Steigende Infektionszahlen Bürgermeister fordern härtere Corona-Maßnahmen

Blick über ein Feld auf eine Kirche und das Schloss Augustusburg.
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Nach dem ständigen Anstieg der positiven Corona-Tests im Freistaat erwägt die Landesregierung eine Verschärfung der Maßnahmen gegen die Pandemie. Zwei Bürgermeister haben eine ganz klare Haltung, um die Pandemie unter Kontrolle zu bekommen.

Dirk Neubauer: Was muss noch passieren?

Der Bürgermeister von Augustusburg, Dirk Neubauer (SPD), hält schärfere Maßnahmen für absolut notwendig. "Wenn ich die heutige Lage allein in Bezug auf unsere kleine Stadt sehe: Da ist eine Kita direkt betroffen, die zweite schließen wir gerade, weil Personal fehlt. Die Grundschule schließen wir gerade, die Notbetreuung bekomme ich für zwei Klassen gerade noch organisiert. Und das Rathaus ist geschlossen weil wir alle zum Test müssen. Was muss noch passieren?" Er sieht einen sofortigen harten Lockdown als eine von zwei Möglichkeiten, um den steigenden Corona-Zahlen Herr zu werden.

Die Zahlen gehen durch die Decke. Wir wollen zu Weihnachten lockern und dabei haben wir es jetzt schon nicht mehr im Griff. Auch wirtschaftlich gesehen ist jetzt der richtige Zeitpunkt.

Dirk Neubauer Bürgermeister von Augustusburg

Im anderen Fall müsse man Wege finden, um die öffentlichen Bereiche abzusichern. Schnelltests wären dafür eine sehr gute Möglichkeit.

Neubauer hatte in einem Beitrag bei Facebook die Bürger von Augustusburg darauf vorbereitet, dass ein Lockdown nicht mehr abzuwenden sei. Weihnachten solle in diesem Jahr im kleinsten Kreis gefeiert werden und Silvester keine Priorität haben. Er forderte seine Mitbürger wörtlich auf: "Regeln einhalten. Mittel anwenden. Entscheidungen treffen. Auch, wenn diese weh tun. Leider."

Der Bürgermeister von Augustusburg, Dirk Neubauer
Der Bürgermeister von Augustusburg, Dirk Neubauer, fordert einen Lockdown oder zielgerichtete Schnelltests. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Jesko Vogel: Keine Vorsorge im Sommer

Der Oberbürgermeister von Limbach-Oberfrohna, Jesko Vogel (Freie Wähler), hat ebenfalls mit einem Beitrag bei Facebook an die Bevölkerung appeliert, die Corona-Regeln einzuhalten. Auch er vermisse die Verhältnismäßigkeit zum Beispiel beim Tragen von Masken. Jedoch blieben in der kritischen Situation nur pauschale Regeln. Er kritisierte die Bundes- und Landesregierung. In den Sommermonaten sei keine Vorsorge für die Winterzeit getroffen worden. Als Beispiel nannte er den jetzt erst vorgesehenen Einsatz von Schnelltests in Pflegeheimen und Schulen und die Verteilung von FFP-2-Masken an Ältere Bürger, die jetzt erst beginnen soll.

Vogel hat klare Forderungen an die Landespolitik. "Man muss es jetzt mal richtig machen. Ich spüre die Verunsicherung bei den Einwohnern." Man sollte eine klare Linie haben mit einem Masterplan, damit sich die Bürger langfristiger auf die notwendigen Maßnahmen einstellen könnten. "Ganz wichtig ist, dass man eine Kommunikationsstrategie auf Landes- und Landkreisebene entwickelt, um die Bürgerinnen und Bürger vernünftig zu informieren."

Der Oberbürgermeister von Limbach-Oberfrohna, Jesko Vogel.
Der Oberbürgermeister von Limbach-Oberfrohna, Jesko Vogel, kritisiert die Landesregierung. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Ministerpräsident Kretschmer will weitere Beschränkungen durchsetzen

Nach einem Gespräch mit den Industrie- und Handelskammern sowie den Handwerkskammern am Montag sagte Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU), dass weitere Beschränkungen des öffentlichen Lebens erforderlich seien. Es werde sie deswegen auch geben. Trotzdem müsse das wirtschaftliche Leben erhalten bleiben. Jeder sei gefordert, sein Gesundheitsmanagement noch einmal zu überprüfen. "Wir wollen nicht, das Hotspots in den Betrieben entstehen", sagte der Ministerpräsident.

Politik und Wirtschaft könnten momentan nur auf Sicht fahren. Konkrete Schritte würden zunächst im Kabinett und Parlament sowie im Einvernehmen mit der kommunalen Ebene, der Wirtschaft und gesellschaftlichen Gruppen beraten. Die Maßnahmen sollten für alle Bürger kalkulierbar sein und mit einem entsprechenden Vorlauf verkündet werden. Man müsse über Schule und Kindergärten sprechen, möglicherweise auch über andere Punkte, sagte Kretschmer. Als Beispiel nannte er Pflegeheime. Für Besuche könnte fortan ein Schnelltest Voraussetzung sein. Ein Teil der Menschen nehme die Situation noch nicht ernst: "Denen müssen wir jetzt, glaube ich, mit aller Deutlichkeit zeigen, dass es ernst ist. Weil wir sonst in die Situation kommen, in der unbeteiligte, unschuldige Menschen Probleme bekommen, beispielsweise bei der medizinischen Versorgung in den Krankenhäusern."

Die Zahl der Neuinfektionen in Sachsen war zuletzt stark gestiegen. Im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge kletterte sie laut Robert Koch-Institut binnen sieben Tagen über die Marke von 500 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner. Im bundesweiten Vergleich ist Sachsen damit negativer Spitzenreiter. Der Inzidenzwert im gesamten Freistaat lag zuletzt bei über 300 - das ist mehr als doppelt so hoch wie der bundesweite Wert von 142.

Quelle: MDR/tfr/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 07.12.2020 | 19:00 Uhr

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