Arbeitsmarkt Zehntausende in Sachsen haben mehr als einen Job

Wenn das Einkommen zu knapp ist, bleibt für manche Menschen nur eine Lösung: Sie müssen sich noch eine zweite Arbeitsstelle suchen.

Kellnerin trägt ein Tablett mit Getränken
Wer zuwenig Einkommen hat, versucht unter anderem in der Sommersaison in der Gastronomie etwas dazu zu verdienen. Bildrechte: imago/Ralph Peters

Mehrere Zehntausend Beschäftigte in Sachsen haben mehr als einen Job. Wie eine Anfrage der Zwickauer Bundestagsabgeordneten Sabine Zimmermann (Linke) bei der Bundesagentur für Arbeit ergab, lag die Zahl Betroffener Ende 2020 bei 92.568. Zum Vergleich: 2003 traf das auf 51.949 Menschen zu. 2019 hatte es im Freistaat sogar 95.861 Mehrfachbeschäftigte gegeben.

Zweitjob aus Finanznot heraus

Der leichte Rückgang im darauffolgenden Jahr hängt nach Einschätzung von Zimmermann mit der Corona-Krise am Arbeitsmarkt zusammen. Er werde schon in Kürze wieder in einen Anstieg übergehen. Der überwiegende Teil der Mehrfachbeschäftigten dürfte aus purer finanzieller Not mehr als einen Job haben und nicht freiwillig.

Die Tendenz zum Zweitjob wird anhalten, da es insgesamt zu wenig gute Arbeit gibt, von der die Menschen leben können.

Sabine Zimmermann Linke-Politikerin

Zimmermann verwies auf eine 2019 erschienene Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts der Hans-Böckler-Stiftung. Demnach seien für 53 Prozent der Befragten finanzielle Schwierigkeiten beziehungsweise Nöte ausschlaggebend für die Nebentätigkeit. 24 Prozent hätten keine Vollzeitstelle finden können und deshalb die Nebentätigkeit aufgenommen, um finanziell aufzustocken.

Linke will höheren Mindestlohn

"Die Linke fordert die Erhöhung des Mindestlohns auf 13 Euro die Stunde. Es bedarf aber weiterer Maßnahmen, unter anderem die Abschaffung der systematischen Niedriglohnbeschäftigung in Form der Leiharbeit und die Stärkung der Tarifbindung", betonte die Politikerin, die im Bundestag den Ausschuss für Familie, Senioren, Frauen und Jugend leitet. Minijobs müssten in eine existenzsichernde Beschäftigung überführt werden.

Quelle: MDR/ma/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Nachrichten | 02. August 2021 | 08:00 Uhr

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