Verkehrsfreigabe Göltzschtalumgehung: Chancen und Risiken der B169

"Freie Fahrt" heißt es ab Freitag im Göltzschtal – oder besser gesagt um das Göltzschtal herum. Neun Jahre ist an der großräumigen Umfahrung der Orte Rodewisch, Auerbach, Ellefeld und Falkenstein gebaut worden. Am Donnerstag ist der größte Teil feierlich eingeweiht worden. Die neue Trasse soll eine bessere Anbindung an die Autobahn A72 bringen und zu einer Verkehrsberuhigung im Göltzschtal führen. Doch die neue Straße könnte auch Nachteile bringen.

Eröffnung der Ortsumgehung Göltzschtal
Die Eröffnung der Göltzschtalumgehung wurde am Donnerstag feierlich begangen. Auch passende musikalische Untermalung war dabei. Bildrechte: MDR/Bernd Schädlich

Junge Leute mit Bauhelm und im Blaumann trommeln auf Mülltonnen und Plastikfässern zum Auftakt der feierlichen Verkehrsfreigabe der Göltzschtalumgehung. Für Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig ist die Straße nicht nur verkehrspolitisch sinnvoll – sie sei auch ein großes Stück Wirtschaftsförderung für den ländlichen Raum.

"Das Göltzschtal wird damit entlastet und zwar gleich vier Orte. Und wir verbinden da die Regionen Vogtland und Westerzgebirge", sagt er. "Wir wollen ja, dass überall in den ländlichen Bereichen wirtschaftliche Entwicklung möglich ist – und da gehört auch eine vernünftige Infrastruktur dazu."

72 Millionen Euro für neun Kilometer Straße

72 Millionen Euro sind in die neun Kilometer lange Neubautrasse geflossen, der Großteil kam vom Bund. "Für uns als Bund ist es relevant, dass es auch eine bundesweite Bedeutung haben muss, so ein Straßenbauprojekt. Hier gibt es total viele Aspekte, die wichtig sind", sagt Steffen Bilger, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur. "Städtebauliche Chancen, Verkehrssicherheit, Entlastung der Anwohner – deswegen gut angelegtes Geld."

Eröffnung der Ortsumgehung Göltzschtal
Die Eröffnung der Ortsumgehung um das Göltzschtal birgt für die Bürgermeister der anliegenden Gemeinden auch Herausforderungen. Bildrechte: MDR/Bernd Schädlich

Der Bau erfolgte in mehreren Abschnitten und war mit zwei Bahnbrücken und tiefen Geländeinschnitten anspruchsvoll. Nicht zuletzt sorgte durch Altlasten verunreinigtes Erdreich für immense Probleme und Mehrkosten. Dass nun der Verkehr endlich rollen kann, freut auch Lars Beck, Wirtschaftsdezernent beim Vogtlandkreis. "Das ist eine Verbindung Ost West, Göltzschtal Richtung Elstertal – damit haben Sie auch die ganzen Pendlerströme Richtung Plauen, Richtung Autobahn", sagt er. "Das ist eine entscheidende Querverbindung."

Chancen und Herausforderungen für Anliegergemeinden

Knut Kirsten, stellvertretender Oberbürgermeister von Auerbach, hat dagegen auch Bauschmerzen. Er vermutet, dass die Anliegerorte Einbußen haben werden. "Der Durchgangsverkehr, der vielleicht mal hängengeblieben ist, der wird vorbeifahren", sagt er. "Einfach mal anzuhalten, mal einen Blick in die Stadt zu erhaschen, und zu sagen das ist chic – da bleib ich jetzt mal. Hier fahr ich soweit vorbei, dass ich keinen Eindruck mehr mitkriege."

Kerstin Schöniger, Bürgermeisterin von Rodewisch und Sprecherin des Mittelzentralen Städtverbundes Göltzschtal, teilt diese Ansicht nur teilweise und fordert die Kommunen stattdessen auf, aktiv gegenzusteuern. "Ich glaube, das ist nicht nur eine Verkehrsfreigabe, sondern eben auch eine Übergabe, mit dem Wunsch mit der Hoffnung: 'Bürgermeisterinnen, Bürgermeister macht was draus, macht aufmerksam, stärkt Eure Region damit'", sagt sie. Bis 2025 soll die neue Straße im Norden an die B94 angebunden werden und dann komplett fertig sein. Bis dahin wird man sicherlich schon wissen, ob die neue Umgehung mehr Fluch oder Segen fürs Göltzschtal ist.

Quelle: MDR/al/bs

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Regionalreport aus dem Studio Chemnitz | 28. Oktober 2021 | 16:30 Uhr

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