Bewährungsprobe All-exclusive-Urlaub: Jugendliche wandern ohne Geld durchs Vogtland

Sommer, Sonne, Ferienzeit: halb Sachsen ist derzeit auf Reisen. Eine Gruppe junger Leute hat dabei im Vogtland ein ganz besonderes Experiment gewagt: Urlaub all exclusive. Zu Fuß und nur mit Rucksack sind sie vier Tage lang von Reichenbach bis an die Talsperre Pöhl gelaufen. Dabei ist vor allem der Weg das Ziel, denn im Vorfeld wurden weder Route, noch Unterkunft oder Verpflegung geplant. MDR SACHSEN-Reporter Bernd Schädlich hat die Wandergruppe der "Null Euro Tour" getroffen.

Menschen sitzen an einem Waldweg
Die Jugendlichen der Null-Euro-Tour machen Rast in der Nähe von Elsterberg im Vogtland. Bildrechte: MDR/Bernd Schädlich

Irgendwo in der Nähe von Elsterberg. Die Sonne brennt. 20 Mädchen und Jungen haben ihre Wanderrucksäcke abgelegt und sitzen mit staubigen Schuhen am Wegesrand. "Es ist ganz schön heiß, ja, vor allem wenn man wandert", meint eine der Teilnehmerinnen.

Das Wetter ist für die Gruppe nur eine der Herausforderungen. Auf ihrer Wanderung gelten besondere Regeln: Die Teilnehmenden haben weder Geld noch Essen dabei und die Handys bleiben ausgeschaltet.

Nur mit dem Nötigsten sind die Jugendlichen zwischen 15 und 21 Jahren unterwegs. Alle lassen ihren Alltag, Schule, Studium für fünf Tage komplett hinter sich. "Man weiß nie 100 Prozent, was erwartet einen jetzt." Es sei total schön, unterwegs den Leuten zu begegnen und Menschlichkeit zu erleben. Quasi ein Abenteuer im Alltag zu haben.

Nachtlager und Mahlzeiten sind nicht geplant

Das nächste Nachtlager, die nächste größere Mahlzeit – all das ist bei der Null-Euro-Tour vorher nicht geplant, erklärt Johannes Bartels vom evangelischen Landesjugendpfarramt Sachsen. Die Basis der Tour bezieht sich auf die Bibel, Jesus und das Thema Nächstenliebe. "Der ganze große Hintergrund ist im Grunde Jesus, der seine Jünger ausgesendet hat und sagte, nehmt nichts weiter mit, kein Geld und findet ein Haus, wo man euch aufnimmt", sagt er.

Menschen mit Schaufeln, Besen und Schubkarre
Im Tausch gegen ein Nachtlager und Verpflegung helfen die Jugendlichen im Garten. Bildrechte: MDR/Sarah Schade

Das Prinzip Nächstenliebe funktioniert auch heute noch. So sind die jungen Leute zum Beispiel im Hof der Burg Mylau oder auf dem Gelände des Pfarramtes Greiz untergekommen. "Ein Bett brauchen wir nicht. Wir haben ja Isomatten und Schlafsäcke", so einer der jungen Wanderer. Schwieriger sei meist die Versorgung.

Die meisten haben jetzt meist nicht spontan für 18 bis 20 Jugendliche Essen zu Hause. Die fahren tatsächlich los und kaufen für uns ein. Das ist wirklich jedes Mal erstaunlich.

Teilnehmer der Null-Euro-Tour

Nachtlager gegen Hilfe im Garten getauscht

Als Gegenleistung bieten die jungen Wanderer den Hilfsbereiten ihre Hilfe an oder versuchen, auf andere Art und Weise Geld für Lebensmittel zusammen zu bekommen. "Wir haben Unkraut gejätet oder Büsche geschnitten, wir waren auch im Pfarrgarten und haben Tannenzapfen gesammelt", erzählt ein Junge. "Wir waren einkaufen, haben Straßenmusik gemacht. Da haben wir sehr viel Geld eingenommen, so viel hatten wir gar nicht erwartet."

Menschen singen auf einem Gehweg
Mit Straßenmusik haben sich die Teilnehmenden der Null-Euro-Tour Geld für Essen verdient. Bildrechte: MDR/Sarah Schade

Durch die gesammelten Erfahrungen sehen die Jugendlichen schon jetzt viele Dinge mit ganz anderen Augen. "Das man dankbar darüber ist, was man bekommt", sagt ein Mädchen. Ein anderes lobt die Gastfreundlichkeit. "Dass wir einfach dort übernachten konnten, obwohl wir denen gar nichts zurückgeben konnten", sagt sie. Eine Jugendliche freut sich über das Sommerwetter während der Tour. "Ich finde gut, dass es nicht regnet, da kann man gut im Freien schlafen und sieht die Sterne – das ist Luxus", sagt sie.

MDR (al)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | SACHSENSPIEGEL | 04. August 2022 | 19:00 Uhr

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