Ernteverzug Regen vermiest Bauern im Erzgebirge die Ernte

Die Bauernregel "im August viel Regenschauer - ist Verdruss für jeden Bauer" gilt auch im 21. Jahrhundert. Nach den Dürresommern der Vorjahre ist die Ernte im Erzgebirge in diesem Jahr durch den andauernden Regen in Gefahr.

Eine Getreideähre hängt nach unten, dahinter ein Getreidefeld.
Trübe Aussichten für die Ernte im Erzgebirge. Der Regen der letzten Wochen führt zu erheblichen Ernteausfällen. Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

Das Wetter im Erzgebirge südlich von Chemnitz wirkt Ende August schon herbstlich. Bei 14 Grad am Montagvormittag ziehen dichte Wolken über die nassen Felder von Landwirt Andreas Wetzel. Das Feld mit Winterweizen ist nur zu einem kleinen Teil gedroschen. Der Regen der vergangenen Woche hat die weitere Ernte verhindert, sagt Andreas Wetzel. "Wir sind mit der Ernte 14 Tage im Verzug. Wir hatten im August 150 Millimeter Niederschlag und im gesamten Jahr etwa 800 Millimeter." Der langjährige mittlere Niederschlag würde etwa 870 Millimeter betragen. "Die haben wir schon jetzt fast erreicht."

Man bräuchte noch mindestens eine Woche trockenes Wetter, um die Ernte einbringen zu können. "Bei uns stehen noch 60 Prozent der Druschfrüchte. Weiter oben im Gebirge ist teilweise nur die Wintergerste gedroschen worden. Da stehen noch Sommergerste, Hafer, also sämtliche Sommerkulturen, Weizen und Raps."

Landwirt Andreas Wetzel, ein Mann mit grauen Haaren, steht vor einem Getreidefeld, das teilweise abgeerntet ist.
Landwirt Andreas Wetzel blickt mit gemischten Gefühlen auf seine halb abgeernteten Felder. Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

Zehntausende Euro Verlust

Für Landwirtschaftsbetriebe wie den von Andreas Wetzel spült der ungewöhnlich nasse Sommer die Gewinne buchstäblich davon. Jeder Tag, den das Getreide länger auf dem Halm steht, kostet ihn Geld, sagt Wetzel. "Das sind finanzielle Verluste durch die geringere Qualität des Getreides. Dazu kommt ein Mehraufwand bei der Strohbergung, weil das Stroh noch gewendet werden muss zum Abtrocknen. Die Wiederbestellung des Ackers ist der dritte Verlustfaktor. Normalerweise sollte auf dieser Fläche schon Raps wachsen. Das könnte sich in diesem Jahr erledigt haben und ich muss umplanen." Wetzel rechnet auf seiner 200 Hektar großen Ackerfläche mit einem Verlust von mehreren zehntausend Euro.

In diesem Jahr hat er nur etwa sechs Tage gehabt, an denen er ernten konnte, sagt Wetzel. "Und das waren auch nur halbe Tage." Morgens sei es durch den Tau zu feucht gewesen, sodass er erst am Nachmittag mit dem Dreschen beginnen konnte. "Die Kornfeuchte muss dabei unter 14,5 Prozent liegen, damit das Getreide lagerfähig ist. Der Wert war bereits am frühen Abend wieder überschritten."

Milchkühe helfen, die Verluste zu verringern

Sein Kuhstall ist Wetzels zweites Standbein. Oder besser: Dort stehen 180 Standbeine. Denn seine 45 Milchkühe liefern täglich Milch, die Wetzel auch an seiner eigenen Milchtankstelle verkauft. Den Kühen ist das Wetter egal. Und auch das Futterangebot ist witterungsbedingt mehr als ausreichend, sagt der Landwirt. "Das Gras wächst buchstäblich ohne Ende." In den vergangenen Jahren habe das Futter für die Kühe durch die Trockenheit gefehlt. "Das ist in diesem Jahr mal anders", lacht er. Allerdings können man sich gegen den Ernteverzug nicht versichern, sagt Wetzel.

Eine Kuh blickt  in einem Kuhstall in die Kamera, dahinter liegen andere Kühe.
Dank des feuchten Wetters wächst für Wetzels Milchkühe in diesem Jahr mehr als genug Futter. Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

Versicherung könnte Abhilfe schaffen

Genau eine solche Versicherung strebt aber der Sächsische Landesbauernverband an, sagt Vizepräsident Gunther Tzschirmler. "Daran arbeitet der Berufsverband schon jahrelang mit Versicherungen und der Politik." Es wäre wünschenswert, wenn es eine übergreifende Versicherung gäbe, in die alle Beteiligten einzahlten. "Das muss eigentlich kommen. Wir Verbände haben geliefert, haben Beispielrechnungen vorgelegt. Nun ist der politische Wille in den Landtagen und im Bundestag gefragt." Darauf kann Andreas Wetzel im Moment nicht warten. "Jetzt hoffen wir erst mal auf einen schönen goldenen September", sagt der Landwirt.

Dunkle Wolken über einem Stoppelfeld, auf dem Stroh in langen Bahnen liegt.
Bis es eine Versicherung gibt, die alle witterungsbedingten Schäden abdeckt, werden wohl noch einige dunkle Wolken über das Erzgebirge ziehen. Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

Quelle: MDR/tfr

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | SACHSENSPIEGEL | 30. August 2021 | 19:00 Uhr

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