfeld nicht so stark verändert hat. Es gibt nicht nur den Denkmalschutz, es gibt auch den Naturschutz rundherum." Für den Welterbeantrag sei das ein sehr positiver Aspekt.   

Impressionen Das Wahrzeichen des Vogtlandes

Die Göltzschtalbrücke zieht bis heute die Menschen in ihren Bann. 1851 eingeweiht, ist das Wahrzeichen des Vogtlandes nach wie vor die größte Ziegelsteinbrücke der Welt.

Göltzschtalbrücke
Eine Brücke um das Göltzschtal zu überspannen, in einer Höhe von 78 Metern und rund 600 Metern Länge? Vor rund 170 Jahren versuchten Baumeister und Arbeiter das scheinbar Unmögliche durch technischen Verstand und in Handarbeit! Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Göltzschtalbrücke
Eine Brücke um das Göltzschtal zu überspannen, in einer Höhe von 78 Metern und rund 600 Metern Länge? Vor rund 170 Jahren versuchten Baumeister und Arbeiter das scheinbar Unmögliche durch technischen Verstand und in Handarbeit! Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Bau einer Brücke
Damals mit dem Beginn des Baus der Göltzschtalbrücke 1846 wurde der Lauf der Göltzsch umverlegt. Bildrechte: Andreas Ketzel
das Wunder vom Göltzschtal
und vom Geheimrezept des Mörtels mit Alaunschieferschlacke, die für den ungeheuren Halt bis heute sorgen soll. Bildrechte: Der Osten - Entdecke wo du lebst / MDR FERNSEHEN
das Wunder vom Göltzschtal
Über die ganzen rund 170 Jahre mussten nur wenige tausend der 26 Millionen Ziegel ersetzt werden. Bildrechte: Der Osten - Entdecke wo du lebst / MDR FERNSEHEN
das Wunder vom Göltzschtal
An kalten Tagen ist gefrierendes Wasser der Brücke größter Feind. Zuletzt überstand sie auch die Elektrifizierung der Strecke im Jahr 2011. Bildrechte: Der Osten - Entdecke wo du lebst / MDR FERNSEHEN
das Wunder vom Göltzschtal
Für die Strommasten musste das Gleisbett verbreitert werden. Während nebenan die Züge rollten, wurde der alte Untergrund mit riesigen Sägen abgetragen. Bildrechte: Der Osten - Entdecke wo du lebst / MDR FERNSEHEN
das Wunder vom Göltzschtal
Schuberts Name findet sich nicht auf der Ehrentafel oberhalb der Brücke, wohl aber der von Bauleiter Ferdinand Dost. Bildrechte: Der Osten - Entdecke wo du lebst / MDR FERNSEHEN
Das Wunder vom Göltzschtal
Die Göltzschtalbrücke zieht bis heute und zu allen Jahreszeiten die Menschen in ihren Bann. 1851 eingeweiht, ist das Wahrzeichen des Vogtlandes nach wie vor die größte Ziegelsteinbrücke der Welt. Bildrechte: Der Osten - Entdecke wo du lebst / MDR FERNSEHEN
Das Wunder vom Göltzschtal
Eng verwoben mit dem Bau der Brücke ist auch das Schicksal der Müllersfamilie Ketzel, die im Tal der Göltzsch ansässig war. Bildrechte: Der Osten - Entdecke wo du lebst / MDR FERNSEHEN
Das Wunder vom Göltzschtal
Andreas Ketzel hält die Erinnerung an die Geschichte der Brücke und der Mühle in einem Museum wach. Bildrechte: Der Osten - Entdecke wo du lebst / MDR FERNSEHEN
Ein Kind auf einem alten Foto
Andreas Ketzel wuchs auf am Fuße des gigantischen Bauwerks. Wie sein Urururgroßvater lernte er das Müllershandwerk. Bildrechte: Andreas Ketzel
Alte Aufnahme von einem Mann
Für die Mühle der Ketzels bedeutete die Umverlegung des Flusses das Aus. Der Urururgroßvater lebte fortan von den Schaulustigen, die sich fortan bei ihm bei Speis und Trank stärken konnten. Bildrechte: Andreas Ketzel
Eine Frau, im Hintergrund eine Brücke
Ehrenamtlich gibt Christa Trommer ihre Begeisterung für die Göltzschtalbrücke an die Besucher weiter. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Schwarzweiss-Bild einer Schaffnerin
Einst war Christa Trommer Bahnerin in Reichenbach, mit der Wende verlor sie ihren Job, ein richtiger Arbeitsplatz wurde aus ihrer Tätigkeit als Fremdenführerin nie. Als Rentnerin macht sie trotzdem weiter, erzählt den Touristen die Geschichten rum um das "achte Weltwunder" aus 26 Millionen Ziegeln .... Bildrechte: Christa Trommer
Ein Zug fährt über eine Brücke
Erdbebensicher ist die Göltzschtalbrücke und befahren wird sie auch noch, die Züge verkehren bis ins böhmische Vogtland nach Karlsbad oder in bayerische Vogtland nach Hof. Und das zweigleisig und mit Lasten, die damals noch nicht vorauszusehen waren. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Ein Mann
Als Ingenieur hat Professor Jürgen Stritzke selbst etliche große Brücken gebaut. An der TU Dresden bildete er Generationen von Ingenieuren aus. Er bewundert die Leistung von Chefplaner Johann Andreas Schubert. Er gilt als einer der Gründungsväter der TU, in deren Archiv Stritzke auch Schuberts Originalzeichnungen entdeckte. Sie faszinieren ihn bis heute. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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Viel Konkurrenz aus Sachsen

Eine Garantie für den Erfolg der Bewerbung ist auch das allerdings nicht. Allein in Sachsen müsse sich die Göltzschtalbrücke bereits gegen vier oder fünf Mitbewerber behaupten, sagt Reichenbachs Oberbürgermeister Raphael Kürzinger. Nur zwei schaffen es in die Entscheidung auf Bundesebene. Doch selbst bei einem Scheitern bleibe die Brücke im touristischen Fokus.

"Die Göltzschtalbrücke schlummert noch ein bisschen den Dornröschenschlaf", so Kürzinger. "Sie hat das Potenzial auch viele Touristen zu empfangen, nur muss man dafür die entsprechende Infrastruktur haben." Ein Besucherinformationszentrum, Gastronomie, Toiletten, Besucherparkplätze müssten geschaffen werden, um dort ein touristisches Highlight zu schaffen.

Die Göltzschtalbrücke Die Göltzschtalbrücke ist die größte Ziegelsteinbrücke der Welt. Das 78 Meter hohe Viadukt mit insgesamt 98 Bögen gilt als Wahrzeichen des Vogtlands und überspannt zweigleisig auf der Bahnstrecke Leipzig-Hof das Tal der Göltzsch zwischen den Orten Reichenbach im Vogtland (Ortsteil Mylau) und Netzschkau.

Die von 1846 bis 1851 errichtete Brücke gehört zu den ältesten Zeugen der Eisenbahngeschichte in Deutschland. Dieses überregional bedeutende Denkmal der Verkehrsgeschichte entfaltet eine besondere landschaftsprägende Wirkung.

Auch mehr als 150 Jahre nach ihrer Fertigstellung ist sie noch immer als Eisenbahnviadukt in Betrieb und auch zukünftig Bestandteil der Netzkonzeption der DB Netz AG. Im Juni 2009 wurde die denkmalgeschützte Brücke von der Bundesingenieurkammer zum Historischen Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst erklärt.

Quelle: MDR/al/bs

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Regionalareport aus dem Studio Chemnitz | 28. April 2021 | 14:30 Uhr

3 Kommentare

Harka2 vor 24 Wochen

Schon erstaunlich, dass diese völlige Fehlkonstruktion, die jeden Finanzrahmen sprengte, zum Weltkulturerbe gehören soll. Als die Brücke gebaut wurde, waren größere Spannweiten längst üblich und sie wurden am Mittelpfeiler auch realisiert. Man hätte bei Beibehaltung der Bauweise der Mittelöffnung jeden zweiten Pfeiler gar nicht nötig gehabt und verbrauchte deshalb sehr viel Material und Geld völlig unnötig. Das erinnert mich beängstigend an aktuelle Bauvorhaben des öffentlichen Dienstes.

DermbacherIn vor 24 Wochen

@Harka2
Im Nölen und Jammern sind sie echt klasse!

kpfister vor 24 Wochen

Es war einmal,Qualitaets Arbeit;..... Made in Germany!

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