Amtsgericht FDJ-Prozess in Zwickau: Jungsozialisten weigern sich Blauhemd auszuziehen

Am Amtsgericht Zwickau hat es einen Streit mit mehreren Angeklagten und Zuschauern in FDJ-Hemden gegeben. Das Gericht verlangte, dass sie die Hemden ausziehen. Die Jungsozialisten wollten das zunächst nicht. Sie müssen sich wegen einer Kundgebung der FDJ im März 2020 in Zwickau verantworten. Zwei von ihnen waren damals auf den Rathausbalkon geklettert. Die Stadt erstattete Anzeige wegen Hausfriedensbruchs.

FDJ-Demo in Zwickau
Mit Fahnen und Blauhemden zogen die FDJ-Anhänger 2020 durch Zwickau (Archivbild). Bildrechte: Ralph Köhler

Bei einem Prozess gegen Anhänger der FDJ hat es am Mittwoch vor dem Zwickauer Amtsgericht einen Vorfall gegeben. Die vier angeklagten Männer und Frauen sowie Zuschauer hatten sich die blauen Hemden der sozialistischen Jugendorganisation übergezogen. Die Justiz schritt ein, da sie sich zunächst weigerten, die Blauhemden freiwillig auszuziehen. Diese seien konfisziert worden, sagte am Donnerstag ein Gerichtssprecher auf Anfrage. Laut einem Bericht der "Freien Presse" hatte der Richter das Tragen der Hemden als Uniformierung gewertet. Der Fall beschäftigt nun die Staatsanwaltschaft Zwickau. Es werde ein Ermittlungsverfahren wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen eingeleitet, sagte eine Sprecherin der Deutschen Presse-Agentur.

Verfahren wegen Hausfriedensbruchs

Doch zurück zum eigentlichen Prozess: Ein 42 Jahre alter Mann und eine 23 Jahre alte Frau müssen sich seit Mittwoch vor dem Amtsgericht in Zwickau wegen Hausfriedensbruchs verantworten. Sie waren bei einer Demonstration der FDJ im März 2020 mit einer Leiter auf den Balkon des Zwickauer Rathauses geklettert. Dort schwenkten sie FDJ-Fahnen. Zwei weiteren Beschuldigten wird Beihilfe zum Hausfriedensbruch vorgeworfen. Sie sollen die Leiter gehalten haben. Die Zwickauer Demo war Teil einer FDJ-Kampagne unter dem Motto "30 Jahre sind genug! Revolution & Sozialismus".

Die Angeklagten stammen aus Bremen, Nürnberg und Regensburg. Ein Urteil wurde noch nicht gesprochen. Den Angaben zufolge muss geklärt werden, ob bei der Anzeige zur Balkonkletterei im Jahr 2020 möglicherweise ein Fehler passiert ist. Ein weiterer Verhandlungstermin steht noch nicht fest.

FDJ im Westen verboten, im Osten legal

Die Staatsanwaltschaft hatte ursprünglich auch wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen gegen den Anmelder der Kundgebung ermittelt. Das stand jedoch nicht mehr zur Debatte, weil die FDJ in Ostdeutschland nach wie vor erlaubt ist. Während sie im Westen in den 1950er Jahren verboten wurde, gehört es zu den Eigenheiten des 1990 geschlossenen Einigungsvertrages, dass die FDJ auf dem Territorium der früheren DDR legal geblieben ist.

Die 1946 gegründete Organisation unterhält im Berliner Karl-Liebknecht-Haus ein Büro. Auch die Partei die Linke hat dort ihren Sitz. Allerdings erkennt die Linkspartei die FDJ nicht als ihren Jugendverband an. Zu DDR-Zeiten war die FDJ die größte sozialistische Jugendorganisation mit seinerzeit rund 2,3 Millionen Mitgliedern. Wie viele Mitglieder es aktuell sind, teilt die FDJ nicht mit.

Quelle: MDR/sth/tfr/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Regionalnachrichten aus dem Studio Chemnitz | 04. August 2021 | 13:30 Uhr

Mehr aus Zwickau, Altenburg und Greiz

Mehr aus Sachsen