Landgericht Prozessauftakt in Zwickau: Schütze bestreitet Tötungsabsicht

Nach einem Streit mit dem Sohn seiner Partnerin soll ein Rentner in Limbach-Oberfrohna zur Pistole gegriffen und den Sohn erschossen haben. Der 41 Jahre alte Mann war am Tatort gestorben. Es soll ums Erbe gegangen sein. Seit Donnerstag wird der Fall vor dem Landgericht in Zwickau verhandelt.

Ein halbes Jahr nach dem gewaltsamen Tod eines Mannes in Limbach-Oberfrohna hat der 74 Jahre alte Schütze vor dem Landgericht Zwickau eine Tötungsabsicht bestritten. Der Senior soll im März 2021 einen 41 Jahre alten Mann mit einer Pistole erschossen haben. Er habe spontan die Pistole Taurus 9 Millimeter aus seinem Waffenschrank geholt und geladen, um den Sohn seiner gestorbenen Lebenspartnerin zur Rede zu stellen, schilderte der Angeklagte am Donnerstag zum Prozessauftakt. Dem sei ein erbitterter Streit um das Erbe vorausgegangen, bei dem er sich tyrannisiert gefühlt habe. "Ich wollte nicht schießen, ich wollte nur drohen." Doch dann sei er gestoßen worden und es habe sich der Schuss gelöst, sagte er.

Zwei Patronen geladen

Insgesamt zwei Patronen hatte der Mann zuvor in seine Pistole geladen. Zum Abfeuern der zweiten kam es nicht mehr. "Warum zwei?", habe er ihn damals bei der Vernehmung gefragt, berichtete ein Ermittler am Donnerstag vor Gericht. "Eine für André, eine für mich", habe der Senior geantwortet. Doch nach dem ersten Schuss habe sich die Frau des Getöteten auf ihn gestürzt und ihm die Waffe entrissen.

Schuss auf den Brustkorb

Laut Anklage soll er an jenem Nachmittag Anfang März bewaffnet in das Wohnzimmer getreten und mit den Worten "André, jetzt bist du dran!" einen Schuss auf den Brustkorb des 41-Jährigen abgefeuert haben. Der Sohn seiner gestorbenen Partnerin starb noch am Tatort. Die Anklage lautet auf Totschlag. Vor Gericht wirkt der Angeklagte sehr gefasst. Er erzählt ruhig, wie er sich von dem 41-Jährigen und seiner Frau tyrannisiert gefühlt habe und dass ihm das Wohnrecht in dem Anwesen seiner Frau "abgeluchst" worden sei, in dem er 21 Jahre lang gelebt habe. Auch sei ihm das Telefon abgestellt und gesagt worden, er habe hier nichts mehr zu suchen. 

Waffe legal besessen

Die Pistole hatte er neben weiteren legal besessen, war nach eigenen Angaben seit vielen Jahren Mitglied in einem Schützenverein und hatte regelmäßig an Tontaubenschießen teilgenommen. Im Zuschauerraum genoss der angeklagte Senior am Donnerstag viele Sympathien. Bekannte und Freunde waren zum Prozessauftakt gekommen, um ihm beizustehen. Er sei immer sehr hilfsbereit und beliebt gewesen, erzählt einer. Eine Frau meint, das Ganze sei ganz offensichtlich "ein tragischer Unfall".

Der Prozess soll am 13. September mit den Aussagen von Sachverständigen und Zeugen fortgesetzt werden; weitere Verhandlungstermine sind bis 21. Oktober geplant. Die Ehefrau des Opfers und dessen Bruder treten als Nebenkläger auf, teilte das Gericht mit.

Quelle: MDR/kk/sth/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Nachrichten | 02. September 2021 | 15:00 Uhr

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