Lebensmittel Tafelgärten versorgen Bedürftige in Sachsen

Ein soziales Projekt in Plauen wächst – und das im wahrsten Sinne des Wortes. Seit zwei Jahren gibt es in der Spitzenstadt die sogenannten Tafelgärten. In leerstehenden Kleingartenparzellen wird Gemüse angebaut, das dann über die Tafel bedürftigen Menschen zur Verfügung gestellt wird. Nicht nur wegen immer weiter steigender Lebensmittelpreise ist das Konzept wichtiger denn je – es soll zudem Hartz-4-Empfängern den Weg zurück ins Berufsleben erleichtern.

Vorsitzender Torsten Grieser und Geschäftsführer Gerd Steffen vom Regionalverband Vogtländischer Kleingärtner stehen mit den Tafelgärtnerinnen Sylvia und Cordula im Gemüsebeet.
Vorsitzender Torsten Grieser und Geschäftsführer Gerd Steffen vom Regionalverband Vogtländischer Kleingärtner stehen mit den Tafelgärtnerinnen Sylvia und Cordula auf einer der Anbauflächen der Plauener Tafelgärten. Bildrechte: MDR/Bernd Schädlich

Beete auf 1.000 Quadratmetern

Mit Stolz präsentiert Sylvia die top gepflegten Gemüsebeete der Plauener Tafelgärten. "Tomaten, Gurken, Salat, Zucchini, Kürbisse. Da freut man sich, das alles wächst und gedeiht", sagt sie. Insgesamt acht vom Jobcenter vermittelte Langzeitarbeitslose kümmern sich um die Tafelgärten. Auf mehr als 1.000 Quadratmetern wird hier inzwischen Obst und Gemüse für den guten Zweck angebaut, wie Gerd Steffen, Geschäftsführer des Regionalverbandes Vogtländischer Kleingärtner erklärt. Insgesamt habe man in zwei Anlagen Gärten, die diesbezüglich bewirtschaftet werden. "Im Moment sind wir noch dabei, unseren Lehr- und Kräutergarten zu erweitern. Wir wachsen an dieser Sache - langsam aber stetig."

Erntefrisches Gemüse für die Tafel

Bereits im vergangenen Jahr konnten mehr als 1.000 Kilo nachhaltig produziertes, erntefrisches Gemüse der Plauener Tafel zur Verfügung gestellt werden. Dieses Jahr soll es laut Steffen noch mehr werden, denn es werde nun großflächiger angebaut. "Wenn wir es der Tafel zur Verfügung stellen wollen, dann nützt es nichts, dort drei Tomaten hinzubringen oder drei Kilo Kartoffeln. Damit helfe ich niemandem." Also werden vor allem Tomaten, Kartoffeln und Gurken im größeren Stil angebaut.

Wir versorgen momentan 650 Familien.

Constanze Schumann Arbeitsloseninitiative Sachsen

In den nächsten Tagen werden Salat und die ersten Zucchini ausgeliefert. Die Partnerschaft mit den Kleingärtnern ist für die Tafel immens wichtig, sagt Constanze Schumann, Chefin der Arbeitsloseninitiative Sachsen. "Wir sind momentan bei 650 Familien, die wir versorgen." Schumann ist bewusst, dass die Lebensmittelmärkte ihr Produktangebot immer knapper kalkulieren. Damit steht nach Ladenschluss für die Tafeln weniger zur Verfügung. Von daher sind die Tafelgärten für Schumann eine wichtige Sache.

Zwei Frauen pflegen die Beete mit den angebauten Gemüsepflanzen.
In den Plauener Tafelgärten wird auf mehr als 1.000 Quadratmetern Obst und Gemüse für den guten Zweck angebaut. Bildrechte: MDR/Bernd Schädlich

Wiedereinstieg für Langzeitarbeitslose

Neben den Tafelkunden profitierten am Ende auch die Beschäftigten des Projekts, die sonst keine Arbeit hätten, erklärt Verbandsvorsitzender Torsten Grieser. Langzeitarbeitslose wolle man so wieder ins Berufsleben integrieren. Die Tafelgärtnerinnen und Gärtner fühlen sich mit ihren Aufgaben wohl, sagt Steffen. Man sieht, dass es ihnen auch Spaß macht. Er und seine Mitstreiter hoffen, dass mithilfe von weiteren Sponsoren und Partnern die Plauener Tafelgärten in den nächsten Jahren weiter wachsen und gedeihen können.

Großer Tafelgarten an der Dresdner Messe

Tafelgärten gibt es in Sachsen schon länger. So betreibt der Verein "Jugend Arbeit Bildung" seit 2016 neben dem Dresdner Messegelände einen Tafelgarten. Zwölf Langzeitarbeitslose sind hier aktuell beschäftigt. Sie pflanzen, gießen, jäten und ernten auf einem rund 3.000 Quadratmeter großen Gelände. Jede Woche werden an die 15 Kisten mit frischem Obst und Gemüse an die Dresdner Tafel geliefert, berichtet Projektleiterin Ute Kronfeld.

MDR (bs,ma)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Regionalreport | 29. Juni 2022 | 16:30 Uhr

1 Kommentar

aus Sachsen und denkt vor 6 Wochen

Es war der ursprüngliche Sinn und Zweck der Tafeln, gegen Lebensmittelverschwendung vorzugehen. Kalkulieren die Supermärkte jetzt knapper, ist dieses Ziel ein Stück weit erreicht. Entwickeln sich jetzt Tafelgärten, so ist es ein weiterer positiver Effekt. Dabei sehe ich nicht die "Gewöhnung von Langzeitarbeitslosen an regelmäßige Arbeit" als Effekt, denn dieses ist ein defizitärer und stigmatisierender Blick auf Menschen. Ich sehe eher die Chance, dass sich Leute kennenlernen, die sich vernetzen und gegenseitig helfen können, und zwar sowohl in kleiner Hinsicht als auch im großen Rahmen, vielleicht und hoffentlich auch als politische Bewegung im Sinne dessen, was die Linke vorgeblich vertritt und was bei ihr zur Phrase verkommen ist.

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