Jahrestag der Zerstörung Johanniskirche Plauen ist Teil der Nagelkreuzgemeinschaft

St. Johannis-Kirche Plauen
Die St. Johanniskirche in Plauen erhält für die Ökumenische Nagelkreuzgemeinschaft der Stadt, zu der auch andere Gemeinden gehören, das Nagelkreuz. Bildrechte: Holger Treutmann

Die Ökumenische Nagelkreuzgemeinschaft Plauen wird am Sonnabend in die Internationale Nagelkreuzgemeinschaft aufgenommen. An diesem Tag vor 76 Jahren wurde Plauen beim letzten Luftangriff im Zweiten Weltkrieg auf die Stadt schwer zerstört. Mehr als 1.000 Menschen kamen damals ums Leben. Mit der Aufnahme entsteht die siebte Nagelkreuzgemeinschaft in Sachsen.

Der Schritt solle einen Gegenpol zu deutlich spürbaren Differenzen in der Stadt bilden, sagte die Ökumenebeauftragte des Evangelisch-Lutherischen Kirchenbezirkes Vogtland, Beatrice Rummel. "Es sind Zeichen nötig, die dazu einladen, Gedanken eines guten Miteinanders zu kommunizieren und zu leben." Die Spannungen in der Stadt hätten 2015 mit der Aufnahme syrischer Flüchtlinge begonnen, erklärte die Pfarrerin. Die rechtsextreme Kleinstpartei Der III. Weg betreibt in Plauen ein Partei- und Bürgerbüro. Und auch die Auseinandersetzungen um Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie trügen dazu bei, Menschen zu entzweien. "Das Wissen, nicht allein für eine heilende Kultur des friedlichen Miteinanders einzutreten und dabei ständig mehr Rückschläge als Erfolge verzeichnen zu können, wird uns stärken", sagte Rummel.

Ein Nagelkreuz steht am 24.05.2017 in Berlin vor einer Bibel auf einer Bühne vor der Gedächtniskirche.
Das im Zweiten Weltkrieg durch Luftangriffe schwer zerstörte Plauen will mit dem Nagelkreuz ein Zeichen der Versöhnung setzen. Bildrechte: dpa

Kirche will ein Zeichen setzen

Am 10. April 1945 gab es den letzten schweren Luftangriff auf Plauen, auch die Johanniskirche war danach stark beschädigt. Deshalb wurde dieses Datum für die Übergabe des Nagelkreuzes ausgewählt. "Wir wollen ein Zeichen setzen, da einige Gruppen das Verhältnis von Opfern und Tätern verschieben wollen", sagte Rummel. Neben dem eigentlichen Nagelkreuz wird die Stadt ein Wandernagelkreuz erhalten, das an verschiedenen Stellen ausgestellt werden soll.

Verschiedene Gemeinden arbeiten zusammen

In Plauen haben sich elf weitere Kirchgemeinden der Johanniskirchgemeinde angeschlossen und als ökumenisches Nagelkreuzzentrum Projekte anstoßen, erläuterte Rummel. Darunter seien neben acht evangelisch-lutherischen Gemeinden auch solche mit baptistischer, katholischer oder methodistischer Ausrichtung. "Wir wollen zukünftig zum Gebet einladen und Gespräche als Hilfe für die Menschen ermöglichen", sagte Rummel.

Weltweit gebe es 240 Nagelkreuzzentren, sagte Oliver Schuegraf als Vorsitzender der Deutschen Nagelkreuzgemeinschaft in Hannover. Mit Plauen befinden sich davon 74 in Deutschland, sieben in Sachsen. "Eine Besonderheit der Nagelkreuzzentren ist, dass sie vor Ort entscheiden, wo dort Frieden und Zusammenarbeit dringend nötig ist", sagte Schuegraf.

Nagelkreuzgemeinschaft Die Nagelkreuzgemeinschaft geht auf die Zerstörung der britischen Stadt Coventry und deren Kathedrale 1940 zurück.
Damals ließ der Dompropst Richard Howard aus Zimmermannsnägeln vom Dachstuhl der zerstörten Kathedrale ein Kreuz zusammensetzen. Seit den 60-er Jahren des 20. Jahrhunderts haben sich weltweit Kirchen zur Nagelkreuzgemeinschaft zusammengeschlossen. In Deutschland gehören ihr 63 Orte an. Mit der Nagelkreuzgemeinschaft soll die Idee der Versöhnung nach dem Zweiten Weltkrieg in die Welt getragen werden. Nagelkreuzgemeinschaft in Deutschland e.V.

Menschen stehen 1940, nach einem Bombenangriff, in den Ruinen der zerstörten Kathedrale in Coventry.
Aus Zimmermannsnägeln der 1940 bei einem deutschen Luftangriff zerstörten Kathedrale im britischen Coventry wurde das erste Nagelkreuz geschaffen. Bildrechte: dpa

Zweites Nagelkreuz an verschiedenen Orten in Plauen

Im Luftschutzmuseum unter dem Schlosshang wird in Zukunft ebenfalls ein Nagelkreuz zu finden sein, sagt Hans Jörg Rummel, Pfarrer der St. Johannis Gemeinde. "Es gibt zwei Nagelkreuze - das eine verbleibt in der Johanniskirche - das zweite wird aller sechs Monate an verschiedenen Orten in Plauen zu finden sein." Im Luftschutzmuseum wird seit mehr als 15 Jahren anhand von verschiedenen Ausstellungsstücken die schreckliche Bombennacht vom April 1945 wieder allgegenwärtig gemacht.

Zu den bereits bestehenden Nagelkreuzzentren in Sachsen gehören die Nikolaikirche in Leipzig und die Frauenkirche in Dresden.

Über dieses Thema berichtet MDR SACHSEN auch im Radio: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 09.04.2021 | 16:30 Uhr im Regionalreport aus dem Studio Chemnitz

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