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Bildrechte: Waldbühne e.V.

Doppelte Wiederentdeckung Nach 75 Jahren: Waldbühne Zwota zeigt fast vergessene Operette "Winzerliesel"

07. Juni 2024, 13:06 Uhr

Die Waldbühne Zwota war von 1930 bis 1968 ein beliebtes Ausflugsziel, seitdem lag sie im Dornröschenschlaf – bis Ehrenamtliche vor drei Jahren begannen, den "Lost Place" instandzusetzen. Inzwischen hat sich ein Laienensemble gebildet, ein kleines Orchester und ein Chor. Dann tauchte auf einem Dachboden der Klavierauszug einer fast vergessenen Operette auf, die vor 75 Jahren in Zwota gespielt worden war: "Winzerliesel" von Georg Mielke. Am Samstag ist sie erstmals wieder zu erleben.

Wenn der 90-jährige Lothar Schwarz auf die Waldbühne schaut, bekommt er heute noch Gänsehaut. In der Nähe habe er gewohnt, als Kind habe er dort gespielt und als Jugendlicher auf der Bühne mitgewirkt. Große Aufführungen gab es damals, erzählt er: "Kabale und Liebe", "Im weißen Rößl" oder "Der Jäger von Fall". Jetzt steht Schwarz oben auf dem Herrenberg, blickt den steilen Hang hinunter über die Zuschauerbänke, bis auf die Bühne. Der Wald habe sich verändert, die kleinen Fichten rund um die Bühne seien groß geworden. Zwischen den Bäumen wachsen Moos und Sträucher, Vogelgezwitscher erklingt. Die Magie des Ortes ist die gleiche wie früher.

Ein älterer Mann mit grauem Bart und grauer Schiebermütze schaut in die Kamera. Er ist vornehm gekleidet und trägt ein schwarzes Hemd, eine rote Fliege und ein weinrotes Jackett.
Lothar Schwarz ist schon lange mit der Waldbühne verbunden. Hier ist er Darsteller im Stück "Ganz ohne Weiber geht die Chose nicht!" im Gasthof "Zum Walfisch" Zwota. Bildrechte: Waldbühne e.V.

In der fünften, sechsten Reihe ist die Akustik am besten. Man glaubt nicht, was da von unten hochkommt.

Lothar Schwarz Spielte schon vor über 70 Jahren auf der Waldbühne

Bei vielen Stücken standen bis zu 120 Leute auf der Bühne – Chor, Orchester, Schauspieler. Sogar Pferdegespanne hat man den steilen Berg hinauf gekarrt. Die Ränge im Publikum waren immer voll besetzt.

Eine schwarz-weiß Fotografie. Im Wald wird vor vollen Zuschauerrängen Theater gespielt.
Die Waldbühne Zwota war zwischen 1930 und 1968 eine beliebte Sommerspielstätte. Bildrechte: Waldbühne e.V.

Erste Waldbühnen-Vorstellung zwischen Bäumen und Wurzeln

1968 gab es die letzte Vorstellung auf der Waldbühne. Dann wuchsen Gras, Moos und Fichten über die alte Spielstätte. Bis Richard Wunderlich und Yvonne Deglau den Ort und seine Geschichte entdeckten. Sie, die Sängerin, er, der Musiker. Beide Enthusiasten, Visionäre: ehrgeizig, lebensfroh und vielleicht auch ein bisschen verrückt. Sie träumten davon, wieder Musiktheater auf die Waldbühne zu bringen. Vor drei Jahren realisierten sie eine erste Vorstellung. Unter Bäumen habe man zunächst gespielt, erzählt Yvonne Deglau. Überall gab es Wurzeln, der Orchestergraben war ein Provisorium. Auf die alten krummen Sockel habe man Bierbänke gestellt. Einige Zuschauer brachten sich ihre Stühle sogar selbst mit.

Wir haben mit Null angefangen, was das Finanzielle angeht.

Yvonne Deglau, Sängerin

Geld gab es auch von der Stadt Klingenthal, zu der die Gemeinde Zwota gehört. Damit konnten die Bäume auf der Bühne gefällt werden. In vielen Arbeitseinsätzen schachteten, mauerten und schraubten die Theater- und Orchesterleute selbst. Jetzt ist die Bühne begradigt, die Ränge sind mit Bänken ausgestattet, der Orchestergraben ist ordentlich gemauert und kann in diesem Sommer erstmals sogar überdacht werden. Strom gibt es nicht – und das wird auch so bleiben, erklärt Richard Wunderlich, denn das pure Naturerlebnis mache die Waldbühne schließlich aus.

Im Wald. Im Vordergrund: ein Graben, der provisorisch gesichert ist. Darin eine kleine Orchesterbesetzung. Im Hintergrund: Es wird eine Kneipenszene mit drei Tischen und Ausschank gespielt.
Der Orchestergraben auf der Waldbühne Zwota. Hier im Stück "Aber meine Herrschaften" im Jahr 2023 noch im provisorischen Zustand. Mittlerweile ist der Graben gemauert. Bildrechte: Waldbühne e.V.

Operette "Winzerliesel" wurde neu für Orchester bearbeitet

Inzwischen hat sich ein festes Ensemble etabliert. 20 Laienschauspieler und Chormitglieder, ein 13-köpfiges Waldbühnen-Orchester in kleiner Besetzung, Statisten, Theaterkinder. 40 Mitwirkende werden es diesen Sommer sein, wenn das "Winzerliesel" auf dem Spielplan steht. Die Operette von Georg Mielke wurde genau vor 75 Jahre schon einmal auf der Waldbühne aufgeführt.

Operetten bieten sich wirklich gut an. Das ist einfach vom Genre her schon begründet, dass es luftig und leicht ist.

Richard Wunderlich, Musiker

Eine Liebesgeschichte, in der sich der Graf und ein einfaches Winzermädel wegen des Standesunterschiedes nicht lieben dürfen. Am Ende kriegen sie sich aber doch. Natürlich gibt es auch Intrigen und schrullige Charaktere, die für Spannung und Unterhaltung sorgen.

Eine Frau und ein Mann sind verkleidet und lehnen sich an einen Baum im Wald. Lachend stehen sie im Sonnenschein.
Friseur Nepomuk Liebespinsel (Richard Wunderlich, rechts im Bild) und Euphrosine Blütenschnee (Yvonne Deglau, links) erheitern die Zuschauer mit Geschichten und Liebesweisheiten im Stück "Winzerliesel". Bildrechte: Waldbühne e.V.

Noten aus dem Wäschekorb

"Winzerliesel" ist, genau wie ihr Komponist Georg Mielke, eher unbekannt. Die Noten und Liedtexte dazu waren lange Zeit verschollen. Doch im letzten Jahr tauchte auf einem Dachboden plötzlich ein Wäschekorb mit Noten auf: Der Nachlass des Männergesangsvereins "Palme" aus dem nahe gelegenen Ort Jägersgrün. In einem Umschlag fand Richard Wunderlich das Textbuch und einen Klavierauszug zum Winzerliesel. Nur dieser Klavierauszug reichte dem Musiker aus, um die Instrumentenstimmen neu zu arrangieren – für das komplette Orchester. Etwa 300 Arbeitsstunden waren das.

Des Nachts schreibt es sich sehr gut.

Richard Wunderlich, Musiker

Vom Engagement wie dem von Richard Wunderlich und Yvonne Deglau lebt Kultur im ländlichen Raum. Mit ihrer Energie ziehen sie weitere kreative Köpfe an: Menschen, die sich gerne einbringen wollen, die Freude finden am gemeinsamen Musizieren und Schauspielen. Dabei profitiert die Waldbühne vom vielfältigen kulturellen und vor allem musischen Leben der Region des Musikinstrumentenbaus, rund um Klingenthal, Markneukirchen und Bad Elster.

Informationen zum Stück

"Winzerliesel", Operette von Georg Mielke

Aufführungsort:
Waldbühne Zwota
Kirchstraße 2
08267 Zwota

Premiere:
Samstag, 8. Juni 2024, 18 Uhr

Weitere Vorstellungen:
Sonntag, 9. Juni 2024, 15 Uhr
Samstag, 24. August 2024, 18 Uhr

Sollte es am Tag der Aufführung regnen, gibt es jeweils eine Woche später einen Nachholtermin.

Quelle: MDR (Antje Uebel)
redaktionelle Bearbeitung: cth

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | MDR Kultur am Nachmittag | 07. Juni 2024 | 16:10 Uhr

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