Wegen Corona Sachsens Jugendliche brauchen mehr psychologische Beratung

Schule dicht, kein Kindergarten - der Corona- Lockdown hat das Leben von Kindern und Jugendlichen in Sachsen zuletzt mehrfach komplett auf den Kopf gestellt. Das hinterlässt Spuren in der Psyche der Mädchen und Jungen. Mit der Folge, dass Therapeuten kaum noch freie Termine haben. In der Kinder- und Jugendpsychiatrie steigen die Patientenzahlen. Auch das Sächsische Krankenhaus in Rodewisch bekommt diese Entwicklung zu spüren.

Psychologe hört einem Patienten zu
Immer mehr Kinder und Jugendliche in Sachsen brauchen einen Therapeuten. Bildrechte: colourbox

Die psychischen Folgen der Corona-Pandemie für Kinder und Jugendliche könnten die psychiatrische Kliniken im Freistaat stärker fordern als bisher. Erste Untersuchungen zeigten bundesweit einen erhöhten Bedarf an psychiatrischen und psychologischen Beratungen, sagte Wolfgang Liskowsky vom Sächsischen Krankenhaus in Rodewisch am Freitag bei einem Besuch von Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD).

Versagensängste, soziale Phobien, Perspektivlosigkeit oder Depressionen seien die häufigsten Krankheitsbilder, erklärte Liskowsky. Auch weil den jungen Leuten durch die Corona-Maßnahmen die gewohnte Struktur verloren gegangen sei.

Das Krankenhaus und niedergelassene Kollegen verzeichneten eine Zunahme von akuten Problemen - insbesondere seit Oktober 2020. Konkrete Zahlen lägen aber noch nicht vor.

Wir haben vermehrt mit akuten Krisensituationen zu tun, mitunter tatsächliche Situationen, wo wir überbelegt sind. Das war vorher noch nicht so deutlich. Es ist zwar kein Dauerzustand, aber mitunter jetzt schon eingetreten.

Wolfgang Liskowsky Chefarzt am Sächsischen Krankenhaus Rodewisch

Folgen des Alleinseins

Sozialministerin Petra Köpping zeigte sich angesichts dieser Auswirkungen der Pandemie betroffen:

Ich habe mit zwei Patientinnen sprechen können, die tatsächlich in ganz jungen Jahren Selbstmordversuche unternommen haben. Da spielt natürlich der Lockdown, die Isolierung, die Unsicherheit eine riesige Rolle.

Petra Köpping Sächsische Sozialministerin

Man müsse deshalb dafür sorgen, dass in Zukunft keine Schule und kein Kindergarten mehr geschlossen werden muss, sagte die Ministerin.

Reizüberflutung bei Rückkehr in den Kindergarten

Allerdings sei auch die Rückkehr in den Alltag für viele Kinder und Jugendliche nicht einfach gewesen, schilderte Lilly Schwarzburger vom Jugendamt des Vogtlandkreises ihre Eindrücke. Das beginne bereits im Kindergartenalter.

Für viele ist es bereits eine Reizüberflutung, wenn sie eine große Kindergruppe kommen und Spielplatzlärm hören.

Lilly Schwarzburger Beigeordnete im Jugendamt des Vogtlandes

Psychotherapeut fordert von Politik ein Konzept

In der Schule seien wiederum manche besorgt, wenn andere in der Zwischenzeit mehr gewachsen sind als sie selber. "Die fragen sich dann: Mögen mich meine Mitschüler noch? Solche Dinge sind ja für Kinder essenziell." Mit Blick auf die kommenden Monate forderte der Kinder- und Jugendpsychotherapeut Ken Schönfelder aus Auerbach von der Politik ein langfristiges Konzept, um die jungen Leute nicht erneut in ein Loch fallen zu lassen. Er wünscht sich Vorhersehbarkeit, langfristige Vorausplanung und punktuelles statt flächenübergreifendem Handeln.

Kinder und Jugendliche brauchen diese Verlässlichkeit und die Möglichkeit, gemeinsam mit Gleichaltrigen Erfahrungen zu sammeln.

Ken Schönfelder Kinder- und Jugendpsychotherapeut

Dazu sei die Gemeinschaft notwendig, weil man das im Einzelsetting nicht gut gelöst bekomme, meinte der Psychotherapeut.

Quelle: MDR/sth

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 09. Juli 2021 | 14:57 Uhr

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MDR SACHSEN - Das Sachsenradio Di 27.07.2021 15:59Uhr 02:06 min

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