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Bei Ausrufen einer Sonderlage aufgrund extremer Wettersituationen werden alle Einsatzkräfte der Region alarmiert. Bildrechte: Rettungsleitstelle Zwickau

VogtlandWie koordinieren Katastrophenschutz und Feuerwehren Einsätze bei Extremwetterlagen?

von Bernd Schädlich, MDR SACHSEN

Stand: 11. August 2022, 11:33 Uhr

Starkregen, Stürme, Hochwasser – Extremwettersituationen nehmen seit Jahren spürbar zu und werden nicht selten urplötzlich zu großen Herausforderungen. Um im Fall der Fälle schnelle Hilfe leisten zu können, versuchen Rettungsdienste, der Katastrophenschutz und nicht zuletzt die Feuerwehren deshalb schon bei der Ankündigung einer kritischen Wetterlage entsprechende Vorkehrungen zu treffen. Wie das im Vogtlandkreis funktioniert, hat sich MDR SACHSEN-Reporter Bernd Schädlich angeschaut.

Schon weit vor dem ersten Regentropfen oder der ersten Windböe eines Unwetters schrillen in der Integrierten Rettungsleitstelle in Zwickau die Alarmglocken, erzählt Chef Steffen Kühnert. "Wir stehen in sehr gutem Kontakt mit dem Deutschen Wetterdienst und wissen, was auf uns zukommt, wann es auf uns zukommt und in welcher Intensität es auf uns zukommt", sagt er. "Das haben wir jetzt schon mehrmals praktiziert und waren da wirklich gut vorbereitet."

Ist Gefahr im Verzug, wird umgehend Personal aufgestockt und das Einsatzkonzept Sonderlage aktiviert. Eingehende Notrufe werden dann nicht mehr in der Leitstelle koordiniert. "Dann kann die Feuerwehr vor Ort selbst ihre Einsatzkräfte nach Priorität, nach Schwerpunkt und auch nach eigener Leistungsfähigkeit zum Einsatz bringen", sagt Kühnert.

Die Integrierte Rettungsleitstelle Zwickau ist für die Alarmierung der Einsatzkräfte in dem über 2.400 Quadratkilometer großen Gebiet der Landkreise Zwickau und Vogtland zuständig. Bildrechte: Rettungsleitstelle Zwickau

Ausruf der Sonderlage geht an alle Feuerwehrleute

Christian Wetzig, Chef der freiwilligen Feuerwehr Rodewisch, befürwortet das Konzept. So kann er sein Personal vor Ort besser steuern. "Grundsätzlich geht die Alarmierung an jede Einsatzkraft der Feuerwehr, dass die Sonderlage ausgelöst ist", erzählt er. Im Regelfall würden sich die Einsatzkräfte im Gerätehaus aufhalten und von dort abgerufen werden. "Wenn die Einsätze in diese Größenordnung gehen, dann ist wirklich das Problem, die Übersicht zu behalten", sagt Wetzig.

Auch der Landkreis ist bei Extremwettersituationen Teil der Meldekette, erklärt Ingo Glass vom Fachbereich Katastrophenschutz des Vogtlandkreises. "Der Landkreis ist aufgefordert, die Lage zu sichten, zu beurteilen und in Beschlüsse zu fassen", sagt Glass. Ein Beschluss könnte zum Beispiel sein, den Verwaltungsstab zumindest in Teilen erst einmal hochzufahren. Dort ist integriert zum Beispiel die Nachrichtenzentrale und das Bürgerinformationssystem.

Im Büro der Katastrophenschutzzentrale im Vogtlandkreis wird bei Extremwettersituationen die Lage gesichtet und beurteilt. Bildrechte: MDR/Bernd Schädlich

Digitaler Austausch über Tablets

Viele Informationen zwischen Leitstelle, Katastrophenschutz und Feuerwehren werden dabei digital ausgetauscht. Über Tablets sind bestimmte Details für die Einsatzkräfte abrufbar. Noch in diesem Jahr soll eine neue Software zum Einsatz kommen. Gerade bei großen Einsätzen sei das eine deutliche Verbesserung, sagt Feuerwehrchef Christian Wetzig.

"Die Einsatzkräfte kriegen es digital auf Tablets und können dort gleich ihre Lage einpflegen", sagt Wetzig. "Jeder sieht sein Fahrzeug und der Disponent sieht das Fahrzeug auch in einer Karte. Das vereinfacht die Sache wahnsinnig."

Das würde auch eine weitere Quälitätssteigerung beim Einsatzkonzept Sonderlage bedeuten, ist sich Leitstellen-Chef Steffen Kühnert sicher. "Wir haben das Konzept schon mehrmals mit sehr guten Erfahrungen angewandt", sagt er. "Aber solche Einsätze nehmen wirklich zu."

MDR (ali)

Dieses Thema im Programm:MDR SACHSEN | Der Tag | 10. August 2022 | 16:20 Uhr

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