Musikwinkel Instrumentenbau im Vogtland setzt auf Forschung und Fördermittel

Handwerkliches Können, Ausdauer und Traditionen aus Jahrhunderten prägen den Instrumentenbau im Musikwinkel im sächsischen Vogtland. Damit die Herstellung auch in Zukunft bestehen kann, braucht es mehr als das.

Im Musikinstrumentenmuseum Markneukirchen zeigen Schüler eine bis auf 5,25 Meter ausziehbare Tuba
Der Industriezweig Musikinstrumentenbau soll im Vogtland fit für die Zukunft gemacht werden. Auch folgende Generationen sollen Marken mit Weltruf herstellen können. (Archivfoto). Bildrechte: dpa

Der Musikwinkel im Vogtland hofft auf weiteres Fördergeld für Projekte, die den Musikinstrumentenbau für die Zukunft sichern. Seit zwei Jahren wird das Bündnis Innovative Konzepte für langfristige Sicherung der Material-, Technologie- und Fachkräftebasis für den Musikinstrumentenbau im westsächsischen Vogtland, kurz "I-Ma-Tech" genannt, mit mehr als vier Millionen Euro Fördermittel vom Bund gefördert. Das Bündnis koordiniert die Entwicklung des Industriezweiges, sagte Erik Lenk vom Institut für Musikinstrumentenbau in Klingenthal.

Bildergalerie Die Instrumentenmacher - Weltklasse aus dem Vogtland

Alles Handarbeit. Es vergehen Wochen bis Instrument fertig ist.
An kaum einem Ort in Europa gibt es so viele Instrumentenhersteller wie im südlichsten Zipfel von Sachsen. In den Tälern zwischen Schöneck, Markneukirchen und Klingenthal leben heute fast anderthalbtausend Menschen vom Instrumentenbau. Bildrechte: MDR/Linda Süß
Alles Handarbeit. Es vergehen Wochen bis Instrument fertig ist.
An kaum einem Ort in Europa gibt es so viele Instrumentenhersteller wie im südlichsten Zipfel von Sachsen. In den Tälern zwischen Schöneck, Markneukirchen und Klingenthal leben heute fast anderthalbtausend Menschen vom Instrumentenbau. Bildrechte: MDR/Linda Süß
"De Randfichten" lassen Instrumente in Klingenthal warten.
Deren Instrumente gehen um die Welt: Schon Benny Andersson von der schwedischen Band ABBA spielte auf einem Weltmeister-Akkordeon aus Klingenthal. Auch "De Randfichten" (Bild) aus Sachsen und viele andere Künstlerinnen und Künstler schwören auf Vogtländische Musikinstrumente. Bildrechte: MDR/Linda Süß
Akkordeon-Gehäuse werden klassisch aus Holz gebaut
Doch bis zum fertigen Instrument ist es ein weiter Weg. Der beginnt im Wald - Akkordeon-Gehäuse werden klassisch aus Holz gebaut. Bildrechte: MDR/Linda Süß
In Zukunft wollen die Instrumentenmacher auch sehr leichte Akkordeons bauen.
Seit drei Jahren aber bringt Frank Meltke neuen Wind in die alten Hallen. Der erfahrenere Geschäftsmann hat extra seinen Job in den USA aufgeben und ist in seine sächsische Heimat zurückgekehrt. Derzeit tüftelt er gemeinsam mit seinen 70 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern an einem neuen, sehr leichten Akkordeon, weil herkömmliche "Zerrwanste" immer noch sehr schwer sind. Bildrechte: MDR/Linda Süß
Seit Mitte des 19. Jh. kamen aus dem Vogtland auch viele Blechblasinstrumente. In der NS-Zeit erlebte die Branche einen immensen Aufschwung.
Seit Mitte des 19. Jh. kamen aus dem Vogtland auch viele Blechblasinstrumente. Um 1900 arbeiteten sogar 11.000 Handwerkerinnen und Handwerker im sogenannten vogtländischen Musikwinkel und verhalfen den Städten zu großem Reichtum. In Markneukirchen gab es damals sogar eine Außenstelle des amerikanischen Konsulats, damit die begehrten Instrumente reibungslos und massenhaft in die USA verschifft werden konnten. In der NS-Zeit erlebte die Branche einen immensen Aufschwung. Bildrechte: MDR/Musik-u.Wintersportmuseum Klingenthal
Mitarbeiterin fertigt Schalmeien im Betr. Kerstin Voigt
Kerstin Voigt ist heute Instrumentenmacherin in 11. Generation und leitet eine der größten Blechblas-Manufakturen der Region. Die Unternehmerin betätigt sich mit anderen zusammen auch in der Forschung. Weil bestimmte Materialien durch neue Umweltbestimmungen nicht mehr zugelassen sind, müssen sie sich neu orientieren und suchen zum Beispiel alternative Hölzer für den Geigenbau oder neue Legierungen für die Blechblas-Branche. Hier fertigt eine Mitarbeiterin des Betriebs eine Schalmei. Bildrechte: MDR/Linda Süß
Filigrane Arbeit - Ventile an der Trompete einpassen
Der Film taucht ein in die Geschichte des vogtländischen Musikinstrumentenbaus - von den Anfängen bis heute. Er zeigt, wie filigran hochpreisige Posaunen, Tuben und Trompeten gefertigt werden und besucht die älteste Akkordeon-Manufaktur der Welt, die nach der Wende immer wieder in wirtschaftliche Schieflage geriet. Bildrechte: MDR/Linda Süß
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Industriezweig im Wandel der Zeit

Jetzt nimmt das Bündnis am Bundesprogramm "WIR! - Wandel durch Innovation in der Region" teil und könnte neben der bisherigen Förderung noch einmal vier Millionen Euro ab 2022 erhalten, so Lenk.

Wir wollen die Entwicklung dieses wichtigen Industriezweiges in einer ländlichen Region weiter vorantreiben. Weitere Forschungen sind notwendig.

Erik Lenk Mitarbeiter Institut für Musikinstrumentenbau

Unis suchen Material-Alternativen

Das Bündnis "I-Ma-Tech" hat mehrere Partner, die bei der Forschung helfe. An der TU Dresden werde gerade an einem Ersatz für gefährdete Tropenhölzer geforscht, die traditionell für Holzblasinstrumente verwendet werden. An der TU Freiberg suchten aktuell Forschende nach Alternativen für Metallblasinstrumentenbauer. Die haben bisher auf Materialien wie Blei oder Nickel gesetzt, die aber inzwischen kritisch betrachtet werden.

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Seit Mitte des 19. Jh. kamen aus dem Vogtland auch viele Blechblasinstrumente. In der NS-Zeit erlebte die Branche einen immensen Aufschwung. 45 min
Seit Mitte des 19. Jh. kamen aus dem Vogtland auch viele Blechblasinstrumente. In der NS-Zeit erlebte die Branche einen immensen Aufschwung. Bildrechte: MDR/Musik-u.Wintersportmuseum Klingenthal

Quelle: MDR/kk/dpa

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