Verein "Projekt Misside Guinea" Bundesverdienstorden für Waldenburger Lehrer Amadou Diallo

Der Waldenburger Lehrer Amadou Diallo erhält für sein soziale Engagement den Bundesverdienstorden. Neben sechs anderen Sachsen wurde der 60-Jährige in Dresden ausgezeichnet. Diallo ist Gründer des Lunzenauer Vereins "Projekt Misside Guinea" und sammelt seit Jahren Geld dafür. MDR SACHSEN sprach mit ihm über das Projekt.

MDR SACHSEN: Herr Diallo, Sie werden in Dresden mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. Was bedeutet Ihnen die Auszeichnung?

Amadou Diallo: Der Verdienstorden ist außergewöhnlich für mich. Ich freue mich sehr darüber. Das ist eine Ermutigung für mich.

Sie stammen aus Guinea und haben dort 2003 das Projekt Misside Guinea ins Leben gerufen, daraus ist viel entstanden. Wie wichtig ist denn dieses Projekt für Sie persönlich?

Sozialprojekt Guinea Amadou Diallo
Amadou Diallo Bildrechte: MDR/Amadou Diallo

Es ist eine große Erfüllung für mich. Ich habe mit Unterstützung begonnen, eine Grundschule zu bauen in meinem Geburtsdorf. Und zu sehen, wie weit wir damit gekommen sind, ist einfach eine wunderbare Sache für mich und die Bevölkerung dort. Aus einer Schule sind drei Grundschulen, drei Krankenstationen und eine Berufsschule entstanden.

Wie ist das Leben dort in Guinea, wo Sie herkommen? Gibt es dort keine Schulen?

Die Orte, wo ich die Schulen gebaut habe, da gab es überhaupt nichts. Angefangen habe ich in meinem Geburtsdorf. Ich musste eine 45 Kilometer entfernte Schule besuchen. In meinem Dorf gab es keine Schule, bis ich im Jahre 2003 dort eine Hütte gefunden habe.

Sozialprojekt Guinea Amadou Diallo
Seit 2003 sind in Télimelé in Guinea drei Schulen durch Spenden entstanden. Bildrechte: MDR/Amadou Diallo

Da habe ich mir gesagt: Guck mal, sie sind auf die Idee gekommen, selbst eine Hütte als Schule zu bauen. Da waren acht Pfosten links und rechts und Stroh drauf, mit Schulbänken ohne Tische. Da habe ich mir gesagt, also hier muss ich einfach etwas machen. Ich habe das dann fotografiert und mit den Bildern bin ich dann hierher gekommen und habe angefangen, dafür zu werben und Spenden zu sammeln.

Sie sind Französisch-Lehrer am Europäischen Gymnasium Waldenburg. Können Sie den Schülern dort vermitteln, was das Projekt für die Kinder ihres Alters in Guinea bedeutet?

Sozialprojekt Guinea Amadou Diallo
Amadou Diallo in einer Schule in Télimelé im Gespräch mit Schülerinnen und Schülern. Bildrechte: MDR/Amadou Diallo

Definitiv. Weil, hier an meiner Schule sind einige Schüler sehr aktiv. Ich zeige ihnen Bilder, wie das Leben im Dorf dort ist und erzähle von meiner eigenen Laufbahn. Da packen die Schüler gleich mit an und organisieren Kuchenbasare oder Konzerte und sammeln das Geld. Damit habe ich die Schulen in Guinea gebaut. Jedes Mal, wenn ich mit einer Schule oder Krankenstation fertig war, kamen die Schüler und fragten, was ist das nächste Projekt? So sind wir weitergekommen bis heute.

Dann frage ich Sie auch: Was ist ihr nächstes Projekt?

Die Berufsschule funktioniert schon sehr gut. Wir haben dort über 300 Schüler, die zu Krankenschwestern, Hebammen und Laboranten ausgebildet wurden. Wir haben eine Krankenstation für die Praxisarbeit, eine Schulapotheke, ein Labor und einen Kräutergarten, in dem die Schüler lernen können, mit den Naturheilkräutern Menschen zu helfen.

Sozialprojekt Guinea Amadou Diallo
Amadou Diallo mit Jürgen Weinhold, der als Freiwilliger in dem Hilfsprojekt arbeitet, und Frauen in Guinea. Bildrechte: MDR/Amadou Diallo

Und jetzt möchten wir eine Entbindungsstation bauen. Die Idee war, den Frauen dort zu helfen, deshalb auch die medizinische Berufsschule. Die Frauen werden in Guinea benachteiligt und zu früh verheiratet. Wer fertig ausgebildet ist und sein eigenes Brot verdient, ist von niemandem mehr abhängig.

Weitere Sachsen mit Bundesverdienstorden geehrt

Lutz Köhler

Lutz Köhler (79) setzt sich seit mehr als einem halben Jahrhundert für die Belange von Menschen mit Hörbehinderungen ein – seit vielen Jahren auch in verantwortlichen Positionen in Gehörlosenverbänden und Vereinen. Mit seinem Wirken fördert und unterstützt er gehörlose und hörbehinderte Menschen – unter anderem bei Behördengängen, Wohnungsproblemen oder beim Schriftwechsel mit Ämtern. Als Ausbilder sorgte er in den 1990er Jahren auch dafür, dass viele zur damaligen Zeit arbeitslose Hörbehinderte wieder Arbeit und Lebensmut fanden. Im Behindertenbeirat der Stadt Leipzig setzt er sich mit für den Wandel hin zu einer behindertengerechten Stadt ein. Viele Projekte, die bereits realisiert werden konnten, tragen seine Handschrift. Lutz Köhler macht sich auch für die Zusammenarbeit mit den Landesverbänden der Gehörlosen stark und ist ein wichtiger Akteur und Motivator bei der Förderung von Kultur und Freizeitaktivitäten, insbesondere für Kinder, Jugendliche und Senioren.
Quelle: Sächsische Staatskanzlei

Hubertus Letzner

Hubertus Letzner (78) hat mit großem Engagement zum Aufbau der Wirtschaft und des soziokulturellen Lebens von Grimma beigetragen. Als Geschäftsführer des Grimmaer Gewerbeparks entwickelte er aus einer Industriebrache einen lebendigen und attraktiven Gewerbepark. Dass dies gelang und viele Arbeitsplätze gesichert werden konnten, ist nicht zuletzt seiner Tatkraft und seiner Kreativität zu verdanken. Darüber hinaus unterstützte und unterstützt er das gesellschaftliche Leben Grimmas organisatorisch und finanziell. Hervorzuheben ist auch sein Engagement bei der Rettung einer vom Einsturz bedrohten Rittergutscheune in Seeligenstädt bei Grimma, die heute kulturelles Zentrum des Ortes ist. Während der Hochwasserkatastrophe 2002 gehörte er zu den wichtigen Krisenmanagern in der Kommune. So wurde unter seiner Federführung die Muldentalhalle zum größten Evakuierungslager Grimmas umgebaut.
Quelle: Sächsische Staatskanzlei

Prof. Dr. Godula Kosack

Prof. Dr. Godula Kosack (77) setzt sich seit Jahrzehnten für die Gleichstellung der Geschlechter und gegen Ungleichbehandlung, Benachteiligung sowie Gewalt gegenüber Frauen ein – national und international. Die Soziologin und Ethnologin engagiert sich ehrenamtlich in der 1990 gegründeten Deutsch-Afrikanischen Gesellschaft e.V. (DAFRIG). Dank ihrer Ideen, ihres Mutes und ihrer Beharrlichkeit sind verschiedene Projekte zur Verbesserung der Lebensbedingungen von Mädchen und Frauen auf den Weg gebracht worden. So werden jedes Jahr in Nordkamerun Dutzende Mädchen und Frauen auf ihrem Bildungsweg unterstützt. Die ersten jungen Frauen aus der Region sind bereits zum Hochschulstudium geführt worden. Aktuell begleitet sie im dortigen Siedlungsgebiet der Mafa ein – vom Freistaat Sachsen unterstütztes - Projekt zur Eindämmung der Corona-Pandemie. Seit 2016 ist sie Vorstandsvorsitzende der Frauenorganisation Terre des Femmes – Menschenrechte für die Frau e.V., die mit Aufklärung, Beratung und Kampagnen unter anderem gegen Frauenhandel, häusliche Gewalt, Zwangsheirat und Genitalverstümmelung eintritt. Darüber hinaus war sie als Gründungsmitglied und Vorstandsvorsitzende des Interkulturellen Zentrums e.V. in Leipzig aktiv und engagiert sich in weiteren Organisationen wie der von ihr mitgegründeten Louise-Otto-Peters Gesellschaft. Der unermüdliche Einsatz für die Durchsetzung von Frauenrechten, für die Umsetzung des Prinzips der Selbstbestimmung und der Förderung von Bildungschancen für Mädchen und junge Frauen verdient höchste Anerkennung.
Quelle: Sächsische Staatskanzlei

Ingrid Poike

Ingrid Poike (75) setzt sich seit mehr als einem Jahrzehnt in herausragender Weise ehrenamtlich für ein Sozialprojekt in Namibia ein. Gemeinsam mit Partnern vor Ort unterstützt sie mit dem Projekt Mayana Mpora Kinder und Schulen in einem Dorf im Norden des Landes. Beharrlich akquiriert sie Sponsoren und Unterstützer, organisiert Vorträge in Deutschland, pflegt Kontakte und koordiniert die Spenden. Ziel ist es, den kontinuierlichen Schulbesuch insbesondere auch für die Mädchen in dem Ort sicherzustellen. So konnten beispielsweise Schulkleidung beschafft und in vielen Fällen Schulgeld bezahlt werden. Immer wieder ist sie auch selbst in der Region unterwegs, berät und motiviert die Kinder. Viele von ihnen haben dank der Unterstützung inzwischen bereits eine Berufsausbildung oder ein Studium begonnen. Über ihr Engagement in Namibia hinaus ist sie im Förderverein der Chemnitzer Theater und als Förderin der Chemnitzer Schlosskirchen-Orgel aktiv.
Quelle: Sächsische Staatskanzlei

Stefan Richter

Stefan Richter (71) hat gemeinsam mit dem "Bergmannsblasorchester Kurbad Schlema e.V." das Europäische Blasmusikfestival/Internationale Musikfest ins Leben gerufen – und mit Leben erfüllt. Er hat maßgeblich dazu beigetragen, dass das Festival ein großer Erfolg wurde, Nationen und Menschen verbindet. Das jährlich stattfindende Festival zählt heute zu den bedeutendsten seiner Art in Europa. In den vergangenen 27 Jahren kamen insgesamt mehr als 100 Orchester mit rund 10.000 Musikern sowie 400.000 Gäste nach Bad Schlema. Wichtig ist ihm zudem die Nachwuchsarbeit im Verein des Bergmannsblasorchesters, das er jahrzehntelang ehrenamtlich als Geschäftsführer leitete. Auch dank dieses großen Engagements ist der Anteil an Kindern und Jugendlichen in dem Verein angestiegen und liegt heute bei mehr als 60 Prozent.
Quelle: Sächsische Staatskanzlei

Lars Werthmann

Lars Werthmann (36) engagiert sich ehrenamtlich seit mehr als 15 Jahren im Katastrophenschutz des Landkreises Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. Als Gründungsmitglied war der Rettungsassistent seinerzeit maßgeblich beim Aufbau des Ortsverbandes Dippoldiswalde des Technischen Hilfswerks beteiligt – und ist seitdem bei zahlreichen Einsätzen im In- und Ausland tätig. Durch seinen unermüdlichen ehrenamtlichen Einsatz gelingt es ihm, Menschen für die Arbeit des THW zu begeistern und zu motivieren. Hervorzuheben sind hier insbesondere seine tatkräftige und engagierte Jugendarbeit und der Aufbau einer Jugendgruppe. Lars Werthmann engagiert sich außerdem sehr aktiv bei der Flüchtlingshilfe im Freistaat Sachsen. Seine Erfahrungen und seine Tatkraft waren mit entscheidend dafür, den Aufbau und die Inbetriebnahme verschiedener Notunterkünfte auch unter enormem Zeitdruck erfolgreich zu realisieren.
Quelle: Sächsische Staatskanzlei

Quelle: MDR/kb

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